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Industrie lechzt nach Hochschulabsolventen
Von Gertrud Schubert
Heilbronn - Die Industrie lechzt nach Hochschulabsolventen. 1000 Ingenieure und Naturwissenschaftler braucht die Region Heilbronn-Franken bald jährlich, um allein die Lücken zu schließen, wenn ganze Generationen erfahrener Techniker in den Ruhestand gehen.
Doch woher soll der Nachwuchs kommen? Die Klage über "viel zu wenig Studienplätze" wird vom Ruf nach "mehr Abiturienten, wir brauchen mehr Abiturienten" begleitet. Er wird noch lauter werden, wenn die Schülerzahl in den kommenden Jahren generell sinkt.
Nicht zuletzt deshalb fordert Wissenschaftsminister Peter Frankenberg von der Hochschule Heilbronn, die Abbrecherquote konsequent zu senken: "Die Arbeitsplätze werden mit Absolventen besetzt und nicht mit Erstsemestern." Analog dazu muss schon für Gymnasien die Devise gelten: "Alle kommen ans Ziel. Fördern statt sieben." Das vernichtende Urteil: "Du bist in der falschen Schule" muss ein für alle Mal der Vergangenheit angehören.
Stagnation
Die Zahl der Abiturienten stagniert schon jetzt zwischen 1500 und 1600 in Stadt und Landkreis Heilbronn, Tendenz fallend. Ohne den Ausbau der beruflichen Gymnasien wäre sie rückläufig - 2007 legten dort 361 junge Leute die Reifeprüfung ab, 2009 waren es 420.
Als hätte die Landesregierung eine Weisung erteilt, schnellte in den letzten 20 Jahren die Übergangsquote ins Gymnasium nach oben - von 33,1 auf 37 Prozent in der Stadt, von 29,8 auf 36,3 Prozent im Landkreis Heilbronn. Einem Vergleich mit Heidelberg (58,2 Prozent Gymnasiasten) oder Freiburg (54,1 Prozent) kann die Region dennoch nicht standhalten. Das liegt an der akademischen Bevölkerungsstruktur der Universitätsstädte.
In Heilbronn haben dagegen 45 Prozent der Bevölkerung eine Zuwanderergeschichte, viele Kinder und ihre Eltern tun sich mit der deutschen Sprache und dem deutschen Schulsystem schwer. Wiederholt hat die Pisa-Studie nachgewiesen, dass gerade Kinder aus sozial schwachen Familien oder sogenannten bildungsfernen Schichten schlechtere Chancen haben, ins Gymnasium aufzusteigen.
Heilbronn arbeitet daran, diese Situation zu verändern: Die Bürgerstiftung finanziert Sprachförderung im Kindergarten und Lesepaten, es gibt mehr und individuellere Förderung in der Grundschule. Der Turkish Round Table hilft ausgewählten Drittklässler beim Sprung aufs Gymnasium. Das alles mag die Gymnasialquote festigen. Ob sie sich weiter nach oben treiben lässt, wird sich zeigen. Die Quote allein freilich kann es nicht richten. Es kommt auch darauf an, dass die Kinder bis zum Abitur durchhalten und nicht nach unten fallen gelassen werden.
Unten durch
In Klassenstärke empfahl jedes Heilbronner Gymnasium letztes Jahr Schülern den Wechsel in die Realschule. Wer in Abizeitungen blättert, stößt auf endlose Listen von Schülern, die unterwegs verloren gingen. Es ist offenes Geheimnis, dass zwischen 30 und 50 Prozent das Abitur nicht ohne Umweg erreichen. Wer kennt eine Firma mit solch negativer Erfolgsbilanz?
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