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Fahrradfahren gegen den Rotstift - Hunderte demonstrieren in Heilbronn
Von Andreas Tschürtz
Bildergalerie: Raddemo Heilbronn | 17.10.
Heilbronn - Bei eisigen Temperaturen und Schauerwetter haben am Samstag nach Polizeiangaben etwa 300 Radfahrer in Heilbronn für einen konsequenten Ausbau des Radverkehrs in die Pedale getreten. Der Termin wurde bewusst gewählt: Zwei Tage zuvor hat die Verwaltung dem Gemeinderat ihren Haushaltsentwurf für die kommenden beiden Jahre vorgelegt. Wie von den Initiatoren der Demo „Radwende“ befürchtet, will die Stadt wieder nicht mehr Geld für den Radverkehr bereitstellen.
Teilnehmer trotzen Wetter
Die Sternfahrt zum Heilbronner Kiliansplatz aus den Stadtteilen stand zunächst unter einem schlechten Stern. Bis 10 Uhr regnete es zum Teil kräftig. Zur gemeinsamen Fahrt durch die Heilbronner Innenstadt brach um fünf vor 12 Uhr brach dennoch ein großer Pulk von radelnden Rentnern, Kindern, Familien und vielen, vielen anderen auf.
Karin Schulz aus Horkheim ist dabei, „weil es bei uns die ganze Familie betrifft“. Der Radweg ihres Sohnes Luis ins Justinus-Kerner-Gymnasium etwa „ist einfach voller Unterbrechungen“. Überhaupt fehlt es aus ihrer Sicht in Heilbronn an einem durchgängigen Konzept.
„Viele Wege enden im Nichts“, beklagt Erik Kübler aus Neckargartach. „Die Stadt hat in den letzten Jahren nicht nichts gemacht, aber die Streckenführungen sind oft seltsam und es fehlt überall in den Details.“
Dass sich noch manches bessern muss, ist auch Gottfried May-Stürmer, Geschäftsführer vom BUND Heilbronn-Franken, ein Anliegen – Finanzkrise hin oder her. „Das Geld wird ja nicht verbrannt. Es bringt ja was. Und es landet nicht bei den Saudis, wie das Geld, das die Menschen für Autokraftstoff ausgeben.“
Die 100-Jahrfeier von Audi konnte den Neckarsulmer Klaus Oberhardt nicht abhalten, nach Heilbronn zu kommen. „Das hier ist viel wichtiger. Die Verwaltung soll mal merken, dass nicht nur Schönwetterfahrer unterwegs sind, sondern Menschen auch bei Wind und Regen Radfahren: ins Geschäft, zum einkaufen.“ Das lückenhafte Radverkehrsnetz mache dies den Menschen aber schwer.
Kundgebung und Aussichten
Mit der Demo hat sich für die Initiatoren der „Radwende“ das Thema nicht erledigt. „Jetzt heißt es, im Stillen weiterzumachen“, so Uwe Ahrens, Sprecher des Arbeitskreises Mobilität der Lokalen Agenda 21 und Redner der Abschlusskundgebung auf dem Kiliansplatz. Es gehe jetzt darum, bei den Fraktionen in Gemeinderat und in der Verwaltung für das Anliegen und die eigenen Vorschläge zu werben. „Gerade in einer Zeit der finanziellen Krise ist es in Heilbronn nötig umzudenken, weil sich beim Radverkehr viel erreichen lässt, ohne viel investieren zu müssen.“ Um der jetzigen Demonstration langfristigen Erfolg zu verschaffen, ruft Ahrens alle mit Interesse am Radfahren auf, beim Bündnis „Radwende“ mitzumachen.
Dass es dicke Bretter zu bohren gibt, zeigt das Fernbleiben von der Demo der Verwaltung, FDP und CDU. Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und Baubürgermeister Wilfried Hajek habe man persönlich eingeladen, aber bis heute keine Antwort erhalten.
Demonstrationsteilnehmerin Tanja Sagasser von der SPD jedenfalls glaubt, dass das letzte Wort im Gemeinderat noch nicht gesprochen ist. Zwar hatte sich die Stadträtin mehr Teilnehmer erhofft. Doch angesichts des Wetters sei die Beteiligung ein starkes Zeichen. „Ganz besonders, weil nicht nur die Rad-Clubs gekommen sind, sondern viele ganz normale Radfahrer und Familien.“
Zuletzt konnten die Demonstrationsteilnehmer auf einem „Markt der Ideen“ ihre Verbesserungsvorschläge für den Radverkehr in Heilbronn benennen. Die aufgestellten Pinnwände füllten sich schnell mit vollgeschriebenen Karten. Die gesammelten Vorschläge sollen der Verwaltung übergeben werden.
Hintergrund: Geld fürs Rad
Ursprünglich hatte Heilbronn im Haushaltsentwurf für die Jahre 2010 und 2011 jeweils 375.000 Euro für den Radverkehr eingeplant. In einer Änderungsliste wurde diese Summe jetzt auf je 200.000 Euro gekürzt. Es stünde somit gleichviel Geld zur Verfügung wie seit 2002. Um den letztes Jahr verabschiedeten Radverkehrsplan wie geplant bis 2025 umzusetzen, wäre allerdings jedes Jahr eine runde halbe Million nötig.
Radwende
Die Initiative Radwende in Heilbronn wird unterstützt von: ADFC, Energiewende HN, BUND, DGB, Grüne, Freie Wähler, Lokale Agenda 21, Nabu, Naturfreunde, Linke, Radtreff, SPD, VCD, Verdi.
17.10.2009
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