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Kaninchenfleisch aus Horkheim
Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle
Heilbronn - Fleisch wächst nicht auf Bäumen. Sonst könnte man es verzehren, ohne dass dabei einem Lebewesen etwas zuleide getan wird. Feststellungen wie diese drängen sich auf angesichts des Dilemmas, dass fast alle Fleisch essen wollen, ihnen aber die Art, wie das Fleisch entsteht, oft nicht recht ist.
"Die Leute wissen nicht mehr, wie Landwirtschaft läuft", bedauert Thomas Wertsch. "Drogendealer" nannten den Horkheimer Landwirt manche, als er noch Tabak anbaute, "Giftspritzer", wenn er auf die Felder fährt, "und wenn du Tiere züchtest, bist du Tierquäler". Was es bedeutet, Nahrung zu produzieren, und in welchen Dimensionen da gedacht werden muss: Dafür hat Wertsch einen brillanten Vergleich.
29 Tage ohne
Er rechnet es den Dutzenden Anwesenden vor, als am Freitagnachmittag die gigantische neue Kaninchenzuchtanlage östlich von Horkheim der Öffentlichkeit vorgestellt wird: 900 Muttertiere werden in den nächsten Tagen geliefert, sechs, sieben Junge bekommt jede pro Wurf, drei Monate später sind die Jungen schlachtreif. Und trotzdem: "Was wir hier machen", ordnet der 49-Jährige ein, "reicht für jeden der 4000 Horkheimer einmal im Monat für ein Stück Fleisch. Für die anderen 29 Tage nicht."
Die Stadt Heilbronn, so Wertsch, könnte ihre Einwohner vielleicht mit Wein versorgen − "mit Eiern, Milch, Fleisch sieht es schlecht aus". Deshalb freut sich auch Susanne Gold, Leiterin des Landwirtschaftsamts, über das Projekt, mit dem die Wertschs nach Ende des Tabakanbaus ihren Lebensunterhalt sichern wollen.
"Zum Schlachthof ist es nur eine halbe Stunde", sagt Gold, "das bedeutet kurze Transportwege." Eine "echte Alternative" sei das für die Verbraucher. Deshalb wünscht sie den Wertschs auch im Namen ihres Amtes "gute Kundschaft, die Ihre tiergerechte Haltung honoriert".
Die Jungtiere werden in den Mastkammern in Gruppen gehalten: Immer 40 Kaninchen teilen sich eine Gitterbox, die ihnen dank eingebauter zweiter Ebenen Raum zum Ausweichen, Spielen, Laufen gewährt.
Futterzufuhr und Misten laufen automatisch, der Mensch muss nur noch den Knopf drücken.
Die Kontrollgänge, die seine Frau Rehla und er durch die Anlage machen werden, summieren sich jedes Mal auf 960 Meter, hat Thomas Wertsch berechnet. "Eine Gruppenhaltung dieser Art ist bisher einzigartig", hebt Dr. Kurt Mezger hervor, der beim Regierungspräsidium Landwirtschaft und Lebensmittelwesen betreut. Das bedeute, "dass der Mehrwert, der in dieser Haltung steckt, bezahlt werden muss".
Auf zwei bis 2,50 Euro pro Kilo beziffert Manfred Bauer den Preisunterschied zwischen quer durch Europa kutschiertem Fleisch und diesem. Als Inhaber der in Neuenstein ansässigen Kaninchen-Spezialitäten GmbH ist er Abnehmer des Horkheimer Kaninchenfleischs. "Früher war man froh, wenn man wusste, wo es herkommt", sagt Bauer: "Da müssen wir wieder hinkommen."
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