Tote Bankräuber waren offenbar untergetauchte Bombenleger
Von unserem Redakteur Carsten Friese
Heilbronn - Nach dem elektrisierenden Fund der geraubten Dienstwaffen aus dem Heilbronner Polizistenmordfall in einem Wohnmobil in Eisenach haben sich gestern die Ereignisse überschlagen. Zunächst wurde bekannt, dass zwei flüchtige Bankräuber, die sich nach Polizeiangaben vergangenen Freitag selbst erschossen hatten und tot in dem ausgebrannten Wohnmobil lagen, und ihre mutmaßliche Komplizin der ostdeutschen Neonazi-Szene angehörten. Sie sollen Ende der 90er Jahre nach Straftaten mit Bomben in Jena untergetaucht sein. Es gab nach einem Bericht der Ostthüringer Zeitung offizielle Fahndungsfotos von den dreien.
Dann wurde bekannt, dass sich die mutmaßliche Mitbewohnerin der beiden toten Bankräuber nach einer Fahndung mit Foto und Haftbefehl in Jena im Beisein eines Anwalts der Polizei gestellt hatte. Ihr wird vorgeworfen, im gemeinsamen Wohnhaus des Trios in Zwickau eine Explosion ausgelöst zu haben, durch die das Haus stark zerstört wurde. Mögliches Motiv: das Vernichten von Beweismaterial.
Spekulation
Immer wieder war zuvor spekuliert worden, ob der Fundort der Polizeipistolen in Eisenach einen Zusammenhang mit dem Heimatort der erschossenen Beamtin Michéle Kiesewetter haben könnte. Sie stammt aus Oberweißbach in Thüringen, rund 100 Kilometer von Eisenach entfernt. Die 22-Jährige absolvierte in Baden-Württemberg ihre Ausbildung als Polizistin, war bei der Bereitschaftspolizei Böblingen stationiert. Nach Angaben des Landeskriminalamts in Stuttgart war sie in ihrer Dienstzeit "nicht in Thüringen eingesetzt", sagte Sprecher Horst Haug.
Altersunterschied
Zu den toten Bankräubern (34 und 38 Jahre) und der mutmaßlichen Komplizin (36) besteht ein deutlicher Altersunterschied. Als das Trio 1998 vom Landeskriminalamt Thüringen mit Fotos gesucht wurde, waren die drei zwischen 20 und 24 Jahre alt − Michéle Kiesewetter war damals 13.
Unter falschem Namen hatten die zwei Männer und die Frau in der Doppelhaushälfte in Zwickau gelebt. Und zwar seit 2008. Dies bestätigte die südwestsächsische Polizei, die auch die Bilder der 36-Jährigen veröffentlichte. Ihr Name: Beate Z. Zur Identität der getöteten Bankräuber wollte der zuständige Polizeisprecher in Gotha nichts sagen. Dass es die damals gesuchten Uwe B. und Uwe M. sind, wollte er auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Pressekollegen in Thüringen und Sachsen sind jedoch überzeugt, dass die damals Gesuchten die toten Bankräuber sind. 13 Jahre lang wären sie dann unentdeckt gewesen.
Zentrale Frage
Das Landeskriminalamt in Stuttgart hat die Soko "Parkplatz" im Heilbronner Polizistenmordfall von 30 auf 32 Beamte aufgestockt. Zwei Kripobeamte aus Heilbronn gehören nun zum Team dazu. Zehn Beamte sind seit dem Wochenende in Eisenach und Zwickau und arbeiten eng mit den ostdeutschen Ermittlern zusammen.
Die zentrale Frage, ob die zwei tot aufgefundenen Bankräuber Michéle Kiesewetter im April 2007 auf der Theresienwiese kaltblütig erschossen, ist nach wie vor ungeklärt. Doch weitere Spuren, wie das Auffinden der geraubten Handschellen der 22-Jährigen und eines Multifunktionswerkzeugs ihres niedergeschossenen Kollegen, die nach ersten Stimme-Informationen im explodierten Wohnhaus in Zwickau entdeckt wurden, deuten auf einen ganz engen Zusammenhang mit dem Mord hin.
Das würde vielleicht auch erklären, weshalb sich die Bankräuber beim Näherkommen der Polizei im Wohnmobil erschossen. Beim Nachweis eines Mordes wäre ihnen lebenslange Haft sicher gewesen. Doch immer noch bliebe die große Frage, warum sie vor viereinhalb Jahren in Heilbronn waren und auf die Polizisten feuerten.
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