Des Stadtteils scharfe Seite

Region Heilbronn - Auf neue Kulturen trifft man am Pfützäckerweg 17. Vor zwei Jahren haben Uwe Müller, seine Frau Waltraud und die beiden Söhne Stefan und Michael einen Hof übernommen und verwandeln das rund ein Hektar große Land in einen bunten Garten der Vielfalt.

Auch Schweine freuen sich über Sonnenschein

Region Heilbronn - Auf neue Kulturen trifft man am Pfützäckerweg 17. Vor zwei Jahren haben Uwe Müller, seine Frau Waltraud und die beiden Söhne Stefan und Michael einen Hof übernommen und verwandeln das rund ein Hektar große Land in einen bunten Garten der Vielfalt.

Von manchem alteingesessen Horkheimer Landwirt belächelt, haben die Müllers eine exotische Nische für sich entdeckt: den Anbau von Chili. "Ich bin schon lange ein Chili-Fan und esse gerne scharf", berichtet Stefan Müller, der wie sein Vater hauptberuflich im familieneigenen Immobilienbüro tätig ist. In ihrem früheren Hausgarten in Lauffen hat der 30-Jährige bereits mit Chili-Pflanzen experimentiert und gesehen: Es funktioniert.

Scoville
 
Im Vorjahr waren es nur halb so viele, in dieser Saison hat Müller 1800 Pflanzen in 60 verschiedenen Sorten angebaut. Sie heißen Elephant"s Trunk, Yellow Cayenne, Habanero Red. Sie sind lang und dünn, oder dick und rund. Es gibt sie in Rot, Orange, Braun oder Gelb. Und vor allem − in unterschiedlicher Schärfe. Mittendrin wächst Bhut Jolokia aus Indien. "Sie gilt mit einer Million Scoville als schärfste Chili der Welt", sagt Müller. Echte Fans kennen sich aus, Scoville ist die Messskala für Schärfe. Zum Vergleich: Tabasco liegt nur bei 5000.

"Ich denke, dass wir mittlerweile der größte Chilianbieter in der Region sind", meint Uwe Müller. "Großbauer will ich aber nicht werden", schmunzelt der Senior. Die ganze Familie ist eingespannt, wenn es darum geht, die Chilis zu trocknen, zu Flocken und Pulver zu mahlen oder in Öl einzulegen. Der Vertrieb läuft entweder direkt ab Hof, beim Markt im Botanischen Obstgarten oder beim Bauernmarkt in Unterheinriet. Am 18. September laden sie zur Gläsernen Produktion auf ihren Natur- und Kräuterhof.

Umzug
 
Uwe Müller hat sich mit dem Umzug auf einen Aussiedlerhof einen Traum verwirklicht. Eine ganze Weile hatte er nach einem geeigneten Standort gesucht. Bei vielen Aussiedlerhöfen aus den 60er Jahren ist die Situation vergleichbar: Die Gründergeneration ist betagt, Betriebsnachfolger gibt es nicht, die Anwesen stehen leer. Die neuen Besitzer des Horkheimer Hofs haben viele Stunden Arbeit investiert, um ihren Besitz auf Vordermann zu bringen: Eine 2000 Quadratmeter große Streuobstwiese mit alten Sorten ist entstanden. Hinter dem Haus wachsen Beeren, Spargel, Kürbisse. Auch darüber mögen manche Landwirte lächeln: Unkrautvernichter und Kunstdünger sucht man auf dem Hof der Müllers vergebens.

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Uwe Müller freut sich über die ersten Kürbisse.Fotos: Bärbel Kistner
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Lang, dünn, scharf: Die exotischen Pflanzen mögen es warm und feucht.
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Stefan Müller ist Chili-Fan und experimentiert seit Jahren mit dem Anbau.