Von Burgund nach Böckingen

Heilbronn - Beate und Dominique Champroux führen Traditionslokal Rebstock mit provençalischer Küche

Von Joachim Friedl

Von Burgund nach Böckingen
Beate und Dominique Champroux sind stolz auf ihr kleines Lokal Rebstock, in dem Erd- und Brauntöne dominieren.Foto: Brian Bailey

Heilbronn - Aromatische Kräuter, Gemüsepaprika, Auberginen und die großzügige Verwendung von Knoblauch und Olivenöl − ein Hauch von Provence weht durch das 60 Jahre alte Restaurant Rebstock in Böckingen. "La petite Provence", so der anmutig klingende Untertitel des Lokals, begrüßt am Samstag ab 19 Uhr offiziell seine Gäste mit der Vorliebe für die Haute Cuisine.

Genießer

Verkörpert wird dieses Lebensgefühl von Beate und Dominique Champroux. Die "Gastgeber aus Leidenschaft", wie sie sich beschreiben, haben in der Böckinger Traditionsgaststätte an der Eppinger Straße 43 ihren Traum von einem kleinen Lokal mit Geheimtippcharakter wahr werden lassen: anspruchsvolle marktfrische Küche aus der Provence. Ob bei Entenbrust mit Thymianhonig und Rahmpolenta oder Lammrücken in Olivenöl mit Tomatenkonfitüre und Auberginenkaviar − die Atmosphäre im "Rebstock" ist nicht hochgestochen, sondern locker und familiär. Das gilt für das in provençalischem Stil gehalten Lokal (25 Plätze) ebenso wie für die urige Terrasse (18 Plätze) mit dem Himmel aus Reben.

Dass Feinschmecker das Besondere erwartet, dafür steht Dominique Champroux. Der 41 Jahre alte Burgunder − geboren in Nevers − arbeitet seit 27 Jahren in der Gastronomie. Nach der Ausbildung stand er in London am Herd des "Frederick"s", eines "der besten französischen Lokale der Stadt", wie er sagt. Auch in Südfrankreich, in der Nähe von Béziers, verwöhnte er in einem Drei-Sterne-Hotel Genießer. 2009 stufte der Restaurantführer Gault Millau seine Küche von 15 auf 17 Punkte hoch: höchste Kreativität und Qualität, bestmögliche Zubereitung. Dass er nicht blieb, hat einen Grund: die Selbstständigkeit.

Gefunden

Der Wunsch, in der Provence ein Restaurant zu eröffnen, erfüllte sich jedoch nicht: "Es war unbezahlbar", sagt das Mitglied im Eurotoques, eine Vereinigung von Spitzenköchen, die das Ziel haben, die kulinarischen Traditionen Europas zu erhalten. Durch eine Anzeige wurden Beate und Dominique Champroux auf das "Rebstöckle" und Verpächterin Susanne Carle aufmerksam. "Es war Liebe auf den ersten Blick", gesteht Beate Champroux (47), eine gebürtige Offenburgerin. Und Susanne Carle strahlt überglücklich: "Ich bin froh, dieses Paar gefunden zu haben, um das Niveau in unserem kleinen Lokal zu halten."

Als Mitglied im Club Auguste Escoffier lässt Dominique Champroux im sanierten "Rebstock" den Glanz jenes Kochs (1846 bis 1935) weiterleben, der die französische Küche über Jahrzehnte stark beeinflusst hat. Und so findet der Gast auf originellen Karten aus Schiefer Genüsse aus regionalem Anbau. Die Preise liegen zwischen 8 und 14 Euro für Vorspeisen, 17 bis 20 Euro für Hauptgerichte und 6 bis 8 Euro für Desserts. Mittags ist alles preiswerter, aber auch einfacher. Kostenlos sind selbstgebackenes Brot und Wasser, das vor jedem Gericht gereicht wird. Die Weine stammen aus der Provence und vom Heilbronner Weingut Schäfer-Heinrich.

Gegessen werden kann im "Rebstock" von 12 bis 14 Uhr und ab 18.30 Uhr. Geschlossen ist am Montag, am Samstagmittag und am Sonntag ab 15 Uhr.