Radwege in Heilbronn



Übersicht
  |  Radverkehrsplan der Stadt Heilbronn

 

Wenn der Radler auf dem Gehsteig fährt

Von Andreas Tschürtz

Wenn der Radler auf dem Gehsteig fährt
Sandra Hollatz schaut nach links und rechts, bevor sie ihr Geschäft in der Wilhelmstraße verlässt. Zu viele Radfahrer sind auf dem Gehsteig unterwegs.Foto: Tschürtz 

Heilbronn - Die Wilhelmstraße an einem beliebigen Tag um die Mittagszeit: Autos brausen auf drei Spuren Richtung Südstadt, Mittagspäusler schlendern zum Essen in die Fußgängerzone. Dazwischen suchen Radler ihren Weg, mal auf der Straße, mal auf dem Trottoir.

„Die rasen hier den Gehweg entlang. Man wird jeden Tag beinahe über den Haufen gefahren“, klagt Anliegerin Sandra Hollatz. Schon seit Langem späht die Geschäftsfrau nach links und rechts, bevor sie ihren Laden verlässt. Doch vor der Türe naht die Gefahr auf zwei Rädern von hinten. „Einmal hat mich ein Radler mit dem Lenker in die Rippen gerammt und umgerissen.“

Schwarzer Peter

Der Stadt ist die Situation bekannt. Man suche bereits nach einer Lösung, sagt Karl-Heinz Frenzel vom Amt für Straßenwesen. Als Mittel gegen „dieses nicht auszurottende Verhalten“ der Radler sind Pflanzenkübel im Gespräch, die Anlieger vor ihre Hauseingänge stellen könnten. „Das erhöht die Chance, dass jemand, der aus dem Sichtschatten tritt, nicht direkt mit Radfahrern kollidiert“, sagt der stellvertretende Amtsleiter.

Doch was treibt die Drahtesel überhaupt auf den Fußweg? Wir fragen einen 66-Jährigen. Der radelnde Rentner gibt den Schwarzen Peter an die Stadt zurück: „Der Radweg hört da vorne auf - wo soll ich denn hin bei dem Verkehr?“

Nicht auf den Gehweg

Zumindest nicht auf den Gehweg, sagt die Stadt. „Wer älter als zehn ist, hat dort nichts zu suchen“, stellt Ordnungsamtsleiter Bernd Werner klar. „Den Radfahrern bleibt nichts übrig, als über die Cäcilienstraße und die Bergstraße zu fahren, oder zu schieben“, sagt Frenzel. Ursächlich sei ein Kompromiss: „Man musste sich im Rahmen der Straßensanierung entscheiden: Parkraum für die Anlieger der Wilhelmstraße oder Radweg.“ Jetzt gibt es beides - jeweils nur ein Stück weit.

Trotz Mängeln im Detail sieht Frenzel die Stadt auf einem guten Weg, „den Radverkehrsanteil erheblich zu erhöhen“. Allein 2009 flössen 200 000 Euro in den Ausbau des Radwegenetzes.

Fahrrad-Club

Heilbronner Angehörige des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sehen die Stadt von diesem Ziel noch weit entfernt. Wilma Seier aus Böckingen findet die Situation in der Wilhelmstraße „geradezu typisch für Heilbronn“. In der Urbanstraße sei es nicht besser. In der Bahnhofs- oder Paulinenstraße müssten sich Radler durch die Fußgänger schlängeln. „Das ist alles total unbefriedigend“, sagt sie. „Ich bin in Mannheim und Berlin besser durchgekommen.“

Volker Geis sieht ein Grundproblem in der Fixierung der Stadt auf den Autoverkehr. Er vermisst ein durchdachtes Radverkehrskonzept, bei dem nicht erst nach Abschluss der Straßenplanung geschaut wird, „wo noch Platz für Radfahrer ist“. Die Stadt habe ihr Engagement erhöht, erkennt der 46-Jährige an. „Doch solange ich nur die Wahl habe zwischen drittklassigen Radwegen und Angstzuständen auf der Straße, kann ich als Radfahrer nicht zufrieden sein.“ Die Charlottenstraße nennt er „eine der übelsten radverkehrstechnischen Bausünden“. Der Grünstreifen zwischen Besigheimer Straße und Radweg „fördert Unfälle, weil Radler für den Kfz-Verkehr nicht zu sehen sind“. Die Wilhelmstraße mit abrupt abbrechendem Radweg sei „widersinnig“.

Vernunft

Im Fall Wilhelmstraße verspricht das Ordnungsamt weitere Kontrollen. Sieben Radfahrer habe man seit Mai bereits angezeigt, sagt Amtsleiter Werner. Die Mitarbeiter seien angewiesen, Radler anzuhalten. „Der Straßenverkehr als Ausrede zählt nicht“, sagt er. Doch es gibt einen Ermessensspielraum. „Man muss nicht jedes Kind anzeigen oder einen langsam fahrenden älteren Menschen.“ Für Werner zählt die Einsicht: „Wenn jemand sein Fehlverhalten einsieht, kann man mal ein Auge zudrücken.“

Von einem Appell an die Vernunft erwartet Sandra Hollatz allerdings keine Besserung. Sie sagt: „Wenn sich nichts ändert, ist es nur ein Frage der Zeit, bis etwas richtig Schlimmes passiert.“

Verbote und Strafen

Kinder bis sieben müssen auf dem Gehweg fahren, bis zehn dürfen sie es, ältere Radler haben auf dem Trottoir nichts verloren. Das Verwarnungsgeld beträgt bundesweit fünf Euro, bei Behinderung zehn Euro, bei Gefährdung 20 Euro. Heilbronner Ordnungsamtsmitarbeiter haben im ersten Halbjahr 2009 28 Radler angezeigt. Radeln auf dem Gehweg ist nur erlaubt, wenn es blaue Schilder erlauben.

14.07.2009


termine24besenkalenderverkehrspiele

Archivsuche