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Polizei fasst sieben Kredithaie in Heilbronn
Von Helmut Buchholz
Polizei und Staatsanwaltschaft ging in Heilbronn ein dicker Fisch ins Netz. Sie verhafteten sieben mutmaßliche Anlagebetrüger, die mit Sofort-Kreditannoncen und dreisten Tricks bundesweit 17 000 Kunden um ihr Geld gebracht haben sollen.
Ihr erster Fehler: Sie haben Formulare blanko unterschrieben. Zweiter Fehler: Sie zahlten, statt auch nur einen einzigen Cent zu bekommen. Insgesamt 7500 Euro händigten sie den Kreditvermittlern aus - angeblich als Kaution und Bearbeitungsgebühr.
„In Wirklichkeit bestand nie die Absicht, einen Kredit zu gewähren“, sagt heute der Rechtsanwalt von Frau W., Ulrich Gass. Ganz im Gegenteil. Die Anlageberater, die „standesgemäß“ unter anderem mit Porsche und Mercedes vor ihrer Geschäftsadresse im Heilbronner Shoppinghaus parkten, forderten noch mehr Geld - und drohten Frau W. bei Nichtzahlung mit einer Strafanzeige. Denn statt des Darlehensvertrags hatten die unbedarften Heilbronner blanko eine Unternehmensbeteiligung gezeichnet. „Frech“, nennt das Anwalt Gass. Schließlich waren die „Kredithaie“ längst ins Visier der Fahnder geraten. Frau W. ist kein Einzelfall. Gass: „Die haben die Ärmsten der Armen betrogen. Die, die dringend Geld brauchten.“
Offiziell reden weder Staatsanwaltschaft noch Polizei über den Fall. Nach Informationen unserer Zeitung wurden aber sieben mutmaßliche Anlagebetrüger dem Haftrichter vorgeführt. Fünf sitzen in U-Haft, zwei sind wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler haben 454 Betrugsfälle zusammengetragen, die auch zur Anklage kommen sollen. Der Schaden: eine Million Euro. Bundesweit soll es 17 000 Betroffene geben. Offenbar ist die Taurus Finanz Gmbh nur ein Teil eines verzweigten Anlagebetrugsnetzes mit mehreren Firmen. Rechtsanwalt Gass: „Die Hintermänner sitzen im Ausland, die Kreditvermittler vor Ort sind nur vorgeschoben. “
Die Magnus GmbH&Co KG mit Sitz in Heilbronn, die zu dem Firmengeflecht gehören soll, ist mittlerweile pleite. Der Insolvenzverwalter, der Heilbronner Anwalt Karl-Heinz Branz, sagt: „Von den verhafteten Personen ist nichts mehr zu holen.“ Die Büroräume seien leer geräumt. Das Namensschild am Briefkasten ist abmontiert, die Internetseiten stehen nicht mehr im Netz und unter den Telefonnummern ist niemand mehr erreichbar. Weder Taurus noch Magnus haben je Buch geführt, erklärt Branz. „Ich schätze, dass auf den Konten noch 100 000 Euro verfügbar gemacht werden können.“
Tipps & Tricks
Schlechte Zeichen: Seriöse Finanzberater haben kein Problem damit, Kunden eine Bedenkzeit zu gewähren. Die Alarmglocken sollten spätestens dann anschlagen, wenn der Anlageanbieter aufs Tempo drückt. Niemals Blanko-Verträge oder Formulare unterzeichnen, raten Verbraucherschützer. Größte Vorsicht ist außerdem bei Kreditvermittlern geboten, die sofort Bares versprechen und keine Sicherheiten verlangen. Renditeversprechen, die weit über dem üblichen Marktniveau liegen, sind ein ernster Hinweis darauf, dass etwas faul ist.
Verbraucherzentrale: Die Verbraucherzentrale hat unter www.vz-bawue.de eine Checkliste „Grauer Kapitalmarkt” mit nützlichen Tipps. Dort gibt es auch den Ratgeber „Sparen und Geldanlage” für 9,80 Euro. (mut)
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