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Polizistenmord: Fahnder interessiert Abifete vor drei Jahren
Von Helmut Buchholz und Adrian Hoffmann
Heilbronn - Der Strohhalm ist nicht groß, nach dem die Polizistenmord-Sonderkommission greift. Aber es ist wenigstens einer: Fast drei Jahre nach dem Verbrechen auf der Heilbronner Theresienwiese schreiben die Ermittler jetzt Abiturienten an, die zur Tatzeit im Wertwiesenpark ihren Abschluss feierten - etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt.
"Wir denken uns, dass dieser Tag im Gedächtnis der jungen Leute geblieben ist, vielleicht mehr als anderen", erklärt Ulrich Heffner, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Die Fahnder fragen konkret auch nach Foto- und Bildaufnahmen von der Party. Und nach dem blutverschmierten Mann, den Zeugen damals aus dem Wertwiesenpark rennen sahen, und der in der Nähe der Sontheimer Brücke in ein Auto gestiegen sein soll. Er wurde nie ausfindig gemacht.
Guter Rücklauf
Die insgesamt 395 Adressen der Schüler hat sich die Soko beim Regierungspräsidium besorgt. Einige von ihnen leben zurzeit in den USA oder Australien. "Der Rücklauf ist gut", sagt LKA-Sprecher Heffner. Bis jetzt hätten 20 Abiturienten geantwortet und teilweise ihre Filmaufnahmen zur Verfügung gestellt. Auf die Frage, wie groß die Hoffnung ist, dass nach so langer Zeit noch ein brauchbarer Hinweis bei dem Fahndungsaufruf herauskommt, antwortet der LKA-Mann: "Wir wollen nichts unversucht lassen."
Warum die Soko erst jetzt auf die Idee kommt, die Schüler direkt anzusprechen? Kurz nach der Tat hätten die Fahnder versucht, die Abiturienten über die Rektoren zu erreichen. Ohne großes Echo. Heffner: "Damals gab es andere Prioritäten bei den Ermittlungen." Zwei Jahre ließen sich die Ermittler durch eine Fehlspur auf verunreinigten Wattestäbchen in die Irre führen. Jetzt muss die Soko rekonstruieren: Wer war zur Tatzeit auf der Theresienwiese? Auf welchem Weg flohen die Mörder? Die Fahnder sind immer noch "fassungslos", so Heffner, dass es so wenige Zeugen gibt.
Per E-Mail
Stephan Ostfalk aus Leingarten ist einer der Abiturienten, die 2007 im Park feierten. "Ich wundere mich, dass sich die Polizei so spät meldet", sagt er. Er kann aber nicht helfen. "Sonst hätte ich mich längst gemeldet." Einer damaligen Abiturientin fällt es schwer, sich zu erinnern. "Es ist ja schon drei Jahre her", sagt die 23-jährige Studentin, die im australischen Perth studiert. Sie beantwortet die Fragen der Polizei nun per E-Mail. Ein Mitschüler von ihr sagt, er sei 2007 zwar nicht vernommen worden - aber er habe einen Aushang im Justinus-Kerner-Gymnasium gelesen, mit der Bitte um Hinweise.
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