Wenn der Bauch vibriert

Workshop mit dem australischen Didgeridoo

Von Margit Stöhr-Michalsky

Wenn der Bauch vibriert

„Klangelemente entstehen allein durch die Zirkular- atmung im Mundraum.“

Anthony Nachbauer

Weinsberg - Ein erdiger, dunkler Ton erklingt. Er versetzt nicht nur die Atmosphäre in Schwingung, er schleicht sich in den eigenen Körper und lässt ein wohliges Vibrieren im Bauch entstehen. Der Atem, der durch die Mundöffnung durch ein langes, hölzernes Schwingungsrohr fließt, erzeugt die ungewohnten vokalartigen Töne.

Zehn Teilnehmer lassen sich bei einem Workshop der VHS-Außenstelle Weinsberg von dem Blasinstrument der Ureinwohner Australiens, dem Didgeridoo, begeistern. „Der Klang ist faszinierend“, bestätigt Dozent Anthony Nachbauer. Man könne hier alles loslassen. „Und es ist nichts falsch.“ Vor Jahren hat er das Naturinstrument kennen gelernt, und es hat ihn nicht mehr losgelassen. Heute baut er es selbst aus einheimischen Naturhölzern.

Spieltechnik Unterschiedliche Größen und Ausführungen hat er zum Tageskurs mitgebracht. Neben der Spieltechnik zeigt er auch, wie ein Didgeridoo gebaut wird. Das schöne sei, es müssten keine Noten gelernt werden, meint der Dozent aus Rottenburg. „Klangelemente entstehen allein durch die Zirkularatmung im Mundraum.“ Das Instrument werde ja auch in der Klangtherapie eingesetzt.

Die Teilnehmer setzen die mit Bienenwachs bezogene Mundöffnung an die Lippen. Sie atmen ein und lassen die Luft durch den Mundraum gleichmäßig in das Holzrohr strömen. Wieder erklingen dunkle und lang gezogene Töne, sie passen sich dem Rhythmus an und der Gesangsmelodie, die Nachbauer mit dem Rekorder einspielt. Klangbeispiele sollen zum eigenen Ausprobieren motivieren. Experte Nachbauer rät: „Konzentriert Euch auf den Rhythmus und denkt nicht so viel nach.“

„Wenn es an der Lippe kitzelt, dann ist es richtig“, weiß Noah. Der Siebenjährige ist mit Vater Ronald Gerstlauer aus Bad Rappenau zum Workshop nach Weinsberg gekommen. Das traditionelle Instrument der Aborigines haben sie durch einen Freund kennen gelernt. „Wir sind begeistert“, sagt der Vater. Noah will nun Tierstimmen mit dem Instrument nachahmen. Vor vielen Jahren hatte Gisela Wirschnitzke aus Heilbronn ein Didgeridoo ausprobiert. Doch das eigene Instrument stand lange zu Hause in der Ecke. „Als ich das Kursangebot gelesen habe, bin ich sofort gekommen“, teilt sie mit. Jetzt ist Wirschnitzke begeistert, was sie ohne musikalische Voraussetzung fertig bringt.

Nutzen Es habe auch einen gesundheitlichen Nutzen, meint ein Teilnehmer aus Nordheim. „Die Zirkularatmung trainiert das Gaumensegel, das hilft uns schnarchenden Männern“, meint er lächelnd. Erkenntnisse aus Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Stärkung der Mund- und Atemmuskulatur eine Schlafapnoe (nächtlicher kurzer Atemstillstand) bessern könne, ergänzt der Dozent.

Bei der Volkshochschule in Weinsberg sind zwei Drittel der Teilnehmer am Workshop männlich. Alle sind fasziniert von diesen Klängen und dem Kribbeln im Bauch. „Ich lasse es nicht mehr los“, meint dazu Michael Holler. Er übt sogar noch in der Pause.