Bäcker Alfred B.: „Ich bin unschuldig“

Der Angeklagte hat das letzte Wort. Im Prozess um den Raubmord von Siegelsbach war das letzte Wort des angeklagten Siegelsbacher Dorfbäckers Alfred B. zugleich sein erstes, nachdem er ein Jahr lang geschwiegen hatte - Verteidigerin plädierte für Freispruch

Von Franziska Feinäugle

Der Angeklagte hat das letzte Wort. Im Prozess um den Raubmord von Siegelsbach war das letzte Wort des angeklagten Siegelsbacher Dorfbäckers Alfred B. zugleich sein erstes, nachdem er ein Jahr lang geschwiegen hatte. „Ich bin unschuldig“, sagte der 48-Jährige gestern. Seine Verteidigerin plädierte für Freispruch.

 
"Er kann den Überfall gar nicht begangen haben": Alfred B.s Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf hat gestern Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Foto: Rabea Sattar
Als Anke Stiefel-Bechdolf von der Schwurgerichtskammer fordert, „dass Sie meinen Mandanten freisprechen müssen“, geht ein spottendes Lachen durch den vollen Zuhörerraum des Gerichtssaals. In ihrem über zweistündigen Plädoyer führt die Verteidigerin aus, dass ihrer Ansicht nach „die so genannten erdrückenden Indizien gar keine sind“ und „Alfred B. den Überfall nicht begangen haben kann“.

Und zwar nicht etwa, weil er, der Jagdpächter, im Wald ein Reh aufgebrochen hätte, wie er es bei seiner polizeilichen Vernehmung noch angegeben hatte. Das Alibi, das Stiefel-Bechdolf vorrechnet, setzt sich aus Uhrzeiten rund um den Tatzeitpunkt zusammen und aus Stellen, an denen der Angeklagte zu den besagten Uhrzeiten von Zeugen gesehen worden ist. Stiefel-Bechdolf: „Nur wenn man unterstellt, dass alle diese Leute sich in der Zeit irren, kann er der Täter sein.“

"Der Angeklagte ist jemand, der erfahren lügt": Staatsanwalt Martin Renninger will Alfred B. zu lebenslanger Haft verurteilt wissen. Foto: Rabea Sattar
Augenzeuge und Opfer Hermann C., der bei dem Bankraub am 7. Oktober 2004 seine Frau verloren, einen Schuss in den Nacken überlebt und noch am Tatort den Namen des Siegelsbacher Bäckermeisters genannt hat, verfolgt den vorletzten Prozesstag gestern gemeinsam mit seinen beiden Töchtern. „Seine Aussage“, hört er die Verteidigerin sagen, „entwickelte sich von Selbstzweifeln zur festen Überzeugung.“ Bereits Jurastudenten „lernen, dass der Zeugenbeweis der denkbar unzuverlässigste ist“.

Woher das Geld kommt, das der verschuldete Bäcker teils auf seinem Grundstück versteckt, teils noch am Tattag bei der Siegelsbacher Volksbank eingezahlt hat und das alles in allem etwa die geraubte Summe ergibt? „Wir wissen nicht genau, woher dieses Geld stammt“, sagt die Verteidigerin. „Wir wissen aber auch nicht, ob es ein Teil der Beute ist.“ Seit wann, verteidigt sie das Schweigen ihres Mandanten, müsse ein Zeuge sagen: „Ich bin kein Mörder, aber ich bin ein Dieb“? Nach Wertung aller Beweise müsse Alfred B. - „im Zweifel für den Angeklagten“ - freigesprochen werden.

" Ich habe nichts zu sagen als: Ich bin unschuldig." Nach einem Jahr des Schweigens nutzte Alfred B. , dass er gestern das letzte Wort hatte. Foto: Harry Melchert
Nach Ansicht der Opferanwälte hingegen „besteht kein vernünftiger Zweifel mehr an der Täterschaft des Alfred B.“, führt Tobias Göbel, Anwalt der Familie C., aus. „Das Motiv ist ebenso banal wie brutal: Alfred B. brauchte dringend Geld, weil er seine Existenz und seine Jagd gefährdet sah. Die Zeugen wollte er endgültig zum Schweigen bringen.“ Die Tat spiegele wider, dass dem Täter „Töten und der Umgang mit Blut zur Gewohnheit geworden“ und „die Schwelle zum Gebrauch einer Waffe niedriger“ sei. Wie der Staatsanwalt forderten beide Opfervertreter lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld.

Für die Urteilsverkündung am Freitag, 21. April, um 10 Uhr hat das Gericht besondere Sicherheitsvorkehrungen angekündigt: Jeder, der in den Gerichtssaal will, muss sich nach Waffen durchsuchen lassen.

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