Wird die Notfallpraxis in Brackenheim benachteiligt?

Region  Über die zentrale Rufnummer werden die Patienten aus dem Einzugsgebiet oft nicht in die Ärztliche Notfallpraxis nach Brackenheim, sondern nach Heilbronn geleitet.

Von Thomas Dorn

Wird die Notfallpraxis in Brackenheim benachteiligt?

Im Gespräch: die Brackenheimer Praxismanagerin Sigrid Harder und die Vorsitzenden des Trägervereins für den Ärztlichen Notdienst im südlichen Landkreis, Dr. Kai Vivell (links) und Dr. Sven Hanselmann.

Fotos: Mario Berger

 

Seit dem 1. September 2017 ist der Ärztliche Notfalldienst für den südlichen Landkreis komplett ans Krankenhaus nach Brackenheim verlagert. Er ist Anlaufstelle für alle Patienten zwischen Beilstein und Zaberfeld, Massenbachhausen und Lauffen, die nachts oder an Wochenenden mit leichteren Erkrankungen einen (Haus-)Arzt brauchen. Die erste Zwischenbilanz fällt durchwachsen aus.

Zwar "kommen Patienten aus dem gesamten Einzugsbereich" nach Brackenheim, wie Praxismanagerin Sigrid Harder berichtet. Und mit knapp 2400 Patienten im vierten Quartal nähert man sich auch wieder dem üblichen Niveau von 2500 bis 3000 Fällen. Aber die Zahlen sollten - und könnten - nach Einschätzung von Dr. Sven Hanselmann und Dr. Kai Vivell, Erster und Zweiter Vorsitzender des Vereins "Ärztlicher Notfalldienst Landkreis Heilbronn-Süd", der die Praxis betreibt, höher sein. Dass sie es nicht sind, führen die beiden Allgemeinmediziner aus Schwaigern vor allem auf Schwierigkeiten mit der zentralen Rufnummer 116 117 zurück.

Rund um die Uhr besetzt

Diese Nummer gilt bundesweit in Sachen hausärztlicher Notdienst. Wer dort anruft wird gefragt, wo er herkommt, und dann an die zuständige Notfallpraxis weitergeleitet. Genau da liegt das Problem: Obwohl die Brackenheimer Praxis an Wochentagen nachts von 19 bis 7 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr besetzt ist, werden die Patienten unter der Woche nicht ins Zabergäu, sondern an die Notfallpraxis am Heilbronner SLK-Klinikum geschickt. "Wir wissen das durch Rückmeldungen von Patienten", sagt Kai Vivell.

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Auch apparative Diagnostik wie EKG (Bild) oder Untraschall ist möglich.

 

Er hat den Verdacht, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg hinter dieser "Umleitung" stecken könnte. Dass sie die Fallzahlen in Brackenheim möglichst niedrig halten möchte, um die Notfallpraxis im Zabergäu irgendwann zu schließen.

KV wollte nur eine Notfallpraxis

Hintergrund dieser Einschätzung ist die Tatsache, dass die Hausärzte im südlichen Landkreis mit der KV lange um die Genehmigung der Brackenheimer Notfallpraxis ringen mussten. Ziel der KV war es, im ganzen Stadt- und Landkreis Heilbronn nicht drei (Heilbronn, Brackenheim, Bad Friedrichshall), sondern nur eine einzige Notfallpraxis zu haben, nämlich am Gesundbrunnen in Heilbronn. Dass die Einrichtung im Zabergäu möglich wurde, führt Hanselmann auf die "große Allianz vor Ort" zurück: "Niedergelassene Ärzte, Kommunalpolitiker, Landrat und SLK GmbH haben an einem Strang gezogen." Ergebnis: "Wir werden zumindest geduldet."

Bei der KV Baden-Württemberg will man den Ball flach halten. "Brackenheim wird von uns gefördert wie jede andere Notfallpraxis", unterstreicht Pressesprecher Kai Sonntag. Es gebe auch "keinerlei Pläne, Brackenheim zu schließen", betont er auf Nachfrage. Allerdings weist Sonntag darauf hin, dass die "gültige Vereinbarung" so aussehe, dass es dort nur an den Wochenenden bis 20 Uhr einen "Sitzdienst" gibt, also ein Arzt vor Ort ist. Nachts solle dagegen nur ein "Fahrdienst" vorgehalten werden, also ein Arzt, der im Notfall zu Hausbesuchen ausrückt.

Das ist laut Sonntag auch der Grund, dass auf der Homepage der KV die Öffnungszeiten in Brackenheim mit "8 bis 20 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen" angegeben sind. "Und deshalb wird unter der 116 117 unter der Woche auch nicht auf Brackenheim verwiesen."

Notfallambulanz schon jetzt überlastet

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Insgesamt 17 Ärzte und zehn ärztliche Mitarbeiterinnen teilen sich die Dienste.

 

Die Patienten nach Heilbronn zu schicken, macht für Dr. Vivell schon deshalb wenig Sinn, weil die Notfallpraxis am Gesundbrunnen nur bis 22 Uhr besetzt ist. Danach müssen die Patienten in die Notfallambulanz des Klinikums, die für schwere Fälle zuständig und schon jetzt überlaufen ist. "Wenn nun auch noch unsere hausärztlichen Patienten dazukommen...", schüttelt Vivell den Kopf. In Brackenheim kann es zwar sein, dass der diensthabende Arzt mal bei einem Hausbesuch ist. In der Regel beträgt die Wartezeit laut Sigrid Harder aber "keine halbe Stunde".

Notarzt oder Notfallpraxis?

Die Notfallpraxis in Brackenheim ist montags bis freitags von 19 bis 7 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr geöffnet. Sie ist über die Bereitschaftsnummer 116 117 oder direkt unter 07135 9360 821 zu erreichen. Sie ist gedacht für leichtere Fälle, in denen sonst der Hausarzt aufgesucht würde - etwa bei Infekten, Durchfall, erhöhtem Blutdruck, Rückenschmerzen, Nasenbluten, Fieber, Zeckenbiss, kleineren Verletzungen - oder auch für Katheterwechsel und die Fortführung von Infusionsbehandlungen. Bei schweren Verletzungen und in möglicherweise lebensbedrohlichen Fällen - bei starken Schmerzen in der Brust, Lähmungen, schwerer Atemnot - werden über die Nummer 112 Notarzt und Rettungswagen gerufen.