Der Bäcker und Jäger ist dringend verdächtig (11.10.)

Von Franziska Feinäugle

Wer könnte am helllichten Tag blutverschmiert durch Siegelsbach gehen, ohne dass irgendjemand den geringsten Verdacht schöpft? Ein Jäger. Der in Siegelsbach gleichzeitig der Bäcker ist. Die Kripo hat den 46-Jährigen am Freitagabend festgenommen: unter dem dringenden Verdacht, der Sparkassen-Raubmörder zu sein.

Ein Dorf ist geschockt. Rudolf Landauer
In seiner Siegelsbacher Wohnung haben Beamte der Sonderkommission "Siegelsbach" den 46-jährigen Bäckermeister noch am Freitagabend festgenommen.

Vieles scheint darauf hinzudeuten, dass er es war, der am Donnerstagnachmittag die Sparkasse in Siegelsbach überfallen, ein Rentner-Ehepaar aus Hüffenhardt niedergeschossen und den 29-jährigen Bankangestellten zusammengeschlagen hat. Die 65-jährige Frau war, wie berichtet, tot im Kundenraum gefunden worden. Ihren 66-jährigen Ehemann trafen die Schüsse nicht tödlich; "es war der Bäcker", hatte der schwer verletzte Mann wie berichtet noch sagen können, bevor er das Bewusstsein verlor.

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Am frühen Freitagmorgen war bereits ein zunächst Tatverdächtiger festgenommen worden - ein Hüffenhardter Bäckerei-Mitarbeiter, wie die Gerüchteküche am Ort wissen wollte. Der Mann, von dem die Polizei nicht einmal das Alter preisgegeben hatte, wurde wie berichtet bereits am Freitagabend wieder freigelassen, da sich der Tatverdacht gegen ihn nicht erhärtet hatte. Bis Freitagabend hatte sich die Spurenlage jedoch offenbar so weit verdichtet, dass ein anderer festgenommen wurde: Polizei und Staatsanwaltschaft geben zwar nicht mehr bekannt, als dass der Mann 46 Jahre alt und ein Siegelsbacher ist.

Wer jedoch am Samstag in Siegelsbach in der betreffenden Bäckerei frische Brötchen kaufen wollte, brauchte bloß eins und eins zusammenzuzählen - die Kunden standen vor verschlossener Tür. So war im Ort schnell klar: Der Festgenommene muss der Bäckermeister von Siegelsbach sein. Dass er außerdem Jäger ist, weiß man in einem solchen 1700-Seelen-Ort, in dem jeder jeden kennt. Dieser Mann hätte theoretisch tatsächlich kurz nach 14 Uhr sogar blutverschmiert durchs Dorf gehen können, ohne irgendjemandem verdächtig vorzukommen.

Soweit bis Redaktionsschluss bekannt war, bestreitet er die Tat. "Im Zusammenhang mit der Festnahme sind umfangreiche Spuren und mehrere Zeugenaussagen hinsichtlich eines möglichen Alibis abzuklären", teilte die Polizei mit. Weitere Auskünfte wollten aus ermittlungstaktischen Gründen am Wochenende weder Staatsanwaltschaft noch Polizei geben. Am Samstagabend erließ der zuständige Haftrichter Haftbefehl gegen den 46-Jährigen: Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

 


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