Wird Polizist wieder ganz gesund? (28.06.07)
Von Carsten Friese
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Es grenzt an ein Wunder. Mit dem Wort „unglaublich” kommentieren selbst erfahrene Polizeibeamte diese Entwicklung. Der am 25. April auf der Heilbronner Theresienwiese mit einem Kopfschuss lebensgefährlich verletzte Polizist hat in der Reha-Klinik nicht nur deutliche Fortschritte gemacht und den Rollstuhl verlassen. Die Prognose der Ärzte geht sogar dahin, dass der 25-Jährige gute Chancen hat, ohne bleibende Schäden zu gesunden und wieder arbeiten zu können. Dies teilte die Heilbronner Polizei auf HSt-Nachfrage mit.
Mit seiner 22-jährigen Kollegin Michéle Kiesewetter saß der Polizeibeamte an jenem Tag im Streifenwagen. Sie hatten den 5er BMW auf der Theresienwiese geparkt, die Autofenster heruntergelassen und machten Mittagspause. Bis heute unbekannte Täter schlichen sich an den Wagen an, schossen den beiden Beamten in den Kopf und raubten ihnen die zwei Dienstpistolen P 2000 (Wert: 1600 Euro), Handschellen und Munition.
Michéle Kiesewetter starb am Tatort. Ihr Kollege wird womöglich wieder ganz gesund. Wie ist solch ein extremer Unterschied bei Kopfschüssen möglich? Hat das Überleben hier am seidenen Faden gehangen? Wenn das Großhirn getroffen wird, „ist man in der Regel tot”, erklärt Dr. Markus Schuster, leitender Oberarzt der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin der Klinik am Plattenwald. Bei Schüssen ins Kleinhirn dagegen könnten andere Hirnteile Funktionen übernehmen und Schäden ausgleichen. „Ungewöhnlich” nennt er es dennoch, falls bei dem Beamten keine Schäden zurückblieben. „Dann hätte er Riesen-Glück und ist offenbar gut behandelt worden.”
Gelöscht An die Tat kann sich der Polizist weiterhin nicht erinnern. Die Sekunden einfach weg. Bei Unfall- oder Straftatopfern komme dies relativ häufig vor, sagt der Oberarzt. Akute Ereignisse, die zunächst als elektrische Impulse gespeichert werden, können durch körperliche oder psychische Erschütterungen „gelöscht” werden. Das Gehirn könne ein belastendes Ereignis auch zum Schutz einfach ausblenden.
Auf die mysteriöse Serientäterin, deren DNA-Spur am Streifenwagen entdeckt wurde und die weitere Spuren an 22 Tatorten in Deutschland und Österreich hinterließ, hat die Polizei noch keinen Hinweis. Akribisch prüft die Soko jede Spur, checkt das Umfeld der anderen Tatorte, prüft Hinweise auf Sinti- und Roma-Kreise und geht anonymen Bekennerbriefen nach. Den Streifenwagen haben Kriminaltechniker vier Mal untersucht. Mit Spezialpulver und Pinsel, Wattestäbchen und Abklebefolien nahmen sie jeden Zentimeter unter die Lupe. Rund 120 Spuren fanden sie innen und außen eine davon war der Hinweis auf die große Unbekannte.
Den genetischen Code der Tatverdächtigen hat die Polizei, das Gesicht dazu aber fehlt. Was tun? Massenspeicheltests wird es definitiv nicht geben. Nur Tatverdächtige, denen eine erhebliche Straftat vorgeworfen wird, dürfen zur Speichelprobe gezwungen werden. „Massenspeichelungen”, sagt Kripo-Chef Volker Rittenauer, „gehen nur auf freiwilliger Basis.”
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