Kurioser Konflikt am Köpferbrunnen

Von Helmut Buchholz

Kurioser Konflikt am Köpferbrunnen
Wo sich schon immer Heilbronner niederließen, sollen künftig keine Sitzgelegenheiten mehr sein: Im Köpferbrunnen-Pavillon fehlt etwas.Foto: Dittmar Dirks 

Heilbronn - Wer in heißen Sommertagen ins Köpfertal flüchtet, um sich am Brunnen etwas abzukühlen, reibt sich verwundert die Augen. Denn was Heilbronner schon immer getan haben, ist nicht mehr möglich: sich hinzusetzen. Justament dort, wo einst Holzbänke am Pavillon zu einer Rast einluden, stehen nur noch die steinernen Füße dieser Sitzgelegenheiten. Mit Absicht, denn Naturschützer wollen nicht, dass das Kleinod im Stadtwald wieder Schauplatz wilder Partys und der Zerstörungswut ihrer betrunkenen Gäste wird.

Grünflächenamtsleiter Hans-Peter Barz teilt diese Bedenken nicht. Zumal jetzt nach der Teilsanierung der Köpferbrunnenanlage, die Stadtverwaltung, Verkehrsverein und Bürgerstiftung initiiert und finanziert haben, der Pavillon ohne Bänke unfertig aussieht. Barz: "Wenn wir den historischen Pavillon mit viel Geld wiederherstellen, dann bitte in Gänze." Die Bänke seien schon immer dagewesen, bis sie von Fetenbesuchern im Pavillon verfeuert wurden. Das Risiko, dass sich dies wiederholt, ist gering, glaubt Barz. "Die Köpferbrunnenanlage ist nicht mehr mit dem Auto erreichbar, Getränke können nicht hingekarrt werden."

Nicht zu Fuß

Ähnlich sieht es auch Karl Seiter. "Wer auf Vandalismus aus ist, kommt nicht zu Fuß", sagt der Vorsitzende des Verkehrsvereins. Auch wenn er "ein Stück weit" Verständnis für die Haltung der Naturschützer habe. "Aber wir brauchen Sitzgelegenheiten für Ältere."

Hans Wendel hat nichts gegen Bänke im Köpfertal. "Aber nicht im Pavillon", sperrt sich der in diesen Tagen pensionierte ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte gegen die Montage. "Schließlich befinden wir uns in einem Naturschutzgebiet." Er spreche aus 30 Jahren Erfahrung, auch als Förster im Stadtwald. "Wenn wir die Bänke wieder aufstellen, ziehen wir Leute an, die wir mühsam aus dem Köpfertal herausbekommen haben." Er könne sich an den "Fetenschauplatz" in den 70er und 80er Jahren erinnern und habe selbst Partys mit mehreren hundert Gästen aufgelöst. "Die haben da draußen auch übernachtet."

Nicht zu bremsen

So etwas will Wendel nicht mehr erleben, darum ist er strikt gegen die Installation der Bänke. Gleichwohl ist ihm klar, dass die Heilbronner schon immer hier im Köpfer nach Ruhe und Erholung suchten. Die romantische Anlage lade geradezu dazu ein. Darum sagte er: "Wir können die Bänke für Wanderer im Tal aufstellen, aber macht den Pavillon nicht mehr so attraktiv, sonst können wir die Entwicklung nicht mehr bremsen." Zumal kaum noch Polizei oder städtischer Ordnungsdienst vor Ort erschienen, um nach dem Rechten zu sehen. Teilweise aus Personalmangel, sagt Wendel.

Tatsache ist: So lange Wendel, beziehungsweise das Regierungspräsidium (RP) als Naturschutzbehörde nicht ihre Einstimmung geben, bleibt der Pavillon ohne Sitzgelegenheit. Das letzte Wort scheint hierzu aber noch nicht gesprochen zu sein. RP-Sprecher David Bösinger: "Wir sollten darüber auf Fachebene Gespräche führen."

 



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