Käthchenkleid samt Amt zu vergeben

Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle

Käthchenkleid samt Amt zu vergeben

Heilbronn - Es handelt sich nicht um höhere Mathematik, sondern um eine eher simple Rechnung: Wenn am 21. April in der Heilbronner Harmonie drei neue Käthchen als Repräsentantinnen der Stadt gewählt werden sollen, dann müssten, damit die Jury überhaupt eine Wahl hat, mindestens vier Interessentinnen kandidieren.

Man könnte auch sagen: Der aktuelle Andrang der Kandidatinnen müsste sich vervierfachen. Denn heute, exakt eine Woche vor Bewerbungsschluss, liegt dem Heilbronner Käthchenbeauftragten Bernhard Winkler eine einzige Bewerbung vor. Und auch die erst seit etwas mehr als 24 Stunden. Gestern Morgen um 8.55 Uhr meldete Winkler der Heilbronner Stimme "die erste schriftliche Bewerbung aus Heilbronn, die uneingeschränkt in Ordnung ist".

Falscher Wohnort Zwei andere Kandidatinnen musste der Heilbronn-Marketing-Geschäftsführer aussortieren, schon bevor am 17. Februar die Bewerbungsfrist endet: Die eine junge Frau, die gern Käthchen geworden wäre, wohnt zwar in Heilbronn, plant aber während der potenziellen zweijährigen Käthchenamtszeit einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt; die andere wiederum wäre zwar die ganzen zwei Jahre in der Gegend, ist aber leider keine Heilbronnerin, sondern Einwohnerin des Landkreises.

Womit sie eine entscheidende Bewerbungsvoraussetzung nicht erfüllt. Zur Erinnerung: Wer Käthchen von Heilbronn werden will, muss seinen Wohnsitz in der Stadt haben, zwischen 17 und 23 Jahre alt sein und "stolz darauf, dieses Kleid zu tragen": So formuliert es die Heilbronn Marketing GmbH (HMG) in ihrem jüngsten Aufruf an mögliche Kandidatinnen.

Der Ton wird dringlicher. So betont der Bewerbungsaufruf nicht nur, dass man als Käthchen "lernt, auf die Menschen zuzugehen und auch vor einer größeren Menschenmenge ohne Scheu zu reden". Sondern es bleibt auch nicht unerwähnt, dass solcherlei Erfahrungen "vieles in der beruflichen Zukunft vereinfachen".

Apropos berufliche Zukunft. Bernhard Winkler kann sich durchaus vorstellen, "dass einige Interessentinnen vielleicht zögern, weil die schulische Belastung zunimmt". Auch die Ganztagsschule, weiß der HMG-Chef, "ist für viele ein Grund, gründlich über eine solche Entscheidung nachzudenken".

Echte Wahl Trotzdem ist Winkler zuversichtlich, dass die Jury am 21. April eine echte Wahl haben wird. Die Bewerbungen seien "immer relativ spät eingegangen", er gehe "davon aus, dass die Interessentinnen sich am Wochenende hinsetzen und ihre Unterlagen fertigmachen". An den vergangenen Wahlabenden waren die Juroren mit neun bis elf Bewerberinnen "richtig verwöhnt".

Von den Unterlagen der bisher einzigen Interessentin ist der Käthchenbeauftragte übrigens ganz angetan: Ein "tolles Bild, vom Fotografen spitze gemacht", habe die 18-Jährige eingereicht. Sie wohnt in Böckingen, arbeitet in einer Zahnarztpraxis, mag Tischtennis, Schwimmen und Zeichnen − und wollte schon als kleines Kind Käthchen sein.

Alle, denen es ähnlich geht, können sich noch bis 17. Februar bewerben bei winkler@heilbronn-marketing.de.

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