Warten auf den roten Mond

135 Neugierige verfolgen in der Sternwarte, wie sich der Trabant im Erdschatten verfärbt

Von Julian Gupta

Warten auf den roten Mond
Martin Schäffner, Geschäftsführer der Heilbronner Sternwarte, erklärt kleinen und großen Besuchern, was genau passiert, wenn sich das sonst so bleiche Mondgesicht im Schatten der Erde langsam rot färbt.

Foto: Rabea Sattar

Es ist 21 Uhr. Während die Blicke der meisten Anwohner in den Häusern um das Robert- Mayer-Gymnasium (RMG) auf den Fernseher gerichtet sind, schauen 50 Augenpaare auf dem Dach des RMG gebannt zum Himmel. Bis zwei Uhr früh verfolgen in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis zu 135 „Mondgucker“ auf der Sternwarte, wie der Trabant in den Schatten der Erde tritt.

„Ich bin zwar fast jeden zweiten Samstag hier“ erzählt der neunjährige Carlos, „aber so eine Mondfinsternis habe ich noch nie gesehen“. Zu dem Ereignis hat er seine gesamte Familie mitgebracht. Während sein kleiner Bruder Antony am Himmel nach Flugzeugen Ausschau hält, genießt die Oma den Ausflug mit der ganzen Familie.

Dass Wolken am Himmel zunächst den Mond verdecken, sieht sie gelassen. „Ich bin Optimist, das wird schon noch aufklaren.“ Martin Schäffler sieht und sagt es genauso. „Ich bin mir völlig sicher, dass wir den Mond pünktlich zur Finsternis zu Gesicht bekommen.“ Schäffner muss es wissen. Er ist schließlich Geschäftsführer der Heilbronner Sternwarte und somit ein ausgewiesener Experte in Sachen Astronomie.

„Eigentlich ist so eine Mondfinsternis ein seltenes Ereignis, aber man kann es eben immer auf einer ganzen Halbkugel betrachten“, weiß Schäffner. Eine Sonnenfinsternis komme zwar häufiger vor, sie sei aber immer nur in einer bestimmten Region zu beobachten, erklärt er den interessierten Besuchern.

Für Schäffner und seine Kollegen war die Mondfinsternis schon die ganze Woche über Gesprächsthema Nummer eins. Jetzt erklären die Vereinsmitglieder den Neugierigen, die sich um vier Fernrohre scharen, den Unterschied zwischen den verschiedenen Teleskopen. Als die Mondfinsternis um 0.30 Uhr richtig zu sehen ist, sind solche Details Nebensache. Viel wichtiger ist die klare Sicht auf den roten Mond.

Gegen zwei Uhr wird es auf dem RMG immer ruhiger. Die meisten sind zwar müde, aber dennoch hoch zufrieden. In aller Ruhe genießt ein harter Kern die sternenklare Nacht über Heilbronn. Langsam zeigt der Mond wieder sein bleiches Gesicht. Die Hobby-Astronomen strahlen.