- Artikel
- 5 Kommentare
- Versenden
Fahrradtour mit Hindernissen
Von Andreas Tschürtz
Heilbronn - Die Defizite im Radverkehrsnetz Heilbronns sind vielfältig. Seit Wochen melden uns Leser Mängel. Auch die Stimme hat sich wieder aufs Rad geschwungen. Gemeinsam mit Radlern vom Heilbronner Radtreff , dem VCD, dem ADFC und dem Arbeitskreis Mobilität der Stadt haben wir benannte Problemstellen abgefahren. Ergebnis: Manches hat sich gebessert. Anderes wartet auf Maßnahmen. Die Rundtour führte vom Marktplatz über Bad-, Max-Planck- und Charlottenstraße durch die Südstadt.
Hagebuttenstrauch
Dass es keineswegs immer um Großes geht, zeigt der Hagebuttenstrauch unter der Böckinger Brücke - seit Jahren ein Ärgernis für Leser Helmut Gläser aus Böckingen. Vor mehreren Wochen erklärte die über das Problem informierte Stadt, man werde sich darum kümmern. Geschehen ist bislang nichts, wie die Tour gezeigt hat. Der Busch ragt immer noch weit in den Radweg hinein. Gläser sagt: „Ich habe schon in den vergangenen Jahren selbst zur Schere gegriffen, weil sich nichts tat.“ Andere Mängel sind zwar nicht mit einem beherzten Schnitt zu lösen. Dennoch dürfen Radler hier auf Abhilfe hoffen. Den zu schmalen und von Laternen verstellten Radweg in der Max-Planck-Straße will die Stadt 2010 richten.
Auch in der Charlottenstraße soll sich einiges tun. Manche bereits umgesetzte Verbesserungsmaßnahme sorgte auf der Tour aber für Kopfschütteln. Etwa der rot markierte Radüberweg auf Höhe der Beethovenstraße: Er führt direkt auf einen nicht für Radler zugelassenen Gehweg.
Für die vier Radvertreter sind Kuriositäten wie diese Folge des Versuchs, Radler von der Straße zu verbannen. Sie fordern ein Umdenken: Wo möglich, sollten Radler vom Seitenstreifen auf die Straße. Beispiel Badstraße: Hier könnten Radler problemlos mit dem Kfz-Verkehr mitrollen, gäbe es nicht parallel den Radweg. „Man könnte die Straße auch direkt zu einer Fahrradsstraße erklären“, sagt Volker Geis vom Allgemeinen Fahrradclub Deutschland (ADFC). Fahrradstraßen kann sich Susanne Lederer vom Arbeitskreis Mobilität der Lokalen Agenda 21 auch auf anderen Strecken vorstellen.
Michael Schwager vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält gerade in nicht zu stark befahrenen Straßen auch die flexible Schweizer Lösung für denkbar: Autofahrer dürfen den Radstreifen mitbenutzen, wenn keine Radler unterwegs sind. Ansonsten müssen sie Rücksicht nehmen. Als unsinnig und eine Unfallgefahr stufen die Radler Radwege ein, auf denen Fahrradfahrer in beiden Richtungen unterwegs sind. Beispiel Charlottenstraße: Hier gibt es einen Zweirichtungsradweg, obwohl auf beiden Seiten der Straße ein Weg für Radler existiert. „Radler sollten auf Radwegen in Richtung des Straßenverkehrs geführt werden“, sagt Bernhard Marwitz vom Radtreff Heilbronn.
Klug handeln
Trotz der schlechten Kassenlage der Stadt könne man durch Umdenken „viele kleine Dinge angehen, die einiges bewirken“, glaubt Marwitz. Dass größere Projekte im Gemeinderat durchsetzbar sind, glaubt er dagegen nicht.
Angesichts der Haushaltssorgen bedauert Michael Schwager, dass Heilbronn es versäumt, wie andere Kommunen Fördergelder von Bund und EU in die Stadt zu holen. „Es gibt so viele Projekte, die unterstützt werden. Stuttgart und die Rhein-Neckar-Region sind da viel cleverer.“ So gewann die Landeshauptstadt im August einen Wettbewerb und erhält 2,7 Millionen Euro vom Bund für den Aufbau eines Verleihsystems von Elektrorädern.
Eine von jedem selbst umsetzbare Maßnahme, um schneller mit dem Rad in Heilbronn voranzukommen, sehen Lederer, Schwager, Marwitz und Geis im Ausweichen auf die Straße. Geübte Radler könnten dort, wo es keinen Radweg gibt, aber die Mitbenutzung des Gehwegs durch ein weißes Schild erlaubt ist, ruhig auf der Straße fahren. Würden das alle Radfahrer machen, wären die Straßen sicherer, sind sie überzeugt.
Die Studie „Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern“, die die Bundesanstalt für Straßenwesen im August veröffentlicht hat, bestätigt das. Laut Studie sind Radler selbst dann auf der Straße nicht häufiger in Unfälle verwickelt, wenn der Verkehr besonders stark ist.
Radler auf die Straße
Seit 1. September gelten Neuerungen für die Straßenverkehrsordnung (StVO) und die dazugehörigen Verwaltungsvorschriften. Demnach müssen Städte und Gemeinden nicht mehr bevorzugt Radwege anlegen. Stattdessen sollen mehr Radfahrstreifen auf der Straße ausgewiesen werden. Der Bund trägt damit der Einsicht Rechnung, dass Radwege nicht wirklich sicher für Radler sind. Laut aktueller Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen geschehen im Schnitt sogar mehr Unfälle auf Radwegen als auf der Straße. Inwiefern die Neuerungen der StVO für Heilbronn relevant werden, wird erst noch geprüft.
Interessante Links
Archivsuche
- Hauptnavigation Freizeit
- Themen Links
- Anzeigen
- Service








