Bundesanwalt widerspricht Beziehungstat-Theorie
Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Mittwoch über angebliche Schwierigkeiten bei den Ermittlungen berichtet. „Veröffentlichte Mutmaßungen anderer können die Ermittlungen der Wahrheit nur stören oder sogar vereiteln“, sagte Range dazu.
Sein Stellvertreter Rainer Griesbaum, Leiter der Terrorismusabteilung, erhofft sich Fahndungsfortschritte von einer Computerfestplatte, die in dem ausgebrannten Haus der Gruppe gefunden und deren Dateien jetzt gerettet werden konnten. „Es gibt auf dieser Festplatte noch eine Menge an Beweismitteln, die uns weiterbringen werden.“
Die gesicherten Versionen eines Bekennervideos ließen darauf schließen, dass das Trio spätestens seit 2001 den Namen Nationalsozialistischer Untergrund verwendet habe. Es seien 270 Gigabyte an Daten sichergestellt worden, so Griesbaum. „Lassen Sie uns das in Ruhe auswerten, bewerten und abgleichen.“
Sieben Ermittlungsverfahren
Derzeit führt die Bundesanwaltschaft insgesamt sieben Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit den Taten des NSU. Fünf Beschuldigte sind in Untersuchungshaft, darunter Beate Zschäpe, die gemeinsam mit den toten mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den NSU gegründet haben soll. Die Bundesanwaltschaft ermittle gegen Zschäpe aber auch wegen einer möglichen direkten Beteiligung an den Mordtaten und Sprengstoffanschlägen des NSU, so Griesbaum.
Das neu entdeckte Video sei „deutlich aggressiver“ gestaltet als der bereits bekannte Film, so Griesbaum. Das Paulchen-Panther-Motiv fehle, allerdings ende es mit dem Spruch der Fernsehserie: „Heute ist nicht alle Tage - wir kommen wieder, keine Frage!“ Das Video zeige ein Feld mit insgesamt 14 Schaltflächen, von denen noch neun frei waren. Es sei bislang nicht klar, ob insgesamt 14 Morde geplant gewesen seien.
In fünf Sequenzen würden die bis dahin begangenen Morde dargestellt, anschließend werde jeweils der Name des Opfers eingeblendet, mit dem Zusatz: „...ist nun klar, wie ernst uns der Erhalt der deutschen Nation ist“.
Range setzt weiter auf die Hilfe der Bevölkerung. Bislang seien 569 Hinweise eingegangen - „und das schwillt noch an“. Er verurteilte erneut die Motive der Terroristen. Aus den Taten spreche eine „Gesinnung, die Menschen nichtdeutscher Herkunft jedes Lebensrecht abspricht“, sagte Range.
Den Mordanschlag auf die Polizisten in Heilbronn - bei dem die Polizistin Michele Kiesewetter getötet und ihr Kollege schwer verletzt wurde - erklärte Range damit, dass die Beamten „als Repräsentanten der wehrhaften Demokratie für die Verteidigung unserer Grundwerte einstanden“. Er widersprach damit indirekt Berichten über eine angebliche Beziehungstat.
Nazi-Band aus Südwesten liefert Musik
Unterdessen wurde bekannt, dass die Zwickauer Neonazi-Terroristen zur Untermalung der Bilder auf ihrem Bekennervideo auf Musik einer rechtsextremistischen Band aus dem Südwesten zurückgegriffen haben. Auf dem Film, der auf der vor kurzem rekonstruierten Festplatte der Terroristen gefunden wurde, sind Lieder der Gruppe „Noie Werte“ zu hören, teilte der für Terror zuständige Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Mittwoch in Karlsruhe mit.
Die Gruppe wurde bereits Ende der 1980er Jahre in der Nähe von Stuttgart gegründet und zählt damit zu den ältesten rechtsradikalen Bands. Ihre Texte gelten als gewaltverherrlichend und verfassungsfeindlich. Kopf der Band, die sich 2010 nach eigenen Angaben aufgelöst hat, ist der Rechtsanwalt Steffen Hammer. Nach Recherchen des SWR arbeitet er für die Kanzlei H3, die Büros in Stuttgart und Rastatt unterhält.
Dort ist auch die ehemalige NPD-Funktionärin Nicole Schneiders beschäftigt, die die Verteidigung ihres früheren NPD-Kameraden Ralf Wohlleben übernommen hat. Schneiders soll in Jena studiert haben. Damit könnte sich eine Verbindung von der Zwickauer Terrorzelle nach Baden-Württemberg ergeben.
