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Noch eine Woche bis zur Rad-Demo

Von Andreas Tschürtz

Noch eine Woche bis zur Rad-Demo
Student Daniel Knoll (rechts) hat beim Werben für die Rad-Demo leichtes Spiel: "Das Thema kommt bei den Leuten positiv an." Die Aktion wird von Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie Politikern verschiedener Parteien unterstützt.Foto: Andreas Tschürtz 

Heilbronn - Der von vielen als langweilig empfundene Bundestagswahlkampf ist vorbei. Den mutlosen Kandidaten hätte ein Blick in die Region Heilbronn geholfen. Hier treten Bürger mit Herzblut für ihre Sache ein. So verhinderten Bürger in Bad Rappenau-Bonfeld vor kurzem mit mehr als 1300 Unterschriften eine Feuerverzinkerei. Bürgerinitiativen in Bad Friedrichshall, Bad Wimpfen, Offenau und Kirchhausen legten mit einer spektakulären Aktion den Durchgangsverkehr lahm, um auf die Belastung aufmerksam zu machen. Und Heilbronner Radfahrer planen für den 17. Oktober eine Fahrrad-Demonstration, weil sie deutlich machen wollen, dass ein Ausbau des Radverkehrsnetzes trotz Finanzkrise und leerer Kassen vielen Menschen ein dringendes Anliegen ist.

Respekt

Die Demo auf die Beine zu stellen, ist harte Arbeit. Seit Wochen trifft man sich, verteilt Aufgaben, entwirft Plakate und wirbt jetzt eifrig Mitstreiter. Auch bei denen, die selbst nicht Rad fahren, findet so viel Einsatz Zustimmung. Etwa bei Bringfried Schwidurski. Als der 77-Jährige sieht, wie die Initiative Radwende auf dem Kiliansplatz Flyer verteilt, lobt er: "Wir brauchen in Heilbronn solches Engagement aus der Bürgerschaft, um Dinge im Gemeinderat anzuschieben und mitzuteilen, was die Bevölkerung denkt." Zwar sei der Rat nicht untätig, sagt der Rentner. Aber vieles werde an der Bevölkerung vorbei entschieden. "Nehmen Sie nur die Umgestaltung des Kiliansplatzes."

Für den Tübinger Politikprofessor Hans-Georg Wehling bewegen sich die Radler trotz des Zuspruchs auf einem schmalen Grat, und die richtige Balance könnte über Erfolg und Misserfolg entscheiden (siehe Nachgefragt): Einerseits müssten die Radler polarisieren, um zu mobilisieren, andererseits könne gerade eine starker Protest auf der Straße zu einer verhärteten Haltung in der Verwaltung führen. Um das zu vermeiden, betont das Bündnis Radwende seine Überparteilichkeit. Neben Grünen, SPD, Freien Wählern und Linkspartei, die die Initiative unterstützen, wurden auch FDP, CDU und die Verwaltung zum Mitmachen eingeladen. Letztere wird aber nicht an der Fahrraddemonstration teilnehmen, wie Baubürgermeister Wilfried Hajek auf HSt-Anfrage erklärt: "Wir haben in unserer Funktion die Neutralität gegenüber allen Beteiligten zu wahren."

Offene Ohren

Rentner Bringfried Schwidurski jedenfalls hofft, dass die Anliegen der Radler auf ebenso offene Ohren bei den Verantwortlichen stoßen wie bei den Passanten. Student Daniel Knoll hat beim Verteilen der Flyer leichtes Spiel. "Natürlich komme ich", sagt Maria Fernanda aus Nordheim. "Weil das Rad als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel einfach nicht im Vordergrund steht. Es geht nur noch um die Krise."

Details zur Rad-Demo am Samstag, 17. Oktober, gibt das Bündnis kommende Woche bekannt.

08.10.2009


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