Heilbronner Polizistenmord:
LKA übernimmt Phantom-Fall

Heilbronn/Stuttgart - Die Suche nach dem Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall wird auf höchster Landesebene angesiedelt. Das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart übernimmt die Ermittlungen, gab die oberste Polizeibehörde des Landes gestern bekannt. Die Heilbronner waren seit dem tödlichen Schuss im April 2007 auf eine 22-jährige Polizistin auf der Theresienwiese für den Fall zuständig.

 

Heilbronn/Stuttgart - Die Suche nach dem Phantom im Heilbronner Polizistenmordfall wird auf höchster Landesebene angesiedelt. Das Landeskriminalamt in Stuttgart übernimmt die Ermittlungen, gab die oberste Polizeibehörde des Landes gestern bekannt.

Eine Kernmannschaft der bisherigen Heilbronner Soko "Parkplatz" wird die Ermittler in Stuttgart unterstützen. Soko-Chef Frank Huber (Foto: Heilbronner Stimme) wird auch beim LKA die Ermittlungen leiten.

Als Hauptgrund für die neue Struktur gibt das LKA an, die Heilbronner Polizei "spürbar zu entlasten". Die Soko Parkplatz habe tausende Spuren und Hinweise geprüft und rund 16.000 Überstunden geleistet. Ermittlungen in einem weiteren unklaren Todesfall hätten die Polizeidirektion "jetzt an ihre personellen Grenzen geführt". Mit der Neuausrichtung werde auch auf die sich ständig auch international ausweitenden Ermittlungen reagiert. Das LKA könne auf eine solche Dauerbelastung personell besser bewältigen.

Heilbronner Ermittler wechseln nach Stuttgart

"Es war meine Initiative", sagte Heilbronns Polizeidirektionsleiter Roland Eisele zur neuen Ausrichtung der Soko. Acht Heilbronner Ermittler wechseln mit Soko-Chef Frank Huber nach Stuttgart, 20 Ermittler des Landeskriminalamts stoßen dazu.
 
Der aktuelle Fall um die Brandleiche eines 18-Jährigen bei Neuenstadt-Cleversulzbach hat demnach die Entscheidung ausgelöst, erklärte Eisele. In diesem neuen Fall habe man bereits Ermittler von anderen Polizeidirektionen hinzuziehen müssen, weil "es sonst gar nicht mehr gegangen wäre". Er habe Verantwortung für seine Mitarbeiter, die bisher "gewaltige Anstrengungen" geleistet hätten, so Eisele. Und er müsse auch dafür sorgen, dass die Alltagskriminalität in der Region Heilbronn "gut und vernünftig" bekämpft wird.



Landespolizeipräsident Erwin Hetger verwies auf die Vorteile der kurzen Wege unter einem Dach im Landeskriminalamt. Dieser Schritt sei auch das klare Signal, die Ermittlungen konsequent wie am ersten Tag weiterzutreiben. Die Entscheidung sei im Einvernehmen aller getroffen worden. "Wenn der Kollege Eisele sagt, wir kommen an die Grenzen der Belastbarkeit, dann blinken bei mir alle Lampen", sagte Hetger. Dadurch, dass neue Ermittler in den Fall einbezogen werden, gebe es "natürlich" zwangsläufig auch neue Blickrichtungen und neue Impulse.
 
LKA-Präsident Klaus Hiller stuft das Verfahren als Großfall mit zunehmend internationalen Bezügen ein. Es gehe zunehmend darum, Strukturermittlungen zu führen, Verästelungen und Vernetzungen zu erkennen. "Es sind besondere Mordermittlungen", weil die Täter keine Beziehungen zu ihren Opfern hätten. Man übernehme ständig Großfälle, die sich entwickeln. Die Polizeidirektionen "stehen hier Schlange". Und der Polizistenmordfall habe im LKA ab heute "höchste Priorität". 

Die Heilbronner waren seit dem tödlichen Schuss im April 2007 auf eine 22-jährige Polizistin auf der Theresienwiese für den Fall zuständig. Trotz 40 DNA-Spuren, die Ermittler von der gesuchten Unbekannten in Süddeutschland, Österreich und Frankreich an Tatorten entdeckten, blieb das Phantom bisher eine Frau ohne Gesicht.


Hintergrund: Landeskriminalamt

1100 Mitarbeiter hat das Landeskriminalamt, darunter rund 600 Polizeibeamte im Vollzug und 150 Mitarbeiter im kriminaltechnischen Institut. Der Phantom-Fall wird in Abteilung 4 Ermittlung/Auswertung angedockt. Der LKA-Präsident verweist auf Erfahrungen der Ermittler bei internationalen Verflechtungen von Tätergruppen. Das LKA ist zuständig bei „herausragenden Fällen“ organisierter Kriminalität. cf

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Am 25. April 2007 gegen 14 Uhr findet ein Radfahrer zwei Polizisten blutüberströmt bei ihrem Streifenwagen auf der Heilbronner Theresienwiese liegend. Es handelt sich um die 22-Jährige Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren 24-jährigen Kollegen. Kieseweter ist tot. Ihr Kollege liegt schwer verletzt daneben.

Etwa vier Jahre später wird der Zwickauer Terrorzelle eine Mordserie zugeordnet, darunter auch der Anschlag in Heilbronn. 2013 beginnt der Prozess gegen Beate Zschäpe, der einzig Überlebenden des Terror-Trios.

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