Staatsanwaltschaft Heilbronn: Noch gibt es keine DNA-Treffer

Heilbronn - Der Polizistenmord gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Ein Abgleich der DNA-Spuren am Tatort mit einem Gentest der mutmaßlichen Täter ergab bisher keine Übereinstimmung.

Von Carsten Friese

Heilbronn - Für öffentliche Gefühlsausbrüche ist Heilbronns Pressestaatsanwalt Harald Lustig eigentlich nicht bekannt. Doch jetzt, als immer mehr Spuren von einem Wohnmobil mit zwei toten Bankräubern in Eisenach und einem explodierten Wohnhaus in Zwickau zum ungeklärten Polizistenmord nach Heilbronn führen, lässt er Freude über die Entwicklung durchschimmern. „So nahe waren wir noch nie an einer Aufklärung dieses Falles“, sagte Lustig gestern der Stimme.

Es ist im Vergleich zu den bisherigen Ermittlungen ein Quantensprung, was an Indizien auf dem Tisch liegt. Im ausgebrannten Wohnmobil der Bankräuber wurden nicht nur die Dienstwaffen der 2007 erschossenen Michéle Kiesewetter und ihres niedergeschossenen Kollegen entdeckt. Ermittler fanden auch die Handschellen der Polizistin und ein Multifunktionsmesser, das ihr Kollege in dieser Art besaß. Im explodierten Haus des mutmaßlichen Tätertrios lagen zwei Waffen, die bei der Tat in Heilbronn im Einsatz gewesen sein könnten.
 
Baugleich
 
Bei der ersten Pistole gehen die Ermittler davon aus, dass es ein baugleiches Modell jener Waffe ist, mit der Michéle Kiesewetter getötet wurde. Bei der zweiten Pistole müsse man erst zusammentragen, ob es eine mögliche Tatwaffe war, so Lustig. Projektile wurden damals am Tatort gefunden. Die Kriminaltechniker sind nun am Zug.
 
Allerdings: DNA-Spuren der toten Bankräuber hat die Polizei mit ersten Spuren vom Tatort Theresienwiese verglichen. Bis jetzt gab es keine Übereinstimmung. „Nach bisherigen Erkenntnissen ist es naheliegend, dass beim Polizistenmord mit Handschuhen gearbeitet wurde“, sagte Frank Rebmann, Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn. DNA-Spuren seien deshalb „nicht ohne Weiteres zu erwarten“.
 

 
Jetzt konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Tätergruppe aus Eisenach und Sachsen, auf die toten Bankräuber und ihre mutmaßliche Komplizin, ob und welche Verbindungen sie zu Heilbronn hatten. Von Beate Z., die per Haftbefehl gesucht wurde, sich stellte und wegen schwerer Brandstiftung am Wohnhaus in Zwickau in Haft sitzt, erhoffen sich die Ermittler Hinweise. Bisher schweigt sie. Dass aus dem Trio die Täter stammen, davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Weitere Personen seien bisher nicht im Visier der Ermittler. Für Lustig ist es auch „sehr unwahrscheinlich, dass Personen außerhalb dieser Tätergruppe die Tat verübt haben“.
 
Alle Richtungen
 
Im Brandschutt des zerstörten Gebäudes in Zwickau suchen Kriminaltechniker intensiv nach weiteren Spuren. Zudem werden alle Daten und Fakten aus dem Polizistenmord überprüft: Personen, Ausweise, Kraftfahrzeuge, bisher ungeklärte Straftaten.
 
Dass das Trio früher der rechtsextremen Szene Thüringens angehört haben soll, kann Lustig aus Heilbronner Sicht nicht bestätigen. Wenn es gesicherte Erkenntnisse gebe, „werden wir prüfen, ob es auch in unsere Region Verbindungen gibt“. Verbindungen könnten aber „in alle Richtungen gehen“.
 
Als dringend tatverdächtig stufen die Ermittler Beate Z. mit Blick auf die brutale Tat in Heilbronn derzeit nicht ein. Sind die toten Männer dann die Hauptverdächtigen? Von Hauptverdächtigen „sprechen wir nicht“, sagt Lustig. „Verdächtig ist die Tätergruppierung insgesamt.“ Im Sprachgebrauch der Ermittler heißt dies: Die gesicherten Erkenntnisse „legen eine Täterschaft nahe“.
 

 


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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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