Landespolizeipräsident Erwin Hetger: Phantom wird bis zum Erfolg gesucht

Mit einer Blumenschale schmückt Landespolizeipräsident Erwin Hetger (kniend) die Gedenktafel für die erschossene Polizistin Michéle Kiesewetter.Foto: Archiv/Veigel 
Als „Faustpfand“, das zum Erfolg führen wird, hat Landespolizeipräsident Erwin Hetger den neuesten DNA-Fund von der großen Unbekannten bezeichnet, deren Spur auch beim Heilbronner Polizistenmord vor einem Jahr entdeckt wurde. Bei einem Dreifachmord bei Heppenheim ist ihr Gencode jetzt wieder aufgetaucht. Carsten Friese fragte bei Hetger nach.

Woher nehmen Sie Ihren großen Optimismus?

Erwin Hetger: Wir sind sehr zuversichtlich, dass es uns über diese neue DNA-Spur gelingen wird, der unbekannten Täterin ein Gesicht zu geben. Die Spur an dem Ford zieht weitere nach sich: Wir wollen wissen, wer dieses Auto in den letzten Jahren benutzt hat, um das Fahndungsnetz enger zu knüpfen. Gerade diese Spur gibt unseren Ermittlern neue Ansatzpunkte, die Täterin zu ermitteln und ihre Serie von Verbrechen endgültig zu stoppen.

Ein Phantom hinterlässt seit 1993 DNA-Spuren an Tatorten. Gefasst wurde es nie. Ist die Unbekannte schlauer als die Polizei? Zeigt der Fall Grenzen der „Wunderwaffe“ DNA?

Hetger: Wie wichtig DNA-Spuren sind, wird auch an diesem Fall deutlich. Über ihre DNA-Spur konnten wir die Unbekannte mit 30 Straftaten in Verbindung bringen und neue Ermittlungsansätze gewinnen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich irgendwann der Kreis schließen wird und wir die Täterin identifizieren können. Ihre Spur von Verbrechen zeigt, dass sie äußerst brutal und skrupellos vorgeht.

Der Massen-Speicheltest in Baden-Württemberg hat bisher noch keinen Erfolg gebracht. Werden Sie auf weitere Massen-DNA-Tests in anderen Bundesländern drängen?

Hetger: Zunächst sollten die Ergebnisse des jetzt durchgeführten Tests abgewartet werden, immerhin stehen noch rund 200 Proben aus. Erst dann wird über das weitere Vorgehen zu entscheiden sein. Unsere Ermittler stehen in sehr engem Kontakt mit Kollegen im In- und Ausland. In mehreren Bundesländern laufen bereits Recherchen, um festzustellen, wie viele Frauen dort für ein solches Massen-Screening in Frage kommen.

Wann werden die personalintensiven Ermittlungen einer Soko spätestens eingestellt? Nach zwei, drei Jahren?

Hetger: Ermittlungen in solch gravierenden Fällen werden nie eingestellt. Natürlich wird die Zahl der Ermittler irgendwann reduziert, wenn die Flut neuer Spuren und Informationen abebbt. Dies bedeutet aber nicht, dass solche Fälle zu den Akten wandern. Bis zum Erfolg werden wir ausreichend Personal einsetzen.

Ein Jahr danach: Was war für Sie der bewegendste Moment in diesem Fall?

Hetger: Der schwierigste Moment war für mich, als ich in der Heimatgemeinde von Michéle Kiesewetter bei der Beisetzungsfeier während meiner Traueransprache in die vielen verzweifelten Gesichter der jungen Kolleginnen und Kollegen der Bereitschaftspolizei schaute.

Der Polizistenmord war eine unfassbare Extremtat. Auch sonst nimmt die Zahl der tätlichen Attacken gegen Polizeibeamte zu. Wie passt es da zusammen, dass das Land Stellen bei der Polizei abbaut – auch in Heilbronn?

Hetger: Mir ist die hohe Belastung unserer Polizeibeamten vor Ort sehr bewusst. Ich sehe auch die steigende Brutalisierung in unserer Gesellschaft und die Polizei steht mitten in dieser Gewaltspirale. Mit dem Beschluss der Landesregierung, jährlich 800 Polizeianwärter einzustellen, haben wir eine Perspektive für künftig wieder mehr Personal.

 



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