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"Bürgermeister reagieren leicht beleidigt"
In Heilbronn wollen Radler demonstrieren. Wie alle Bürgerinitiativen sollten sie aber nicht zu sehr auf Konfrontation mit der Verwaltung setzen, rät der Tübinger Politikprofessor Hans-Georg Wehling (Foto: privat) im Gespräch mit Andreas Tschürtz.
Gibt es Faktoren, die über den Erfolg von Bürgerinitiativen entscheiden?
Hans-Georg Wehling: Bürgerinitiativen haben ein Problem: Sie sind meist gar keine Initiativen, sondern eine Reaktion auf Entscheidungen, die einen betreffen. Um Mitstreiter zu mobilisieren, muss man das Vorhaben emotionalisieren. Am besten geht das, indem man sagt, wir sind die, die ein gerechtes Interesse vertreten, und der böse Bürgermeister und der Rat verteidigen ihre Ansichten zu unrecht. Das muss man so machen, aber es wird so schwierig, das Problem zu lösen.
Wieso?
Wehling: Man darf die Empfindlichkeiten nicht übersehen, wenn man den Bürgermeister oder den Rat und Leute in der Verwaltung persönlich angreift. Die reagieren dann leicht beleidigt und dann ist das Kind in den Brunnen gefallen.
Den Interessenausgleich zu suchen ist besser als die Konfrontation?
Wehling: Generell könnte man sagen, je früher man auf die Verwaltung zugeht, desto erfolgreicher kann eine Bürgerinitiative sein. Schon wenn man mitbekommt, es wird etwas geplant, was gegen die eigenen Interessen ist, sollte man den Kontakt suchen. Gehen schon viele Bürger gegen die Verwaltung auf die Straße, kann eine Lösung des Konflikts schwer werden.
In Heilbronn wollen Radler nicht gegen die Verwaltung protestieren. Die Stadt soll aber an ihrem Ziel, radfreundlicher zu werden, festhalten. Trotz Geldsorgen. Dem Bündnis gehören Umweltverbände an und es überspannt Parteigrenzen.
Wehling: Wenn dem so ist, müsste der Oberbürgermeister schon ziemlich verbohrt sein, wenn er da nicht entgegenkäme. Einlenken ist da am besten, die Zusage geben, man mache das Möglichste, natürlich nach Lage der Kassen. Gerne schlägt man auch vor, wenn alle mit anpacken, könne schneller etwas erreicht werden. Dann ist so ein Konflikt mit Bürgern oft recht schnell vom Tisch.
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