Neue Durchsuchungen gegen Nazi-Terrorhelfer

Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch auch in Baden-Württemberg Wohnungen und Geschäftslokale von mutmaßlichen Unterstützern der Zwickauer Terrorzelle durchsucht. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, sollen die Beschuldigten den mutmaßlichen Terroristen der Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Schusswaffen und Sprengstoff verschafft haben.

Sprecherin: Kein Bezug zu Polizistenmord

Im Zuge der Razzien ist eine Wohnung im Großraum Stuttgart durchsucht worden. Eine Festnahme habe es hierbei nicht gegeben, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft auf Stimme-Anfrage mit. Alle vier mutmaßlichen Unterstützer der Terrorzelle NSU wohnen den Angaben zufolge in Thüringen oder Sachsen. Den Bezug der Wohnung in Baden-Württemberg zu den vier Tatverdächtigen wollte die Sprecherin nicht genauer konkretisieren. Und: Es wäre „völlig gemutmaßt“, mit dieser Wohnung einen möglichen Bezug zu dem Mord an der Polizistin in Heilbronn herzuleiten, sagte sie auf Nachfrage.

Welche Verbindung die Rechtsextremen, die für den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 auf der Theresienwiese verantwortlich gemacht werden, in die Region Heilbronn haben, ist weiter ein Rätsel. Über eine Verbindung gebe es „nichts Neues“, sagte die Sprecherin. Nach Stimme-Informationen liegt die durchsuchte Wohnung nicht in der Region um Heilbronn.

Sprengstoff und Schusswaffen

Zwei der Beschuldigten sollen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bereits 1998 Sprengstoff und eine Schusswaffe zur Verfügung gestellt haben. Es bestehe der Verdacht, dass sie die Zwickauer Terrorzelle auch später unterstützt hätten, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Zwei weitere Beschuldigte sollen den Mitgliedern des NSU 2002 und 2003 mehrere Schusswaffen verschafft haben, darunter mindestens eine sogenannte Pumpgun.

110 Polizeibeamte im Einsatz

An den bundesweiten Durchsuchungen waren der Bundesanwaltschaft zufolge etwa 110 Polizeibeamte aus den Reihen des Bundeskriminalamts sowie aus Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg beteiligt. Ziel sei es, weitere Erkenntnisse über das Unterstützerumfeld der terroristischen Vereinigung und die Herkunft der Waffen zu gewinnen.

Das Neonazi-Trio soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen.

Die mutmaßlichen Terroristen Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet. Die einzige Überlebende des Trios, die 36-jährige Beate Zschäpe, sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem wurden vier mutmaßliche Unterstützer des Trios in U-Haft genommen. cf/lsw

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