Nach der Wattestäbchen-Panne: Kommission legt Standards fest

Heilbronn/Stuttgart - Nach der DNA-Fahndungspanne im Heilbronner Polizisten-Mordfall hat sich ein Expertenkreis des Innenministeriums auf Qualitätsstandards für Wattestäbchen und Handschuhe geeinigt. So würden zur Spurensicherung nur noch Stäbchen eingesetzt, die mit dem Mittel Ethylenoxid sterilisiert wurden, teilte das Ministerium am Dienstag in Stuttgart mit.
„Im Moment ist das die technisch beste Möglichkeit, DNA-Spuren soweit zu zerstören, dass bei den Untersuchungen im Labor aus dieser Quelle keine nachweisbaren DNA-Strukturen mehr übrig bleiben“, sagte Werner Kugler, Leiter des kriminaltechnischen Instituts beim Landeskriminalamt (LKA). Komplett DNA-freie Wattestäbchen seien aber nach dem derzeitigen Stand der Forschung noch nicht herstellbar. „Die Wattestäbchen werden nach dem automatisierten Herstellungsprozess mit dem Ethylenoxid begast und sterilisiert“, sagte Kugler, Mitglied in der Kommission. Jetzt arbeite die Polizei im Südwesten ausschließlich mit Stäbchen eines Herstellers aus Hamburg.
Klage
Ende März war bekanntgeworden, dass die nach dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn im April 2007 an mehr als 35 Tatorten gefundene Genspur nicht vom Täter stammte, sondern von einer Arbeiterin, die mit den Wattestäbchen in Berührung gekommen war. Demnach war die Polizei monatelang einer nicht existenten Serienverbrecherin auf der Spur gewesen. Der Fall des angeblichen „Phantoms“ hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Eine Klage gegen den Hersteller der verunreinigten Wattestäbchen - der Firma Greiner Bio-One aus Frickenhausen (Kreis Esslingen) - wird nach Angaben einer Ministeriumssprecherin immer noch geprüft. Eine mögliche Klage hatte Innenminister Heribert Rech (CDU) nach der Panne angedeutet.
„Über den Expertenkreis des Innenministeriums hinaus suchen wir im LKA nach weiteren Möglichkeiten, die Qualität bei der Spurensicherung über die DNA hinaus sicherzustellen“, sagte Kugler. Dabei gehe es zum Beispiel um Textilfaserspuren, Brandbeschleunigungsmittel und Schmauchspuren.
„Die jetzt festgelegten Qualitätsstandards im DNA-Bereich sollen mit denen in den anderen Bundesländern und auf Bundesebene abgeglichen werden. An diesen werden wir uns dann etwa auch beim Bezug der Wattestäbchen orientieren.“ Laut Rech sollten die jetzt festgelegten Qualitätsstandards noch ausgebaut werden. Im Spätsommer soll der Abschlussbericht des Expertenkreises vorgelegt werden. Im Expertenkreis sitzen Vertreter des Landes- und Bundeskriminalamtes sowie Biologen und Rechtsmediziner. lsw
Mehr zum Thema:
Nach der Panne gibt es plötzlich viele kleine Phantome
Bildergalerien zum Polizistenmord
Archivsuche
- Hauptnavigation Freizeit
- Themen Anzeigen
- Links
- Service


