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Leser gehen mit Heilbronner Radwegenetz hart ins Gericht
Von Andreas Tschürtz
Heilbronn - Der Artikel über Radfahrer, die in der Wilhelmstraße vor dem Autoverkehr auf den Gehweg flüchten, hat große Wellen bei unseren Lesern geschlagen. So unterschiedlich die Positionen von Fußgängern und Radlern, die uns angerufen haben und im Internet ihre Meinung äußerten, auch sind: Die meisten sehen in einem mangelhaften Heilbronner Radverkehrsnetz die Ursache von Konflikten.Hier die Stimmen der HSt-Anruf-Aktion:
Die Radfahrer
Harald Wenzel, Heilbronn, 59
Harald Wenzel fährt seit Jahrzehnten auf der Wilhelmstraße mit dem Rad stadtauswärts in Richtung Fleiner Feuerwehr. Für ihn ist die Wilhelmstraße eine Autofahrer-Rennstrecke und „hochgefährlich für Radfahrer“. Er wagt sich nur mit Helm, Warnweste und dreifach ausgerüsteter Lichtanlage aufs Rad. Doch auch auf anderen Straßen in Heilbronn fühlt er sich nicht sicher. „Etwa die Urbanstraße auf Höhe der Sparkasse: Dauernd parken Autofahrer auf Gehsteig und Radspur und verschärfen die ohnehin schlechte Situation für Radler“, sagt der 59-Jährige. „Man müsste den Überwachungsdruck verstärken. Aber wenn man anruft, ist es zu spät, bis jemand kommt.“ Für ihn ist klar: Radfahrer weichen auf Gehwege aus, weil die Radwege so schlecht sind: „Heilbronn hat die Radwegplanung jahrzehntelang verschlafen - genauso wie den Verkehrsverbund.“
Gudrun Ruhnke, Heilbronn, 55
Gudrun Ruhnke erzählt von den Problemen ihres Mannes, der täglich von der Oststraße zu den Böllinger Höfen fährt. „Der Radweg beim Tierheim ist neu gemacht: Aber er verläuft jetzt tiefer als die Straße. Mein Mann bekommt jetzt die Steine vom Straßenverkehr an den Kopf.“ Grundsätzlich glaubt sie, Radfahrer und Fußgänger „können sehr gut miteinander, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt“. Wo der Gehweg breit genug sei, sollten überall Radspuren gezogen werden. Denn einerseits findet sie es „kriminell, als Radler auf mehrspurigen Straßen fahren zu müssen“, andererseits findet sie es unsinnig, wenn Radler auf breiten Gehwegen schieben sollen: „Dann kann ich es ja gleich stehenlassen.“
Klaus Oberhardt, Neckarsulm, 45
Klaus Oberhardt aus Neckarsulm ist vor 18 Jahren ganz aufs Rad umgestiegen. Er sagt: „Ich bin langsam soweit, dass das Auto wieder eine Alternative für mich wird.“ Als täglich aufs Rad angewiesener, sei für ihn „Heilbronn und auch der Landkreis nur Frust. Ob ich als Tourist unterwegs bin oder zur Arbeit.“ Er beklagt Radwege, die plötzlich enden wie am Europaplatz und nicht endende Baumaßnahmen, die wie am Neckarufer seit Jahren das Radfahren beeinträchtigen. „Der Sulmtal-Radweg ist für Normalradfahrer nicht mehr befahrbar: Der Weg ist kaputt oder versperrt durch Baustellenfahrzeuge.“ Aus seiner Sicht wird auch im Landkreis Heilbronn „fast nichts für Radfahrer getan“. An seinem Wohnort Neckarsulm sei die Ausschilderung besser, „aber die Radwegeverbindung ist auch lückenhaft“. Einziger Lichtblick für ihn: der Kochertalradweg.