Auf dem rekonstruierten Bekennervideo aus dem Jahr 2001 sind nach Angaben von Griesbaum vier Morde an türkischstämmigen Männern aufgeführt sowie der Bombenanschlag in Köln. Zur Untermalung dienen die Lieder „Kraft für Deutschland“ und „Am Puls der Zeit“. Letztgenanntes Lied war zugleich der Titel der im Jahr 2000 erschienen CD von „Noie Werte“. Darin heißt es unter anderem: „Wir sind am Puls der Zeit, kein Weg führt an uns vorbei. Wir sind am Puls der Zeit, der Widerstand ist bereit!“ dpa/lsw
- Überwachten Fahnder Internet-Nutzer? (21.05.2012)
- Generalstaatsanwalt fordert engere Kooperation (10.05.2012)
- BKA veröffentlicht Urlaubsbilder von Nazi-Terrorzelle (09.05.2012)
- Focus: Polizistenmord-Fahnder sollen wichtigen Hinweis übersehen haben (06.05.2012)
- Polizistenmord: Soko Parkplatz beendet Arbeit (04.05.2012)
- Polizistenmord: Erhält ein Rentner hohe Belohnung? (01.05.2012)
- Bewegende Gedenkfeier auf der Theresienwiese (25.04.2012)
- Polizistenmord: Endlich zur Ruhe kommen (21.04.2012)
- Polizistenmord: Klare Indizien, offene Fragen (21.04.2012)
- Zschäpe soll an Morden beteiligt gewesen sein (19.04.2012)
- Polizistenmord: Neue Gedenkstele, anderer Akzent (18.04.2012)
- Hinterbliebene von getöteter Polizistin erhielten 25.000 Euro (26.03.2012)
- Neuer Wirbel um Theorie von gezieltem Anschlag (23.03.2012)
- Untersuchungsausschuss lädt Zschäpe vor (16.02.2012)
- Weitere Theorie für Mord an Polizistin in Heilbronn (10.02.2012)
- Polizistenmord: Neonazi-Helfer auch im Land? (20.12.2011)
- Mutmaßlicher Unterstützer der Neonazi-Terrorgruppe gefasst (11.12.2011)
- Range will keinen Deal mit Zschäpe (07.12.2011)
- Polizistenmord: Generalbundesanwalt zeigt Tatwaffe (01.12.2011)
- Polizistenmord: Die nächste unglaubliche Theorie (30.11.2011)
- Bürgermeister fordert vom Innenminister öffentliche Entschuldigung bei Familie Kiesewetter (29.11.2011)
- Ex-NPD-Funktionär als Terror-Helfer festgenommen (29.11.2011)
- Heilbronner Neonazis verhöhnen Terror-Opfer (24.11.2011)
- Polizistenmordfall: BKA gibt Fehler zu (24.11.2011)
- Weiteren Terror-Verdächtigen festgenommen (24.11.2011)
- Polizistenmord: Die Geschichte von der Beziehungstat zerfällt (24.11.2011)
- Rechtsextremisten hinterließen Spuren der Gewalt (23.11.2011)
- These vom Racheakt hat Lücken (23.11.2011)
- Bundestag entschuldigt sich nach Neonazi-Morden (22.11.2011)
- Polizistenmord in Heilbronn gezielte Tat? (22.11.2011)
- Mord an der Polizistin Michéle Kiesewetter - Spurensuche in Oberweißbach (20.11.2011)
- Zweite Tatwaffe des Polizistenmords identifiziert (21.11.2011)
- Mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe schweigt weiter (18.11.2011)
- Generalbundesanwalt: Zschäpe hat sich noch nicht geäußert (16.11.2011)
- Verdächtiges Wohnmobil - Spur führt zu Holger G. (17.11.2011)
- BGH-Ermittlungsrichter erlässt Haftbefehl gegen Holger G. (15.11.2011)
- Gefahr von Rechts - Heilbronns BM Mergel fordert härteres Vorgehen (14.11.2011)
- Polizistenmord: Tatwaffe identifiziert (14.11.2011)
- Haftbefehl gegen Beate Z. erlassen (14.11.2011)
- Heilbronner Polizistenmord - Mutmaßlicher Komplize des Neonazi-Trios festgenommen (13.11.2011)
Bildergalerien zum Polizistenmord
Archivsuche
- Hauptnavigation Freizeit
- Themen Anzeigen
- Links
- Service



