Lektion mit Leckerlis

Heilbronn - Hundeerziehungsberater Holger Schüler amüsiert 400 Tierfreunde

Von Andreas Sommer

Lektion mit Leckerlis
Eine innigere Kommunikation zwischen Mensch und Tier wie sie Holger Schüler und seine Hündin Siska demonstrierten, gibt es nicht.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Ist das nicht das Frauchen von Charlie, dem Golden Retriever, den wir immer in den Weinbergen treffen? Und der Schwarzhaarigen da hinten und ihrem Münster-länder sind wir auch schön öfter beim Gassigehen begegnet. Man kennt die Namen fremder Hunde, von ihren Besitzern aber oft nur die Gesichter. 400 Tierfreunde sind am Donnerstag in die Harmonie gekommen, um sich vom Hundeerziehungsberater Holger Schüler wertvolle Tipps zu holen, wie aus Hund und Mensch ein Team aus sechs Pfoten werden kann.

Der Mensch ist schuld

"Er will nur spielen" prangt in grüner Schrift auf dem schwarzen T-Shirt des 40-Jährigen, der bei seinen Hausbesuchen hautnah mitbekommt, was zwischen Mensch und Hund alles schieflaufen kann. Der eine Vierbeiner gräbt Löcher in den Garten, der andere kübelt den Rücksitz voll, wieder andere hauen ab, klauen vom Tisch oder machen sich im Bett und auf dem Sofa breit.

Und wir lernen: Ein Problem, das seit drei Jahren besteht, ist nicht binnen drei Wochen zu lösen. Geduld ist oberste Hundebesitzerpflicht neben strikter Konsequenz. Und eins ist für Schüler sowieso klar: "Der Mensch ist an den Problemen schuld, nicht der Hund".

Assistiert von seinem siebenjährigen Chesapeake Bay Retriever Falk und der vierjährigen Berner Sennenhündin Siska, plaudert Schüler mit beachtlichem schauspielerischem und komödiantischem Potenzial in seinem weichen Wormser Dialekt aus dem Nähkästchen.

Jogger will nicht spielen

Die Vorstellung, wie eine junge Frau ihrem Dogge-Mastino-Mischling Befehle zusäuselt, die dieser glatt ignoriert, ihren Gatten aber barsch herumkommandiert, löst im Saal befreiendes Lachen aus. Schüler arbeitet mit Bildern, die jeder kennt: ein an der Leine zerrender Hund, dessen Besitzer die Situation mit einem "Der will nur spielen" entschärfen will. "Das heißt aber nicht", sagt der kinnbärtige Hundeversteher, "dass der Jogger auch spielen will".

Und er gibt Tipps: Hunde, die beim Klingeln an die Tür rennen, als sei der Besuch für sie, sollte man anleinen und erst dann öffnen. Und wenn der Gast das Tier nach Absprache ignoriert, weiß es nach zwei Wochen: "Kein Besuch für mich."

Eine Leckerli-Lektion nach dem Jagdspiel ("Toter Hase") oder nach Siskas Tanzschritten lockern den im zweiten Teil etwas zu langen Abend auf. Aber bierernst ist das alles gottlob nicht. "Und wenn ihr Hund jagt", meint Schüler verschmitzt, "sagen sie ihm, er soll das Reh mitbringen. Dann haben beide was davon."