Anwohner ärgern sich über feststeckenden Lastwagen

Lauffen  Grundsätzliche Probleme gibt es in der Lauffener La-Ferté-Bernard-Straße. Mitten in der Nacht wurden Anwohner von einer Polizeistreife herausgeklingelt, weil ein Lastwagen feststeckte. Anlieger beklagen das hohe Verkehrsaufkommen, die Durchfahrt von Lkw, Traktoren und ein hohes Tempo.

Von Rolf Muth

Polizei in der Zwickmühle: Lkw steckt fest
Dieser Lkw konnte in der Nacht nicht weiterfahren. Drei Stunden lang musste sich der Fahrer gedulden, bis die Straße frei war. Anlieger fordern die Stadtverwaltung auf, das grundsätzliche Problem der Straße zu lösen. Foto: privat

Klingeln, poltern - Theater in der Lauffener La-Ferté-Bernard-Straße, mitten in der Nacht: Ein Lkw steckt fest, kann weder vor, noch zurück. Der Fahrer ruft die Polizei. Und auch die ist ratlos. Die Autos in der Wohnstraße sind offenbar ordnungsgemäß geparkt, die vorgeschriebenen drei Meter Durchfahrtsbreite sind auch eingehalten, wie es seitens der Polizei heißt.

Um 3.30 Uhr klingelt die herbeigerufene Streife bei einem Anlieger, der sein Auto kurz wegfahren soll. Doch der reagiert erst viel später. Am nächsten Tag beschreibt der Familienvater grundsätzliche Probleme in dieser Tempo-30-Straße, macht der Stadtverwaltung Vorhaltungen: "Die stellt sich nicht den Problemen."

Problem ist längst ein Politikum

Schon lange beschäftigen sich Stadtverwaltung und Gemeinderat mit dieser Verkehrsverbindung, die in die Mühltorstraße mündet. Dort ist das Problem weitaus größer, weil zusätzlich viel Verkehr aus der Bundesstraße 27 abfließt. Pendler nutzen die Strecke, die zum Teil nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden darf, als Abkürzung in Richtung Zabergäu.

Der Gemeinderat hat es abgelehnt, hier einen Riegel vorzuschieben und die Zufahrt zu sperren. Bei der jüngsten Abstimmung im Juli wurde auch eine "Anlieger frei"-Regelung mit knapper Mehrheit gekippt. Als Minimalkonsens wurde der Einbau zusätzlicher Schwellen beschlossen. Diese sind offenbar auch dringend erforderlich. Der Blick auf die installierte Tempoanzeigetafel zeigt: Die Wenigsten halten sich an Tempo 7.

Ordnungsamtschef Florian Volz will den aktuellen Vorgang zum Anlass einer Verkehrsschau nehmen, die im November turnusmäßig in Lauffen stattfindet. Verkehrspolizei, Kreisverkehrswacht sind bei dieser Gruppe vertreten, sollen ihren "Wissensfundus" einbringen, ob und wo die Stadt nachbessern könnte. Aufgemalte Parkierungen? Sperrflächen? Oder doch einen Anliegerverkehr, wie es der betroffene Anwohner fordert?

Zulieferer sind auf die Strecke angewiesen

Das hätte den Lkw-Fahrer an der Einfahrt jedoch nicht gehindert. Er ist als Zulieferer auf die Route angewiesen. Nur diese führt zu der Baumschule, die er ansteuern muss. In diesem Fall war er nachts von diesem Betrieb am Neckarufer abgefahren, um Richtung Ilsfeld die Autobahn zu erreichen. Weit gekommen ist er nicht.

"Warum nutzt der nicht den bestehenden Feldweg oder die Baustraße, die extra für den Schwerlastverkehr zur Schleuse angelegt wurde?", fragt das herausgeklingelte Familienoberhaupt und schiebt nach: "Und warum müssen hier auch so viele Traktoren durchfahren?"

Protest beim Polizeipräsidenten

Polizei in der Zwickmühle: Lkw steckt fest
In der La-Ferté-Bernard-Straße sorgen Bauminseln und parkende Pkw für Engstellen, die auf die Geschwindigkeit wirken sollen. Foto: Rolf Muth

In einer Mail an den neuen Heilbronner Polizeipräsidenten Hans Becker hat er den Vorgang geschildert, sich über die Beamten beschwert, die "Sturm geklingelt" und lautstark an die Tür geklopft hätten. Ein Fenster zur Straße gibt es nicht, die Kamera der Sprechanlage sei ausgefallen. "Wir waren durch die Situation sehr verstört."

