Polizistenmord in Heilbronn gezielte Tat?

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Ist dies die Schnittstelle zum Mord in Heilbronn? Ein Landgasthof im Heimatort der getöteten Polizistin. Hier soll die rechte Szene agiert haben.  Foto: Thüringer Allgemeine
Heilbronn - Die Nachricht ist wieder so unfassbar wie der ganze Kriminalfall von Beginn an. Jetzt halten es Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesinnenminister doch für möglich, dass der Mord an der jungen Beamtin Michele Kiesewetter (22) in Heilbronn eine gezielte Tat war.

Zwischen den Mördern aus dem Umfeld des rechtsextremen Zwickauer Terror-Trios und der Familie der Getöteten soll es Bezüge und Schnittpunkte geben. Das hat der BKA-Chef dem Innenausschuss des Bundestages gestern nach Angaben von Teilnehmern mitgeteilt.

Verdächtiger Koch

Im Zentrum der Ermittlungen: eine Gaststätte in Thüringen, die die Familie der erschossenen Beamtin demnach früher einmal anmieten wollte, die dann aber an einen jungen Mann aus dem Umfeld des Zwickauer Terror-Trios gegangen sein soll. Mehrere Jahre soll Michele Kiesewetter gegenüber diesem Lokal gewohnt haben. Ein Familienangehöriger soll in einem anderen Lokal zudem einen Koch beschäftigt haben, der ein Verwandter der verhafteten Beate Zschäpe aus dem Zwickauer Trio sein soll. Das Motiv für die Tat? Die Hintergründe? Bislang blieb vieles im Dunkeln.

 

 

Laut Medienberichten von Montagabend soll es sich um den Landgasthof „Zur Bergbahn“ in Oberweißbach-Lichtenhain handeln. Empört wies der Großvater von Michele Kiesewetter auf Stimme-Anfrage Bezüge zu seiner Enkelin zurück. Sie habe immer im Haus der Mutter gelebt, nie woanders, und keine Verbindung zur rechten Szene gehabt. Der Gasthof „Zur Bergbahn“ liege rund fünf Kilometer von Oberweißbach entfernt. Er bestätigte, dass der Stiefvater diesen Gasthof einmal anmieten wollte. Aus finanziellen Gründen sei das damals gescheitert.

Widersprüchlich waren die Informationen am Nachmittag. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete von einem Lokal in Thüringen, das dem Stiefvater gehört haben und ein Treffpunkt der rechten Szene gewesen sein soll. Dort soll Uwe Mundlos, einer der Rechtsextremisten aus dem Zwickauer Terror-Trio, den Gastwirt wegen einer Veranstaltung angesprochen haben. „Bild.de“ meldete wiederum, der Stiefvater habe in dem Lokal eine Veranstaltung von Neonazis verboten.

 

 

Fakt ist, dass die Familie der jungen Beamtin eine Patchworkfamilie ist. Es gibt die Mutter, einen leiblichen Vater von Michele, zu dem kein Kontakt besteht, den Stiefvater und eine Stiefschwester. Der Stiefvater führt nach Informationen der Stimme heute ein Hotel in einem kleinen Ort wenige Kilometer entfernt von Oberweißbach.

Verworren

Vieles bleibt verworren. Was bei einer gezielten Tat auf der Theresienwiese nicht ins Bild passt: Eigentlich hatte Michele Kiesewetter am Tattag im April 2007 Urlaub. Erst kurzfristig änderte sie ihre Pläne und sprang für eine Kollegin ein. Die Täter müssten ihre Schritte dann über längere Zeit gezielt verfolgt haben. Das Warum der kaltblütigen Tat bleibt nach wie vor offen.
 

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