Polizistenmord: Spuren und Spekulationen
Von Theresa Münch
Stehen die zwei mutmaßlichen Bankräuber aus Eisenach sicher mit dem Mord an der Heilbronner Polizistin vor viereinhalb Jahren in Verbindung?
Der Thüringer Innenminister Jörg Geibert sieht in jedem Fall eine Verbindung, weil die Dienstwaffen der getöteten Polizistin und ihres verletzten Kollegen bei den Verdächtigen in Eisenach gefunden wurden. Jetzt müsse festgestellt werden, wer die Dienstwaffe nach dem Mord in Baden-Württemberg in die Hand genommen habe. Ein Abgleich der DNA-Spuren am Tatort in Heilbronn mit einem Gentest der mutmaßlichen Bankräuber ergab keine Übereinstimmung. Allerdings sollen die Polizistenmörder auch mit Handschuhen gearbeitet haben. Auch der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger ist sich sicher, dass die toten Männer mit dem Fall aus Heilbronn etwas zu tun haben.
Was hat die 36-jährige Frau, die sich der Polizei stellte, mit der Tat zu tun?
Der Heilbronner Staatsanwaltschaft zufolge gibt es wegen des Mordes an der Polizistin derzeit keinen dringenden Tatverdacht gegen die Frau. Die 36-Jährige wohnte aber mit den beiden mutmaßlichen Bankräubern in Zwickau zusammen. In ihrer Wohnung tauchte eine Waffe auf, bei der es sich nach Angaben des Stuttgarter Generalstaatsanwalts Pflieger vermutlich um die Tatwaffe des Polizistenmordes handelt. Die Zwickauer Ermittler beschuldigen die Frau, das Haus in der sächsischen Stadt in Brand gesetzt zu haben.
Was steckt hinter der Tatsache, dass die in Heilbronn ermordete Polizistin auch aus Thüringen stammt?
Hier sehen die Ermittler noch keinen Zusammenhang. „Ich habe keine Anzeichen dafür, dass dahinter eine Kausalität, ein System stecken könnte“, sagte Thüringens Innenminister Geibert. Ein solcher Bezug wirke derzeit noch konstruiert.
Gehörte das Trio zur Neonazi-Szene?
Alle drei wurden 1998 der rechtsextremen Gruppierung „Thüringer Heimatschutz“ zugerechnet. Kopf der Gruppe war ein V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Spekuliert wurde daher, dass auch die beiden mutmaßlichen Bankräuber Informanten der Behörde gewesen sein könnten. Dies wies der Thüringer Verfassungsschutz aber zurück. „Staatliche Stellen“ hätten ihnen vor rund 13 Jahren auch nicht bei der Flucht geholfen. 1998 wurde in Jena eine Bombenwerkstatt ausgehoben - danach wurden die zwei Männer und die Frau gesucht. Geibert zufolge gibt es keine Anhaltspunkte, dass das Trio die rechte Szene in Thüringen mit Waffen oder Geld versorgte. Die Zwickauer Staatsanwaltschaft gibt an, die drei bis Freitag überhaupt nicht gekannt zu haben.
Brachten sich die mutmaßlichen Bankräuber wirklich um oder steckt jemand anderes dahinter?
Der Rechtsmedizin zufolge haben sich beide Männer mit Langwaffen selbst erschossen. Der Leiter der Sonderkommission schließt laut Geibert aus, dass weitere Personen in oder an dem Wohnmobil waren. Es gebe auch keine Hinweise, dass die 36-Jährige den Wagen angesteckt habe. Die Brandursache sei aber noch nicht geklärt. Die Ermittler in Sachsen machten zu diesem Aspekt keine Angaben.
Woher stammt das Waffenarsenal aus dem Wohnwagen und dem Haus in Zwickau?
Dem gehen die Ermittler noch nach. In dem ausgebrannten Wohnwagen wurden vier Pistolen oder Revolver sowie drei Langwaffen gefunden. Auch in dem explodierten Zwickauer Haus wurden mehrere Schusswaffen entdeckt. Laut Staatsanwaltschaft Zwickau ist noch nicht sicher, ob sie im Zusammenhang mit dem Polizistenmord stehen - der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Pflieger geht allerdings davon aus, dass eine die Tatwaffe aus Heilbronn ist. Laut Polizei ist sehr wahrscheinlich, dass die Waffen im Eisenacher Wohnmobil nicht legal sind. Ob sie aus Straftaten stammen, lässt sich noch nicht sagen.
Wie konnte das Trio rund 13 Jahre lang untertauchen?
Die drei waren verschwunden, als die Polizei 1998 in Jena eine Bombenwerkstatt auffliegen ließ. Seitdem will der Thüringer Verfassungsschutz keine Kenntnis über deren Aufenthaltsort gehabt haben. Bei den Ermittlungen sei damals wohl nicht alles optimal gelaufen, räumte Innenminister Geibert jetzt ein. Er schloss aber nicht aus, dass man in Deutschland jahrelang unentdeckt und ohne Papiere leben könne. Sowohl die Männer wie die Frau benutzten mehrere Namen. Ob sie unter diesen Namen beispielsweise auch Bankkonten angelegt haben, sei nicht bekannt.
Wie wahrscheinlich ist ein Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Augsburg Ende Oktober?
Ein Zusammenhang zwischen dem Mordfall in Augsburg erscheint bislang eher aus der Luft gegriffen. Die Ermittler prüfen routinemäßig, ob es Übereinstimmungen zwischen DNA-Spuren aus beiden Fällen gibt. Sie sehen darin bislang aber keine heiße Spur. „Wir sehen bislang keine Parallele zwischen den Fällen“, sagte ein Polizeisprecher in Augsburg. Geprüft wird, ob der Augsburger Polizist mit den in Thüringen entdeckten Waffen erschossen wurde.
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