Vom Lektor zum Verleger

Lehrensteinsfeld - Ben Boden sitzt mit seiner Frau Silke und Tochter Saskia auf der Terrasse ihres Hauses in Lehrensteinsfeld. Die Familie genießt gemeinsam die Sonnenstrahlen. Aus dem Kinderzimmer der kleinen Sarah dringen die Stimmen einer Hörspielkassette.

Von Julie Dutkowski

Vom Lektor zum Verleger
Ben Boden mit der ersten Ausgabe seines Magazins Travelling Fishermen. In seinem Arbeitszimmer tüftelt er an der neuen Ausgabe.Foto: Julie Dutkowski

Lehrensteinsfeld - Ben Boden sitzt mit seiner Frau Silke und Tochter Saskia auf der Terrasse ihres Hauses in Lehrensteinsfeld. Die Familie genießt gemeinsam die Sonnenstrahlen. Aus dem Kinderzimmer der kleinen Sarah dringen die Stimmen einer Hörspielkassette. Ein seltenes Bild. Seitdem Ben Boden noch ein Angel- und Reisemagazin herausgibt, ist die Freizeit des 40-Jährigen überschaubar. Travelling Fishermen (Reisende Angler) heißt das halbjährlich erscheinende Hochglanzmagazin, das Boden mit Karsten Bronk verlegt und von dem nun die zweite Ausgabe fertig ist.

Vollzeit

Dabei hat Boden bereits einen Vollzeitberuf. "Zwölf Stunden jeden Tag", erzählt er, ist er Lektor beim Kosmos-Verlag in Stuttgart − das Pendeln mit eingerechnet. Der Drang, sich selbst zu verwirklichen war ein Grund des Hobby-Anglers, sich selbstständig zu machen:"Ich wollte etwas eigenes aufbauen, ein Unternehmen steuern." So hat er den Bronk und Boden Outdoorpress Verlag mit seinem norddeutschen Freund Bronk gegründet.

Das Angeln betreibt Boden, seitdem er denken kann, mal mit Unterbrechung, doch seit einigen Jahren wieder intensiver. Wieder angefangen hat er wegen seiner Arbeit im Kosmos-Verlag. Zuständig für das Ressort Angeln und Jagd, kam schnell die Leidenschaft für sein nasses Hobby zurück.

Als Mann vom Fach wurde er bei Kosmos selbst Autor von Angelratgebern und einem Aquaristik-Buch. Auch eine Kurzgeschichtensammlung hat er veröffentlicht. "Ich wollte mal Belletristik-Schriftsteller werden", sagt er. Auslöser, mit dem Magazin zu starten, war ein Bildband seines Arbeitgebers über Angeln in exotischen Zielen. "Ich habe gemerkt, dass es einen Markt hierfür gibt."

Die erste Ausgabe hatte eine Auflage von 3000. "Davon sind nur noch 480 übrig", sagt Boden nicht ohne Stolz. Viel Zeit und Mühe habe es gekostet, das Magazin auf die Beine zu stellen. Ein Freund hilft ihm mit den Anzeigen und dem Heftverkauf, ein anderer kümmert sich um den Internetauftritt. Ein alter Schulkamerad hat das Logo "handgezeichnet", ebenso die Landkarten, die die Berichte anreichern. Die fertigen Hefte schickte er an Angelgerätehändler in ganz Deutschland.

Autoren

Die Autoren hat Boden bei seinen Angeltrips an Land gezogen. 200 Euro gibt es für Text und Fotos. "Mehr geht nicht." Das Autorenbudget beträgt 2500 Euro, das wurde mit der Bank so kalkuliert, erklärt Boden. Und es kommen viele Texte. Die Angler seien froh, über ihre Abenteuer berichten zu können.

Jetzt ist die zweite Ausgabe erschienen. Die Anzeigen haben sich verdoppelt. Die Auflage ist auf 3500 gestiegen, ein Teil wird in Bahnhofs- und Flughafenkiosks zu 12,95 Euro verkauft. "Schön wäre, wenn ich ein Zubrot damit verdienen kann", bleibt Boden bescheiden. Sein Arbeitgeber steht ihm nicht im Weg − er hat sogar Anzeigen im Heft geschaltet. Gibt es Konkurrenz? Eine Kombi aus Reisen und Angeln biete nur ein anderes Magazin. "Aber das ist nicht so hochwertig." Dann erzählt Boden vom Angeln in Ecuador, in den USA, in Ägypten. Sein größter Fang: ein 45 Kilogramm schwerer Piraiba, ein südamerikanischer Wels, gefangen in Ecuador.

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