Innenminister Gall zu Erkenntnissen im Polizistenmordfall
Heilbronn - Durch die spektakulären Ereignisse in Thüringen sahen einige den Fall der in Heilbronn ermordeten Polizistin Michéle Kiesewetter bereits als gelöst an. Innenminister Reinhold Gall will im Gespräch mit unserem Korrespondenten Joachim Rüeck jedoch keine übereilten Schlüsse ziehen.
Ist der Mordfall Kiesewetter gelöst?
Reinhold Gall: Wir wissen, dass eindeutig die Waffen von Michéle Kiesewetter und ihres Kollegen gefunden worden sind. Und wir wissen, dass im Brandschutt eine Waffe gefunden wurde, die zu den Tatwaffen zählen könnte, weil sie baugleich ist. Mehr wissen wir aber noch nicht. Die DNA-Abgleiche werden noch ausgewertet. Das kann unter Umständen Tage dauern.
Sieht das Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger, der den Fall schon als gelöst bezeichnete, auch so?
Gall: Das weiß ich nicht.
Sie wollen sich nicht darauf festlegen, dass der Mörder unter den verdächtigen drei Personen ist: die zwei Bankräuber, die sich offenbar selbst erschossen haben, und ihre Bekannte, die sich der Polizei gestellt hat?
Gall: Nein, da will ich mich nicht festlegen. Es gibt zwar eine ganze Reihe Indizien, aber das sind keine Beweise. Ich halte es für möglich, dass gegen weitere Personen ermittelt werden muss. Es kommt nicht darauf an, innerhalb weniger Tage Erfolge zu erzielen. Ich gehe davon aus, dass in alle Richtungen intensive Überprüfungen stattfinden. Das betrifft auch das Umfeld der drei Personen. Bekanntlich war die Gruppe vor Jahren im Zusammenhang mit rechtsradikalen Aktivitäten im Visier der Fahndung. Ich bin der Auffassung, dass dieser Bereich näher untersucht werden müsste.
Wie viele Ermittler aus Baden-Württemberg sind in Eisenach und Zwickau?
Gall: Sechs Beamte der Soko "Parkplatz" und des Landeskriminalamts. Unsere Kriminaltechniker haben an den Brandstellen Ermittlungen aufgenommen.
Ist die Soko auch an den Verhören der verdächtigen Frau beteiligt?
Gall: Momentan wird gegen sie wegen Brandstiftung ermittelt, und sie macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Wir werden uns anstrengen, Möglichkeiten zu erhalten, um weitere Zusammenhänge zu erörtern.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Polizei in Thüringen und Sachsen?
Gall: Ich habe bislang keine Klagen vernommen. Unsere Ermittlungsbehörden sagen, dass sie gut eingebunden sind.
Was lief bei der Soko "Parkplatz" schief, dass für eine heiße Spur ein solcher Zufall benötigt wurde?
Gall: Ich möchte nicht sagen, dass irgendetwas schief lief. Viereinhalb Jahre lang wurde dort akribisch gearbeitet. Ich habe immer gehofft, dass uns einmal Kommissar Zufall auf die richtige Spur führt.
Dem damaligen Innenminister Heribert Rech haben Sie dennoch Versagen vorgeworfen.
Gall: Da ist − Stichwort Wattestäbchen − schon einiges falsch gemacht worden, vor allem bei der öffentlichen Darstellung.
Sind Sie erleichtert, dass die Lösung des Falles greifbar scheint?
Gall: Ich bin froh, dass es neue Ermittlungsansätze gibt. Wenn diese zum Erfolg führen, wäre das eine große Erleichterung für die Polizei und vor allem für die Angehörigen von Frau Kiesewetter und den damals schwerverletzten Kollegen.
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