Faschingsumzug in Stockheim: Konfettiparade bei Superwetter

Brackenheim  Der bunte Faschingsumzug zog am Dienstag einmal mehr tausende Zuschauer in die Stockheimer Ortsmitte.

Von Thomas Dorn

 

Die Stadtnarren, die Maskengruppe der Bietigheimer Wobachspatzen, sind auf jeden Fall ein Hingucker beim Stockheimer Faschingsumzug. Immer wieder legen sie einen Stopp ein, bilden einen Kreis, lassen unter dem Jubel des Publikums die Peitsche kreisen und lautstark knallen. Der größte Knaller am Dienstagnachmittag ist aber das Wetter: Strahlender Sonnenschein macht das farbenprächtige Treiben im Brackenheimer Stadtteil für Teilnehmer wie Zuschauer zu einem Vergnügen.

Um die 10.000 Besucher dürften es wieder sein. Dicht an dicht drängeln sie sich entlang der Ortsdurchfahrt. "Das Schöne bei uns ist der Straßenfestcharakter", sagt Thomas Bölz vom Faschingsausschuss Stockheim, einer privaten Initiative, die den Umzug verantwortet.

Erstmals mit einem Moderatorenpaar

Mit Klaus Dehnelt und Johanna Lang haben die Veranstalter erstmals ein Moderatorenpaar aufgeboten, das im alten Rathaus Stellung bezogen hat, die Narrenschar mit allerlei Informationen rund um die 37 Gruppen mit fast 1000 Mitwirkenden beschallt und dutzende Male "ein dreifaches Stock - Heim, Stock - Heim, Stock - Heim" einfordert. So wird das Ganze "noch ein bisschen professioneller", meint Dehnelt. Sein Hintergedanke: "Vielleicht besucht uns dann ja mal die Sonja Schrecklein und wir schaffen es ins Fernsehen."

Der Spielmannszug Zaberfeld marschiert dann vorneweg. Der hat schon bei der Steubenparade in New York und auch in Asien gespielt, aber das war nur der Vorlauf für Größeres: "New York, Rio, Tokio - alles Mist, wenn du nicht in Stocke bist", reimt Moderator Dehnelt.

Musikgruppen sind auf jeden Fall das Salz in der Suppe bei einem Umzug, ob die Gruppen nun Güglinger Gassafäger, Raubritter Talheim, Edelweiß Ittlingen oder Fanfarencorps Meimsheim heißen. Die Kraichgauer Besenmusikanten sind der (Jahres-)Zeit hinterher. Sie sind nicht nur mit Christbaumkugeln behängt, sie spielen auch Weihnachtliches wie "Jingle Bells".

Kleine Ritter und Burgfräulein

Als Ritter und Burgfräulein sind die Kindergartenkinder und -eltern unterwegs, als Bienen die Stockheimer Grundschulkinder. "Oh große Not, wir sind bedroht", steht auf einem großen Schild. Die Mädels von "Young & Fresh" tanzen zu wummernden Bässen, der Frauenstammtisch wünscht sich die Buga, die Bundesgartenschau, schnellstmöglich nach Stockheim. Freundliche Maskenträger wie die Drills der Zabergäunarren oder die Stockheimer Hexen treiben eher harmlosen Schabernack mit den Zuschauern. Etwas schauriger wirken da schon die Kraichgauhexen. Aber wenn sie sich im Zweierpack über die Straße wälzen, ist ihnen der Applaus der Zuschauer sicher.

Die Eppinger sind nicht die einzigen, die das Konfetti mit vollen Händen auf die Leute werfen. "Oh, das juckt", meint Susanne Kiefer lachend, die zum wiederholten Mal eine Ladung abbekommen hat. Mit Enkelin Amira (10) ist die Neckarwestheimerin gerne nach Stockheim gekommen. "Der Umzug ist familiärer als die ganz großen. Und hier ist einfach die Atmosphäre toll."

"Stockheim ist Pflicht", sagt auch Brigitte Becker-Yilmaz. Die Meimsheimerin ist seit Jahren dabei. "Um elf mach" ich die Fasnetküchle und um zwölf werden sie gegessen, damit ich um eins hier sein kann", beschreibt sie den bewährten Ablauf ihres Faschingsdienstags.

Die große und die lokale Politik im Blick

Einige Arbeit investiert haben die Stockheimer auch in Motivwagen. Bundespolitik wird im "längsten Vorspiel zum großen Koalieren" auf der "Groko Lokomotive" thematisiert, andere bedauern das Scheitern von Jamaica: "Wir wollten schon mit Kiffen beginnen..." Lokalpolitik findet in "Kiesers Traum" von der Weinzeit ihren Niederschlag: "Ein Schlosshotel entsteht, die Grundsteuer wird erhöht." Der Bürgermeister selbst steht im Schutzanzug auf dem Wagen der Mönchsbergseehütte: In Dürrenzimmern droht Staubalarm. "Die Ortsumgehung war versprochen, Stuttgart hat sein Wort gebrochen," verkündet die Aufschrift.