Wenn man sein eigener Stellvertreter ist

Von unseren Redakteurinnen Franziska Feinäugle und Ulrike Bauer-Dörr

Wenn man sein eigener Stellvertreter ist
Damit beim Trollinger-Marathon in Klingenberg alles reibungslos läuft, ist viel Arbeit des Ortskartells nötig. Sind in den Ortskartellen Vorstandsämter zu vergeben, greift in manchen Stadtteilen schon länger niemand mehr begeistert zu.Foto: Archiv/Veigel 

Heilbronn - Fritz Vogel ist sein eigener Stellvertreter. Und das nicht erst seit Neuestem, sondern inzwischen in der dritten Amtszeit. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung des Ortskartells Klingenberg hat sich wiederholt, was bereits bei den Vorstandswahlen 2010 und 2008 der Fall war: Fritz Vogel stellte sich als Vorsitzender zur Wiederwahl, aber niemand kandidierte für den Stellvertreterposten. Deshalb ist Vogel nun wieder für zwei Jahre sein eigener Stellvertreter.

Es mag übertrieben klingen, ist aber genau so gemeint, wie der 67-jährige Klingenberger es sagt: "Wenn man mal vorne dran ist, muss man eines Tages einen knallharten Schnitt machen − sonst ist man Vorsitzender bis ans Lebensende." Noch hat Fritz Vogel diesen Schnitt nicht gemacht, denn das Vorstandsteam des Klingenberger Vereinszusammenschlusses Ortskartell funktioniert sehr gut: "Das beflügelt mich, weiterzumachen."

Dennoch hat Vogel Bedenken, wenn er in die fernere Zukunft blickt und sich fragt, wer eines Tages seine Nachfolge antreten und die aufwendigen Vorbereitungen für den Trollinger-Marathon, fürs Felsengartenfest, für den Neujahrsempfang koordinieren soll. "Jeder sträubt sich", das hat er ja schon bei der vergeblichen Stellvertretersuche zur Genüge erfahren. Bedenkzeit erbeten sich die, die er fragt. "Und nach zwei Tagen kommt ein Anruf: Ich freue mich, dass du an mich gedacht hast, aber ich möchte nicht kandidieren."

Kein Vorsitzender Im Stadtteil Kirchhausen ist kürzlich eingetreten, was der langjährige Ortskartellvorsitzende Günther Winkler (53) befürchtet hatte. Niemand wollte an seine Stelle rücken. Schon vor zwei Jahren hatte er unmissverständlich angekündigt, dass dies seine letzte Amtszeit sein werde. "Sonst wird man dieses Amt nie mehr los." Jetzt, nach 14 Jahren, machte er ernst und kandidierte nicht mehr.

Doch trotz intensiver Suche wollte sich kein Kandidat finden. "Keine Zeit", winkten alle ab. Dieses Argument muss man akzeptieren, schließlich hat jeder Delegierte der 22 Vereine und Institutionen im Ortskartell schon genug zu tun.

"Es ist ja nicht nur die Vorbereitung des Schlossfests und des Rittertreffens", sagt Günther Winkler. Viele Abende im Jahr verbringt er zusätzlich bei den Ortskartell-Mitgliedern: bei deren Feiern, Konzerten, Veranstaltungen. Dazu kommt hinter den Kulissen noch jede Menge Arbeit, die keiner sieht und niemand registriert.

Davon, das Amt des ersten Vorsitzenden auf mehrere Schultern zu verteilen, hält er aus organisatorischen Gründen wenig: "Das fängt schon mit der Frage an, wer dann die Post bekommt." Auf die nun ohne ihn amtierende zweite Vorsitzende Christa Müller kommt jedenfalls viel Mehrarbeit zu.

Mit durchschnittlich acht bis zehn Stunden pro Woche beziffert Fritz Vogel seinen Zeitaufwand fürs Klingenberger Ortskartell. "Früher war es ein gewisser Wert, in einem Verein zu sein", sagt er. "Heute nehmen viele die Leistungen in Anspruch, treten ein und wieder aus." Im Extremfall, fürchtet er, könnten solche Führungsposten künftig häufiger vakant bleiben. Bis es, letzten Endes, "möglicherweise zur Auflösung kommt".




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