Erst um sechs Uhr räumt er seinen Pkw zur Seite. Freie Bahn für den Lkw. "Die Polizei hat nur geklingelt, keiner hat an die Tür gehämmert", weist Polizeisprecher Frank Belz die Vorwürfe zurück. Der Anwohner schließt daraus, dass es dann der Lkw-Fahrer gewesen sein muss. Wegen Ruhestörung hat er ihn angezeigt.

Lösungsansatz gesucht

Eine Option der Polizei wäre gewesen, das Fahrzeug abschleppen zu lassen, "um die Störung zu beseitigen", zeigt Belz eine Lösung auf. Ob das letztlich auf Kosten der Polizei gehe, müsse dann ein Gericht entscheiden. Die Polizei jedenfalls rege für diese Wohnstraße Sperrflächen an, auf denen nicht geparkt werden dürfe. Damit sei das Problem für die Zukunft behoben. Gleich, ob Sperrflächen oder Parkierungen - das gehe auf Kosten von Parkplätzen, die auch verkehrsberuhigend wirkten, sagt Florian Volz. Die Konsequenz: Autos fahren womöglich schneller.

Die Idee, die provisorische Baustraße zur Schleuse dauerhaft zu nutzen, hält Volz nicht einmal für so schlecht. Aber: "Da sie auf die Landesstraße mündet, muss das mit dem Landkreis abgestimmt sein." Während der Schleusensanierung ist hier außerorts auf der Ilsfelder Straße Tempo 50 angeordnet.

 

Mehr Nachrichten aus dem Zabergäu?

Kommen Sie in unsere Facebook-Gruppe für das Zabergäu und diskutieren Sie mit uns über die La-Ferté-Bernand-Straße und viele weitere Aufregerthemen aus dem Zabergäu: www.facebook.com/groups/stimmezabergaeu/

 


Kommentar: Klarheit schaffen

Eine Straße wird zum Politikum. Anwohnern reißt der Geduldsfaden. Zeit zum Handeln.

Rolf Muth

An der Parksituation in der La-Ferté-Bernard- und der Mühltorstraße in Lauffen muss sich etwas ändern. Wenn Anwohner auf die Idee kommen, ihre Fahrzeuge als Hindernisse einzusetzen, dann läuft etwas schief. Wenn auch noch der Lkw-Fahrer wegen Ruhestörung angezeigt wird, zeigt das nur, wie verfahren die Situation ist. Der Lkw darf in der Straße fahren und muss auch durchkommen. Ohne gekennzeichnete Park- oder Sperrflächen ist das aber nicht gesichert. So könnte sich der nächtliche Polizeieinsatz schnell wiederholen. Jedenfalls reichen Schwellen, wie sie der Lauffener Gemeinderat im Juli beschlossen hat, als Lösung sicher nicht.

Die Ursachen für das Problem sind vielschichtig. Anwohner der La-Ferté-Bernard-Straße klagen über zunehmenden Verkehr, wenn die Autobahn bei Ilsfeld verstopft ist. Selbst Lastwagen hat das Ordnungsamt schon aus der engen Mühltorstraße herausmanövriert, die vom Pkw-Navi hineingelotst wurden. Die teureren Lkw-Navigationsgeräte sind mit zusätzlichen Infos gefüttert. Sie sagen, wo es eng wird. Doch auch Spediteure sparen gern.

Die Idee eines Anwohners, die Baustraße vom Neckar zur Ilsfelder Straße auch nach Abschluss der Schleusensanierung für den Zulieferverkehr zur Baumschule zu verwenden, ist nicht verkehrt.

Doch auch Landwirte nutzen die Abkürzung. Dass Schmalspur-Traktoren auf der Bundesstraße eher stören − gut. Aber mächtige Schlepper haben in einer Wohnstraße nichts zu suchen, können ohne größere Zeitverluste zügig über die B?27 kurven.

Zu schnell gefahren wird ohnehin in der Wohnstraße, Anzeigetafeln schrecken die Wenigsten ab. Nur die scharfe Kontrolle hilft. Doch Lauffen hat viele Straßen. Auch ein Anliegerverkehr erscheint zunächst als das beste Mittel. Doch wem will man nachweisen, dass er nicht gerade jetzt ein Anliegen hat, etwa zum Kinderarzt oder Rathaus fahren will?

Ihre Meinung?

rolf.muth@stimme.de