Doris Abel, Heilbronn, Stadtführerin
Doris Abel weicht in der Wilhelmstraße auch ab und an auf den Gehweg aus. „Man ist bei dem Verkehr gezwungen, die Straße zu verlassen.“ Allerdings nehme sie dann Rücksicht: „Ich fahre selbstverständlich langsam, auch mal hinter Fußgängern ohne sie zu bedrängen.“ Zu dem im Zeitungsartikel benannten Vorschlag der Stadt, Radfahrer sollten anstelle der Wilhelm- über die Cäcilien- und die Bergstraße fahren, sagt sie: „Das möchte ich sehen. In der Bergstraße ist das letzte Stück Einbahnstraße, da darf man gar nicht fahren. Und es hat dort keinen Radweg.“ Ihre Lösung für die Wilhelmstraße: „Zwei statt drei Autospuren, dafür eine Spur nur für Bus- und Radfahrer.“
Sonja Kolb, Neckargartach, Mutter
Sonja Kolb fährt seit zwei Monaten nur noch Rad. Das Auto hat die Familie aus umweltgründen abgeschafft. „Wir werden von Tag zu Tag frustrierter. Was mir passiert ist unglaublich: Fußgänger schimpfen, die Ampelschaltungen sind oft zum Nachteil der Radfahrer, nur der Autoverkehr rollt und rollt.“ Als ein Beispiel nennt sie die Kreuzung beim Möbelhaus Bierstorfer: „Da steht man ewig.“ Beim Radweg entlang dem Salzhafen „ragen Rosenbüsche in Beinhöhe auf den Weg und von Weiden die Äste: Man muss aufpassen, nicht hängen zu bleiben.“ Trotz der schlechten Erfahrungen als Radfahrerin, will sie nicht wieder zur Autofahrerin werden: „Ich würde sonst vor meinem Sohn die Glaubwürdigkeit verlieren.“
Die Fußgänger
Lieselotte K., Heilbronn, Rentnerin
Dass Radfahrer vor dem Autoverkehr auf den Gehweg flüchten, kann Rentnerin Lieselotte K. teilweise nachvollziehen. Kein Verständnis hat die Hundehalterin jedoch dafür, dass „immer mehr ohne Licht fahren“. Auf 75 Prozent schätzt sie den Anteil aufgrund ihrer eigenen Zählungen. „Die sehe ich gar nicht, wenn ich abends mit dem Hund Gassi gehe. Die gefährden ja sich und andere damit.“
Dieter Setzer, Heilbronn, 67
Dieter Setzer spricht aus Sicht des Fußgängers. „Meine Frau und ich laufen mit den Enkeln oft in der Wilhelmstraße. Da wird man angeklingelt, damit man Platz macht und die Radler auf dem Gehweg fahren können.“ Für ihn gibt es nur eine Lösung: Absteigen. „Wenn sich die Radler nicht auf die Straße trauen, sollen sie ihr Rad schieben.“ Doch in einem Punkt stimmt er den Radlern zu: „Die Lösung in der Wilhelmstraße mit abbrechendem Radweg, ist nicht akzeptabel.“ Und auch als Fußgänger fallen ihm Stellen auf, in denen er die Not der Radler versteht: „In der Bahnhofsstraße etwa. Das müssen sich die Radfahrer im Sommer durch die Schlange vor dem Eisladen quälen. Und es gibt oft immer nur ein Stück weit einen Radweg und dann hören sie auf einmal auf.“ Speziell in der Wilhelmstraße hat er für ein verhalten der Radler aber gar kein Verständnis: „Viele fahren einfach gegen die Einbahnstraße. Auch in der Sontheimer Straße ist das so, obwohl dort die Fahrtrichtung auf dem Radweg sogar angegeben ist.“ Seine Lösung: Statt an Kontrollen denkt er an Aktionen, in denen Radfahrern gezeigt wird, „wie sie es besser machen können“.
Ursula Graup, Heilbronn, 86
„Es ist ganz, ganz schlimm. Und es ist nicht richtig, wenn Radler auf dem Gehweg fahren. Die rauschen in der Kaiserstraße direkt am Hauseingang vorbei. In Fußgängerzonen gehören keine Fahrräder hin, die fahren. Hier soll man schieben.“
Günter Weber, Heilbronn, 75
Günter Weber aus Böckingen erzählt ein Beispiel aus der Großgartacher Straße: „Bei uns rasen die nachts ohne Licht an der Haustüre vorbei. Man muss aufpassen, wenn man vor die Türe tritt. Die Polizei kontrolliert immer wieder Autos in unserer Straße - und die Radler rasen auf dem Gehweg unbehelligt vorbei. Das ist schlimm.“
Oswald Schulz, Heilbronn, 75
„Die Radfahrer fahren in der Sülmerstraße einfach viel zu schnell. Es ist nicht ganz ungefährlich. Ich würde mir mehr Rücksicht wünschen.“
Hans Plepla, Flein, 84
„Ich gehe ungern nach Heilbronn einkaufen. Überall in der Kaiserstraße und der Sülmerstraße sind Radfahrer. Wenn die da durchfahren mit ihren Rädern, muss man aufpassen, dass man nicht angefahren wird. Wenn man als alter Mensch angefahren wird, kann das ja schlimmste Folgen haben.“
stimme.de-Leser üben Kritik am Heilbronner Radwegenetz
Radfahren in Heilbronn – Spaß oder Frust? auf einer größeren Karte anzeigen
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17.07.2009
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