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Ganz schön glatt
Von unserem Redakteur Kilian Krauth
Heilbronn - Als Sabine Schmidt in der Heilbronner Stimme liest, dass die Stadtverwaltung endlich die Eisflächen auf den Seen im Stadtgebiet frei gibt, ist der Tag gerettet. "Pack’ die Schlittschuh’ ein, wir fahren mit der Stadtbahn zum Pfühlpark", sagt die 31-Jährige und macht sich am Nachmittag nach eigenen Angaben "mit Sack und Pack" auf den Weg in den Heilbronner Osten. Offensichtlich hatte am Donnerstag nicht nur diese junge Mutter aufmerksam die Zeitung gelesen. Dutzende kleine und große Wintersportler tummeln sich am Nachmittag auf dem zugefrorenen See unterhalb der Schlizstraße. Viele Besucher hatten nicht erst die amtliche Freigabe der laut offizieller Messung 15 Zentimeter dicken Eisfläche abgewartet.
"Schon am Sonntag war der Parkplatz komplett belegt", berichtet Steffi Drautz. Die Heilbronnerin hat seit dem Monatswechsel beobachtet, "wie das Eis immer dicker wurde". "Am ersten Tag konnten wir vom Ufer her noch Schollen losklopfen, am zweiten war’s schon fester und am dritten war alles wie zugenagelt." Inzwischen spielt die sportliche Mutter mit ihrem Sohn Pascal sogar Eishockey. "Aber nur, weil mein Bruder Maurice Mittagsschule hat", wie der Siebenjährige, der, wie es scheint, alle Regeln aus dem Effeff beherrscht, durch seine Zahnlücke zu verstehen gibt.
Pirouetten Weil er nach einem Motorradunfall noch Metallschrauben im Bein hat, begibt sich Axel Müller derzeit sicherheitshalber nicht auf Kufen. Derweil dreht sein Kumpel Nico Geiger bereits die ersten Pirouetten. "Ich kann auch rückwärts laufen." Geiger scheint gut trainiert zu sein. Der 19-Jährige hat das Eislaufen am Heilbronner Europaplatz gelernt, ging später in Österreich in die Lehre und arbeitet derzeit im Steigenberger Hotel in Bad Wörishofen. Den Besuch in der alten Heimat hat er gerne zu einem Abstecher in den Pfühlpark genutzt. Anders als Nico Geiger begibt sich sein Kumpel Lucas Bolz nicht regelmäßig aufs Glatteis. Mühsam schnürt er sich an der Holzterrasse die ausgeliehenen Schlittschuhe. Mit wedelnden Armen und breitbeinig wagt er eine erste Runde. Nach knapp 20 Minuten klappt’s eigentlich ganz gut.
Erich Jassmann (71) steht seit dem siebten Lebensjahr regelmäßig auf Kufen. "Einst hatten wir sogenannte Hackenreißer mit Lederriemen vorne und hinten", erinnert er sich. Aber auch in stilechten Kunsteislaufschuhen macht er eine gute Figur. Angst hinzufallen hat der Rentner nicht. "Nur mit dem Schnee könnte es jetzt Probleme geben, da sieht man das Kleinholz nicht."
Kompliziert Weil der Nachmittagsunterricht ausfällt, biegen Paula Kiegst und Svenja Wahl spontan in den Pfühlpark ein. "Das erste Mal in diesem Jahr. Aber ich bin fast jede Woche in der Eisdisco", sagt Paula. "Hier ist es auch lustig", meint Svenja, die keine Probleme hat, das Gleichgewicht zu halten: schließlich ist sie Trampolinspringerin. Als plötzlich eine vierköpfige Schwanenfamilie kreuzt, wird es kompliziert. "Jeder fällt mal hin." Paula spricht aus Erfahrung.
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