Heilbronner Polizei prüft jetzt ungeklärte Banküberfälle aus Zeit des Polizistenmordfalls

Heilbronn/Zwickau - Bei den Ermittlungen zum Mord an der Polizistin in Heilbronn wurden in Zwickau weitere Waffen entdeckt. Die Verdächtige Beate Z., die in Untersuchungshaft sitzt, schweigt weiterhin.

Von Carsten Friese und lsw

Heilbronn - Nachdem immer mehr Spuren von zwei mutmaßlichen Serienbankräubern und einer Komplizin aus dem sächsischen Zwickau zum Heilbronner Polizistenmordfall führen, steigen die Heilbronner Ermittler jetzt auch in die Spurensuche mit ein. Man mache zunächst eine Zusammenstellung von ungeklärten Banküberfällen in der Region Heilbronn aus dieser Zeit, bestätigte Polizeisprecher Rainer Köller auf Stimme-Anfrage. Die Polizei will dann prüfen, ob es mögliche Verbindungen zu den Tatverdächtigen aus Ostdeutschland geben könnte. „Es ist Gegenstand der Ermittlungen. Mehr sagen wir dazu nicht.“ Derzeit gebe es noch keine Erkenntnisse.

Die zwei mutmaßlichen Bankräuber Uwe M. und Uwe B. hatten vor einer Woche eine Bank in Eisenach überfallen und haben sich nach Polizeiangaben dann im Fluchtfahrzeug, einem Wohnmobil, erschossen, als Polizeibeamte sich dem Wagen näherten. Die ostdeutschen Ermittler bringen die 34 und 38 Jahre alten Männern, die aus Jena stammen und früher der rechtsextremen Szene angehörten, mit insgesamt 14 Banküberfällen in Ostdeutschland als mögliche Täter in Verbindung.

Waffenfunde

Im Wohnhaus der Männer und der Mitbewohnerin Beate Z. (36) in Zwickau, das wenige Stunden nach dem Freitod der Männer durch eine per Brandbeschleuniger ausgelöste Explosion stark zerstört wurde, fand die Polizei mittlerweile nicht nur ein Arsenal an Waffen. In den Trümmern lagen auch Handschellen und ein Reizstoffsprühgerät, das eindeutig der im April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese erschossenen Polizistin Michéle Kiesewetter gehörte. An den Individualnummern sind diese Dienstobjekte nach Polizeiangaben zuzuordnen. Die damals geraubten Dienstwaffen der getöteten Beamtin und ihres niedergeschossenen Kollegen hatten die Ermittler bereits in dem Wohnmobil in Eisenach entdeckt.

Dass der Polizistenmord in Heilbronn von dieser Tätergruppe verübt wurde, halten die baden-württembergischen Ermittler nach den vielen Spuren als sehr wahrscheinlich. Das Motiv, warum sich die Täter den Polizeibeamten bei ihrer Vesperpause im Streifenwagen von hinten näherten und ihnen in den Kopf schossen, ist jedoch weiter völlig unklar.

Beate Z. schweigt

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass die verdächtige Beate Z. am 4. November die Explosion in dem Zwickauer Wohnhaus verursacht hat, um Beweise zu vernichten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft schweigt die Frau zu den Vorwürfen. Daher bleibt vorerst unklar, inwiefern das Trio in den Fall des Polizistenmordes verwickelt ist.

Wie Beate Z. hatten auch ihre beiden Kumpanen Kontakte in die Neonazi-Szene. In den 1990er Jahren sollen sie beim rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“ aktiv gewesen sein - danach jedoch nicht mehr. Nach dem thüringischen Verfassungsschutz erklärte nun auch das sächsische Landesamt, dass sie keine V-Leute gewesen seien. Zu ihren Aufenthaltsorten seit ihrem Abtauchen 1998 habe man keine Kenntnis gehabt, teilten die Dresdner Verfassungsschützer mit.

 

 

Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zum vergangenen Freitag gar nicht bekanntgewesen. Auch das sächsische Landeskriminalamt hat bislang noch nie etwas mit dem Trio zu tun gehabt, wie eine Sprecherin am Donnerstag sagte.

Unklar ist bislang auch die Beteiligung der Frau an mehreren Banküberfällen. Auf das Konto der beiden Männer sollen seit 1999 mindestens 14 Raubzüge gehen - darunter zwei in Thüringen, zwei in Mecklenburg-Vorpommern und zehn in Sachsen.

Brutales Vorgehen

Allein in Chemnitz gab es vom 6. Oktober 1999 bis zum 22. November 2005 eine Serie von sieben sich auffallend ähnelnden Überfällen. Nach Angaben von Polizeisprecher Frank Fischer habe es sich in allen Fällen um zwei maskierte Täter gehandelt, die „äußerst brutal“ agiert hätten und mit Fahrrädern geflüchtet seien. Erbeutet hätten sie bis 2000 bei drei Überfällen in Postfilialen insgesamt mehrere 10.000 D-Mark, bei drei Sparkassen-Überfällen 2003 und 2004 dann zusammen mehrere 10.000 Euro. Bei einem Überfall 2005 seien die Täter ohne Beute geflohen. So auch 2006 in Zwickau, wo sie bei zwei Streifzügen 2001 und 2002 umgerechnet etwa 86.000 Euro erbeutet hatten.

 

 
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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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