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Viele machen nach, was Heilbronn vormacht
Heilbronn - Bundesweite Anerkennung für die 113 Heilbronner Elternmultiplikatorinnen und -multiplikatoren: Das Integrationsprojekt, das hier seit 2009 läuft, ist jetzt vom Bündnis für Demokratie und Toleranz als vorbildlich eingestuft worden. In anderen Städten schaut man sich ab, was in Heilbronn erfunden wurde: Das macht stolz, und es macht Mut, weitere gute Ideen zu verwirklichen, sagt die Integrationsbeauftragte Roswitha Keicher im Gespräch mit unserer Redakteurin Franziska Feinäugle.
Herzlichen Glückwunsch! Wie haben die 113 Multiplikatoren die Nachricht aufgenommen?
Roswitha Keicher: Mit einer Riesenfreude über diesen schönen Erfolg. Der Stolz spielt eine ganz wichtige Rolle: Alle identifizieren sich mit diesem Projekt. Aus ihrer ursprünglichen Aufgabe, als kulturelle Mittler zwischen Eltern und Lehrern oder Eltern und Erzieherinnen zu übersetzen und Brücken zu schlagen, haben sich inzwischen schon weitere Konzepte entwickelt: Es gibt Eltern-Lehrer-Tandems, und es gibt Mittler, die die Eltern und Kinder bei Bedarf zu Beratungsstellen begleiten und auf beiden Seiten Ängste und Vorbehalte abbauen.
Heilbronn ist mittlerweile Vorbild für viele andere Städte geworden.
Keicher: Das freut uns natürlich besonders. Bei Treffen mit Engagierten aus anderen Städten merken die Mittlerinnen und Mittler, wie weit Heilbronn schon ist, und registrieren erstaunt: "Denen sind wir ja ganz schön voraus!"
Wo hat das Heilbronner Beispiel schon überall Nachahmer gefunden?
Keicher: In Tübingen läuft das Projekt jetzt, in Weinsberg und Neckarsulm. Villingen-Schwenningen möchte einsteigen, Schwäbisch Gmünd, Ulm und Esslingen sind ebenfalls an der Sache dran. Durch die Auszeichnung wird die Idee der Elternmultiplikatoren noch bekannter, das schenkt uns die Chance, dass auch andere aufspringen. Die Unterlagen sind ja ausgearbeitet und stehen zur Verfügung, da gibt es kein Copyright drauf.
Wer sind die 113 Multiplikatoren?
Keicher: Sehr viele Frauen, kaum Männer, was allerdings auch an der zur Verfügung stehenden Zeit liegt. Es sind viele Türkischsprechende und Russischsprechende dabei, aber auch Mittler mit albanischen, polnischen, afrikanischen, griechischen, italienischen, kroatischen, bulgarischen, indischen, chinesischen oder vietnamesischen Wurzeln. Französisch und Englisch werden zum Teil durch Mehrsprachler abgedeckt. Das Team ist so vielfältig wie die Heilbronner Bevölkerung.
Wie finden Sie in Heilbronn jemanden, der einen bestimmten chinesischen Dialekt spricht?
Keicher: Das ist ja das Schöne: Unsere 113 Engagierten kennen unglaublich viele Leute. Eine Mittlerin hat ihre Nachbarin mitgebracht, die aus dem arabischsprachigen Raum kommt und jetzt auch Mittlerin ist. Kürzlich hatten wir ein Elterngespräch mit zwei Dolmetscherinnen: weil die eine zwar den benötigten chinesischen Dialekt konnte, aber selbst nicht Multiplikatorin war.
Wie wirken sich die Multiplikatoren aufs Heilbronner Leben aus?
Keicher: Immer wieder ergeben sich aus den Einsätzen heraus weitere Ideen. Der Kindergarten in der Ludwigsburger Straße hat zum Beispiel einen multikulturellen Nachmittag gemacht, zu dem auch Eltern gekommen sind, die sonst eher wenig erreicht werden. Die Mittler haben alles in fünf verschiedene Sprachen übersetzt − Albanisch, Kurdisch, Türkisch, Polnisch und Französisch − und alle miteinander haben das Lied "Bruder Jakob" in den fünf Sprachen gesungen. Jeder hat spüren können: Ich gehöre dazu.
Was wollen Sie mit den 2000 Euro Preisgeld machen?
Keicher: Eine gemeinsame Veranstaltung als Dankeschön für die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Und natürlich: weitere Einsätze finanzieren. Offiziell läuft das Projekt Mitte 2012 aus. Das Geld kann helfen, es länger zu strecken.
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