Rätsel bleibt weiter ungelöst
Dieser mysteriöse Fall bewegt: „Er ist einzigartig in der Kriminalgeschichte“, brachte es der Leiter der Heilbronner Soko „Parkplatz“, Frank Huber, am Mittwoch auf den Punkt. „Das hat noch keiner von uns so erlebt.“
Rund ein Jahr nach dem Polizistenmord hatte die Polizeidirektion Heilbronn zum Pressegespräch geladen. Hintergrund waren die Kopfschüsse, mit denen Unbekannte am 25. April 2007 eine 22-jährige Beamtin getötet und ihren Kollegen (24) lebensgefährlich verletzt hatten.
Noch immer fehlt den Ermittlern der entscheidende Hinweis. Noch immer schließen sie keine Ermittlungslinie aus – abgesehen von einer Beziehungstat im Umfeld der Polizeibeamten. „Erstaunlich“ nennt Soko-Leiter Frank Huber, dass es zwar Ohren-, aber bis heute keine Augenzeugen der Bluttat gibt. Gegen 14 Uhr waren die Schüsse auf der Theresienwiese gefallen.
Mit Hochdruck arbeiten die Ermittler an Spurenkomplexen in alle Richtungen. Für Huber ist „das erste Ziel“, die unbekannte Frau zu identifizieren. Dass ihr am Streifenwagen entdeckter DNA-Code „tatrelevant“ und keine verschleppte Spur ist, davon ist er überzeugt.
Fakten Der Polizist, der den Kopfschuss überlebte, arbeitet wieder Teilzeit. An die Tat erinnert er sich nicht. Und die Mediziner gehen davon aus, dass er sich auch nicht mehr erinnern wird. Die Dienstpistolen, die die Täter den Beamten nach den Schüssen abnahmen, sind bis heute weder aufgetaucht noch bei Straftaten eingesetzt worden. Die DNA-Spur der Unbekannten ist definitiv ein weiblicher Gen-Code. Institute in Deutschland und Österreich haben dies bestätigt. 800 straffällige Frauen hat die Polizei in Baden-Württemberg zum Massenspeicheltest gebeten. 600 Proben waren negativ, 200 stehen noch aus. Zehn Frauen weigerten sich. Die Soko prüft, ob ein zwangsweiser Speicheltest erfolgen kann, falls das Alibi für den Tattag unklar ist. Eventuell soll der Massen-Speicheltest auf weitere Bundesländer ausgeweitet werden.
Kosten Die Polizei geht von einem zweiten Täter aus. Es gibt bisher aber keine Spur, die man ihm zuordnen kann. Alle Länderpolizeidienststellen sind angewiesen, bei Gartenhausaufbrüchen DNA-Spuren zu nehmen. Bei solchen Einbrüchen hatte die Unbekannte mehrfach Spuren hinterlassen. Die Ermittlungen kosten viel Geld. Eine Zahl nannte die Polizei nicht. Man arbeite kostenbewusst, „aber nicht nach Kassenlage“, sagte Frank Huber.
Dass es sich bei dieser Person um die gesuchte Frau selbst handelt, schloss Huber zwar nicht völlig aus, denn möglicherweise werde sie äußerlich als Mann wahrgenommen. „Wir gehen aber nicht davon aus.“
Den Mann beschreiben Zeugen als muskulös, zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß mit dunklem Teint, glatten Haaren und einem auffälligen Bart. Er sprach „Saarbrücker Mundart“.
Die unbekannte mutmaßliche Serientäterin steht im Verdacht, an dem Mord an der 22 Jahre alten Polizistin in Heilbronn beteiligt gewesen zu sein. „Die Art der Beteiligung der Frau ist aber unklar“, sagte Huber. Ihre DNA tauchte auch bei Morden an einem Rentner in Freiburg 2001 und einer Rentnerin in Idar-Oberstein 1993 auf. Laut Täterprofil ist sie sehr mobil und hat keinen festen örtlichen Bezug.Zuletzt waren die Ermittler im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod von drei Georgiern, die im Januar bei Heppenheim (Hessen) ermordet worden waren, auf eine Gen-Spur der „Phantom“-Täterin gestoßen. Tatverdächtig in dem Dreifachmord sind zwei aus Somalia und dem Irak stammende Männer. Einer war V-Mann des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz. Die Spur der Frau wurde in dem von den mutmaßlichen Tätern benutzten Fahrzeug entdeckt. Ein Zusammenhang zwischen dieser Spur und den Morden sei nicht erkennbar. Die Georgier waren zu Autogeschäften nach Deutschland gekommen. Dieser Spurentreffer biete eine Vielzahl von weiteren Ansätzen und „somit neue Chancen, um der DNA-Spur einen Namen und ein Gesicht zu geben“, sagte Huber.
Info: Alle bisherigen Video-Beiträge zum Polizistenmord finden sich hier.
Bildergalerien zum Polizistenmord
Archivsuche
- Hauptnavigation Freizeit
- Themen Anzeigen
- Links
- Service




