Polizistenmord: Die Geschichte von der Beziehungstat zerfällt
Von Carsten Friese und dpa

Oberweißbach/Heilbronn - Die vagen Mutmaßungen über eine direkte Verbindung der Zwickauer Terrorzelle zur Familie der in Heilbronn getöteten Polizistin Michele Kiesewetter (22) fallen immer mehr in sich zusammen. Energisch hat der Stiefvater gegenüber der "Ostthüringer Zeitung" betont, dass weder seine Stieftochter Michele, noch die Familie jemals Kontakt zu jemandem aus dem Terror-Trio gehabt habe; auch zu keinem Koch, der mit Beate Zschäpe verwandt sein soll.
Anders entschieden
Frei erfunden sei auch die Meldung, "wonach ich ein Lokal besessen haben soll, in dem sich die rechte Szene traf", sagte Ralf Kiesewetter (58) der Zeitung. Und: An dem Gasthof im Oberweißbacher Ortsteil Lichtenhain, den Ende 2005 ein Neonazi mit Verbindungen zum Umfeld des Terror-Trios gepachtet haben soll, habe er zuvor zwar einmal Interesse gehabt. Er habe sich aber für ein anderes Objekt entschieden.
Michele Kiesewetter hat nach Angaben des Stiefvaters auch nie gegenüber diesem Gasthof gewohnt − was die Gemeinde bestätigte. Die Unsinnigkeit dieser Unterstellung ergebe sich allein schon daraus, dass Michele "bereits im Jahr 2003 zur Polizeischule nach Baden-Württemberg gegangen ist".
Die wirren Spekulationen ins Rollen gebracht hatte der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, der nach Angaben von Teilnehmern des Bundestags-Innenausschusses von einer möglichen Beziehungstat und Bezügen der Familie zum Umfeld des Terror-Trios berichtet hatte. Die Aussage, Michele Kiesewetter habe in direkter Nähe eines Lokals der rechten Szene in ihrem Heimatort gewohnt, soll gefallen sein.
Wie am Donnerstag bekannt wurde, gehen inzwischen auch die Ermittler beim Bundeskriminalamt nicht mehr von einem persönlichen Bezug zwischen Michèle Kiesewetter und den Zwickauer Neonazis aus, sondern von einem zufälligen Geschehen.
Keine Verbindung
"Das ist keine braune Ecke hier", sagte der Wirt jenes Gasthofs, in dem früher ein Neonazi Pächter war, dem "Spiegel". Er berichtet von Beschimpfungen und Absagen, seit die Spekulationen öffentlich wurden. Der frühere Pächter aus der rechten Szene hielt in Oberweißbach nicht lange durch: Nach Verwaltungsangaben gab er nach einem Jahr auf − Ende 2006.
Unterdessen hat dieser frühere Pächter gegenüber der "Thüringer Allgemeinen" geäußert, dass es zwischen Michele Kiesewetter und den zwei Männern aus dem Terror-Trio seiner Kenntnis nach keine Verbindungen gebe. Er könne ausschließen, dass Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bei ihm in Oberweißbach im Gasthof gewesen seien.
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