Generalstaatsanwalt: Polizistenmord aufgeklärt
Heilbronn/Zwickau - Nach dem Fund der zwei Dienstpistolen aus dem Heilbronner Polizistenmordfall im Wohnmobil von toten Bankräubern in Eisenach haben sich gestern Ermittler in Baden-Württemberg mit deutlich unterschiedlichen Einschätzungen zu Wort gemeldet. Während der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger den Heilbronner Polizistenmordfall aus dem Jahr 2007 in einem SWR-Interview als aufgeklärt einstufte, reagierten Polizei, Staatsanwalt und Innenminister viel zurückhaltender.
Die gesamten Umstände und weitere Spurenfunde haben ihn „zu der Überzeugung gebracht“, dass „die Tätergruppierung ermittelt wurde, die für den Mord in Heilbronn verantwortlich ist“, sagte Pflieger auf Stimme-Nachfrage. Er schließe aus, dass die Waffen auf dem Schwarzmarkt gekauft worden seien. „Das ist heiße Ware“, sagte er.
Zudem seien die geraubten Handschellen von Michéle Kiesewetter, ein Multifunktionswerkzeug des in Heilbronn niedergeschossenen Beamten gefunden worden und im abgebrannten Haus der Bankräuber „mit großer Wahrscheinlichkeit“ eine Pistole, mit der auf die Polizisten in Heilbronn geschossen worden sei. Es spreche einiges dafür, dass „die Gruppe um die beiden Männer“ die Täter seien. Das Motiv? Möglicherweise Beschaffungskriminalität.
Innenminister Reinhold Gall (Obersulm) ist zwar auch „froh“ um die neuen Spuren. Aber: „Es gibt bisher kein Geständnis. Und man muss erst einmal beweissichere Zusammenhänge herstellen.“ Von einer Aufklärung könne man nicht sprechen. „Das ist aus jetziger Sicht Kaffeesatzleserei“, sagte Gall der Heilbronner Stimme. Die gefundene Waffe sei systemgleich zu der in Heilbronn, das Multifunktionswerkzeug typgleich. „Eine Tatwaffe muss man erst einmal nachweisen.“
Bildergalerie: Heilbronn im Ausnahmezustand | 25.04.07
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Während Stuttgarts LKA-Präsident Dieter Schneider davon ausgeht, „einer Aufklärung ganz nahe gekommen zu sein“, sagt Heilbronns Polizeichef Roland Eisele: „Wir haben einen dicken roten Faden aufgenommen.“ Eine Aufklärung des Mordes an der Polizistin Michéle Kiesewetter „ist aber noch nicht Fakt“. Da habe sich der Generalstaatsanwalt weit aus dem Fenster gelehnt.
Der Heilbronner Pressestaatsanwalt Harald Lustig betont, man wolle keine Wahrscheinlichkeiten weitergeben, sondern Fakten. Er machte deutlich: „Wir sind im Heilbronner Polizistenmord die erste Quelle.“ Laut Lustig ist es aber durchaus „naheliegend“, dass die toten Bankräuber am Polizistenmord im April 2007 beteiligt waren.
Inzwischen gibt es klare Hinweise, dass die zwei Toten von Eisenach der ostdeutschen Neonazi-Szene angehört haben. Ihre mutmaßliche Komplizin stellte sich gestern der Polizei.
Stellungnahme
Der Heilbronner Pressestaatsanwalt Harald Lustig gab gestern Abend an, dass die Staatsanwaltschaft Heilbronn heute im Laufe des Tages eine Erklärung zum Ermittlungsstand abgeben werde. Im Hinblick auf die Meldungen, die sich gestern überschlugen, „müssen wir auch klarstellen, dass die ermittelnde Staatsanwaltschaft im Heilbronner Polizistenmord die Staatsanwaltschaft Heilbronn ist und keine andere Behörde.“ Stand gestern Abend gebe es noch keine Erkenntnisse über die Vernehmung der 36-Jährigen. cf/ssp
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09. November 2011
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