"Das Bundeskriminalamt könnte den Fall auch nicht besser im Griff haben" (25.06.07)

 

„Ermittlungstaktik steht im Vordergrund”: Erwin Hetger. Seit 1990 ist er Landespolizeipräsident. 
Der Heilbronner Polizistenmordfall sorgt bundesweit für Schlagzeilen, die bisher erfolglose Suche nach den Tätern wird kritisch begleitet. Carsten Friese sprach mit Landespolizeipräsident Erwin Hetger (62) bei einem Termin in Weinsberg über Kompetenzprobleme, Polizeitaktik und Leistungsgrenzen.

Die Spuren der Tatverdächtigen im Polizistenmordfall sind weit verstreut. Viele Behörden und Staatsanwaltschaften sind über Ländergrenzen beteiligt, die Zusammenarbeit offenbart Mängel. Ist es nicht sinnvoll, das Bundeskriminalamt als koordinierende Stelle einzuschalten?

Erwin Hetger: Das Bundeskriminalamt hat da gar keine Zuständigkeit, derartige Mordfälle gehören in die Länderkompetenz, da sind sie richtig aufgehoben. Die Details des Falles werden in der Soko äußerst professionell abgearbeitet, und die Zusammenarbeit innerhalb der Polizei Baden-Württemberg funktioniert hervorragend. Wir haben die Soko in Heilbronn, wir haben eine Koordinierungsgruppe im Landeskriminalamt, wir haben Verbindungsbeamte hier in der Soko, und die Zusammenarbeit mit Freiburg und der österreichischen Polizei bewegt sich im Stundenbereich. Besser könnte auch das BKA den Fall nicht in den Griff bekommen.

Ein leitender Oberstaatsanwalt hat aber offenkundig nur missmutig alte Ermittlungen wieder aufgenommen.

Hetger: Bei der Polizei funktioniert die Zusammenarbeit hervorragend. Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft genauso vorgeht. Man muss hier kooperieren und sehr offen miteinander umgehen. Da kann es kein Zurückhalten geben.

Hat die Heilbronner Polizei zu lange gewartet, bis sie mit der heißen DNA-Spur an die Öffentlichkeit ging?

Hetger: Die ermittlungstaktischen Aspekte stehen im Vordergrund, die Aufklärung des Falles ist unser Bestreben. Wenn es die ermittlungstaktische Situation zulässt, Details an die Öffentlichkeit zu tragen, dann kann man dies tun, aber nur dann. So gehen wir prinzipiell als Polizei Baden-Württemberg vor, das ist unsere Linie, und die halte ich für absolut richtig. Die Kollegen in Heilbronn haben meine volle Rückendeckung.

Die Serientäterin hinterlässt seit 14 Jahren nur ihren genetischen Fingerabdruck. Die Polizei jagt ein Phantom. Bei DNA-Spuren darf zwar das Geschlecht, aber weder Haar-, Augenfarbe noch Hauttyp bestimmt werden. Müsste man hier etwas ändern?

Hetger: Mit der DNA-Möglichkeit bei Kapitalverbrechen, die wir derzeit haben, kommt die Polizei bestens zu Rande. Es macht wenig Sinn, über Wünschenswertes nachzudenken, was nicht in die Gesellschaft hinein vermittelbar ist. Allerdings trete ich dafür ein, dass uns die DNA-Analyse auch bei weiteren Delikten wie Körperverletzung oder Sachbeschädigung ermöglicht wird.

Die Polizisten der Heilbronner Soko haben über 1000 Überstunden angehäuft, sie stoßen an Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Hat der Arbeitgeber Land nicht die Pflicht, die Kollegen durch Verstärkung zu entlasten?

Hetger: Es ist richtig, was Sie sagen. Nur ­ ein Austausch der Kollegen führt im Moment nicht weiter. Wir müssen die Kollegen in dem Fall lassen, die von der ersten Stunde an dabei waren. Heilbronns Polizeidirektionsleiter weiß, dass er Unterstützung bekommt, wenn er sie benötigt. Die Kollegen der Soko wollen diesen Fall klären. Sie wollen nicht frei haben, sie sind mit Herz und Seele dabei und leisten eine tolle Arbeit. Wenn der Fall einmal abgeschlossen ist, müssen wir überlegen, wie wir von dem hohen Überstundenberg herunterkommen.

Polizei-Verräter droht Entlassung

In den Reihen der Polizei wird ein Verräter gesucht. Weil ein Boulevardblatt erstmals über geheim gehaltene Spuren einer Serientäterin im Polizistenmordfall berichtete, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen unbekannt. Der Informant sei den Kollegen der Soko „in den Rücken gefallen”, sagt Landespolizeipräsident Erwin Hetger. Falls er ermittelt werde, will Hetger eine Entlassung aus dem Polizeidienst prüfen. Heilbronns Polizeichef Roland Eisele legt seine Hand dafür ins Feuer, dass es niemand aus der Heilbronner Soko war. Mehrere hundert Beamte wussten bundesweit von der heißen Spur. 

 




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