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Wie die Kilian Kilisesi in die "Hürriyet" kam
Von unserem Redakteur Kilian Krauth
Als Ihm - Als ihm ein türkischer Bekannter die Tageszeitung Hürriyet zeigt, traut Gerhard Hähnle aus Neckarsulm seinen Augen nicht: Inmitten lauter türkischer Schlagzeilen ragt ein vertrautes Gebäude empor, die Heilbronner Kilianskirche. Wenige Seiten weiter springt ihn "Heilbronn" in gotischen Schrifttypen an. Wie kommt’s nur, dass die kleine Großstadt in einer der größten türkischen Zeitungen − "Hürriyet" hat eine Auflage von 500 000 Exemplaren − so groß rauskommt?
Zweite Heimat Die Autorenzeile hilft uns weiter: Turan Kan/Heilbronn. Der im Jahre 1959 in der Stadt Adapazari am Schwarzen Meer geborene Türke kam vor 20 Jahren mit seiner Familie an den Neckar. Der gelernte Maler war bereits in seiner Heimatstadt als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung tätig. In seiner "zweiten Heimat", wie er sagt, gründete er im Jahre 2000 das deutsch-türkische, zweisprachige Magazin Flash und arbeitet für die Monatsschrift La Havle, beim Übersetzen hilft ihm Haliz Gelikbudak.
Als Journalist liege ihm besonders "der Gedanke der Integration" am Herzen, erklärt Kan, aber auch den Marketing- und Tourismuseffekt seiner Artikel will er nicht unterschätzen. Sein Themenspektrum reicht von aktueller Politik über Lebensgeschichten der ersten Gastarbeitergeneration bis weit zurück in die Geschichte. Besonders reizvoll seien für ihn frühe Berührungspunkte zwischen Deutschen und Türken. Seine gesammelten Dokumente und Fotos bringt der gestalterisch begabte Hobbyhistoriker gerne in Ausstellungen ein: bei türkischen Festen, bei einer Ausstellung im Heilbronner Stadtarchiv oder etwa 2011 im Rahmen eines Festabends zum Gastarbeiter-Jubiläum.
Zwangsläufig kreuzten sich die Wege des Hobbyhistorikers irgendwann mit denen von Stadtarchivar Pater Wanner. Wanners Forschungen bilden denn auch die Basis für Turan Kans großen Bericht in der Tageszeitung Hürriyet. Als Blickfang dient die "Kilian Kilisesi", respektive deren Turm mit einem Sandsteinmedaillon des Sultans Süleyman des Prächtigen (1520-1566), eine Anspielung auf die damalige Bedrohung des Abendlandes durch das Osmanische Reich. Abgesehen von meist feindlichen Begegnungen, reichen die Beispiele geglückter Integration und Freundschaft weit zurück bis ins Jahr 1305. Damals ließ sich der türkische Offizier Soldan in Brackenheim christlich taufen. Der Name taucht später über Heilbronn hinaus in der Ahnenlinie Goethes auf. Positiv besetzt waren seit dem 18. Jahrhundert neben der Türkenmode allerhand Importwaren: von Kaffee über Tee bis hin zu Zigarren. Gewürdigt wird auf Kans Seiten in der "Hürriyet" der Heilbronner Ernst Jäckh, legendärer Urvater der deutsch-türkischen Freundschaft. Nicht fehlen darf zudem ein Stimme-Abschnitt.
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