Eigenes Schmerzensgeld den Opfern gewidmet

Von Carsten Friese

Polizistenmord: Spur führt zu Bruderfehde Heilbronn - Für Polizeisprecher Peter Lechner war es einfach nur „überwältigend“. Die Anteilnahme der Bevölkerung am Polizistenmord auf der Heilbronner Theresienwiese hat alles Dagewesene übertroffen. „In dieser Dimension“, sagt Lechner, „haben wir das hier noch nicht erlebt.“

Ob von der Feuerwehr Dresden, dem Weißen Ring Kelheim oder dem SV Stern Windmühle Berlin - rund 200 E-Mails gingen bei der Heilbronner Polizei ein, dazu 100 Anrufe und einige Briefe. Aus Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, sogar aus Ungarn, Portugal und den USA sandten Menschen ihre Botschaften. Immer wieder mischte sich tiefes Beileid und aufrichtige Anteilnahme mit der Bestürzung über die feige Tat. Unbekannte hatten am 25. April 2007 die Polizistin Michéle Kiesewetter mit einem Kopfschuss getötet und ihren Kollegen lebensgefährlich verletzt.

Mit „Tränen in den Augen“, berichtet eine Christiane H., habe sie die Nachricht aufgenommen, dass zwei Menschen, „die nur unsere Sicherheit gewährleisten wollen“, einem sinnlosen Angriff zum Opfer fallen. „Ich hoffe inständig, dass Sie die Killer kriegen. Seid bitte wachsam und passt auf euch auf“, schreibt Carl B. in seiner Mail. Rene T., ein Busfahrer aus Zürich, berichtet, dass er Wochen zuvor Opfer einer Faustattacke eines Fahrgastes geworden sei. „Ich werde mein Schmerzensgeld dem Spendenkonto für die Heilbronner Polizisten zukommen lassen“, verspricht er.

Ein US-Bürger aus Clovis in Kalifornien hat in einem Schreiben sogar eine amerikanische Polizeimedaille mitgeschickt. Zwei Aktenordner voller Briefe der Anteilnahme gingen auch bei der Bereitschaftspolizei in Böblingen ein, wo die zwei Opfer des Mordanschlags stationiert waren. Unter den Zuschriften waren einige Kinderzeichnungen und eine Collage mit Motiven der Polizeiarbeit und Zitaten, die Kraft geben. „Das hat schon sehr gut getan, die Wertschätzung der Polizei eins zu eins zu spüren“, sagt Polizeisprecherin Susanne Motz offen.

Alle E-Mails, Briefe und Präsente haben die Dienststellen an die Familien der Opfer weitergeleitet. Wie viel auf dem Spendenkonto der Polizeistiftung Baden-Württemberg für die Opferfamilien eingegangen ist, wollte Geschäftsführer Konrad Bold nicht exakt sagen. Das Geld ist übergeben. „Es war eine großzügige Spende und mehr als erfreulich.“




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