Betreut wohnen nach der Haft

Heilbronn - Ein Haus, in dem Frauen wohnen werden, die gerade aus dem Gefängnis entlassen worden sind und keine andere Bleibe haben? Da winkten alle Heilbronner Makler und Vermieter ab.

Von unserer Redakteurin Ulrike Bauer-Dörr

Betreut wohnen nach der Haft
Drogen und Alkohol sind in den Zimmern strikt verboten. Mitarbeiterin Nicole Winkler schaut nach − in Schubladen und auch unter der Matratze.Fotos: Guido Sawatzki

Heilbronn - Ein Haus, in dem Frauen wohnen werden, die gerade aus dem Gefängnis entlassen worden sind und keine andere Bleibe haben? Da winkten alle Heilbronner Makler und Vermieter ab. Irgendwann war dem Vorstand der Sozialberatung klar: "Wir müssen selber ein Haus kaufen."

In einem seit zwei Jahren leer stehenden Gebäude in der Heilbronner Cäcilienstraße 33 wurde man fündig. Doch auch hier mussten erst einmal die Ängste der Nachbarn ausgeräumt werden. "Unser Hausmeister wohnt mit drin, die Wohngemeinschaft wird von uns betreut, im kommenden Jahr kommt ins Erdgeschoss noch unsere Beratungsstelle rein", argumentierte Bettina Leiß, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Heilbronner Vereins, der früher einmal "Straffälligenhilfe" hieß.

Höchstens ein Jahr

Im März sind die ersten drei Frauen eingezogen. Alle vier saßen wegen verschiedener Vergehen im Schwäbisch Gmünder Frauengefängnis ein. Eine vierte kommt im Juni. Jede hat ein eigenes Zimmer, es gibt eine Gemeinschaftsküche mit abschließbaren Kühlschrankfächern und einen Aufenthaltsraum. Zwei weitere Frauen, deren Entlassung absehbar ist, können in einem der Zimmer, das dann zum Doppelzimmer wird, ihren Hafturlaub verbringen. "Häuslich einrichten soll sich keine", betont die psychologische Mitarbeiterin Nicole Winkler. Nach einem Jahr spätestens soll jede wieder auf eigenen Beinen stehen, eine Wohnung und einen Job gefunden und die Rückzahlung ihrer meist üppig vorhandenen Schulden auf den Weg gebracht haben. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten schon nach drei, vier Monaten so weit sind und ausziehen können.

Schon bisher hatte die Sozialberatung vier Plätze für Frauen in Doppelzimmern in der Weststraße 51/1. Dort befindet sich auch die inzwischen aus allen Nähten platzende Beratungsstelle für Haftentlassene und deren Angehörige. Mit dem aus Rücklagen finanzierten Haus in der Cäcilienstraße schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Beratungsstelle bekommt dort ab Frühjahr 2014 mehr Platz, die WG für Frauen wird komfortabler. In einem Haus in der Gartenstraße bietet der Verein seit langem zwölf haftentlassenen Männern betreute Wohnplätze an. Zusätzlich hat man 16 Wohnungen bei der Stadtsiedlung angemietet. Im vergangenen Jahr waren die Wohnplätze mit 89 Prozent praktisch voll belegt.

Wer nach mehrjähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wird, hat meist keine Wohnung mehr. Der Kontakt zur Familie ist oft genug völlig abgebrochen, frühere Partnerschaften bestehen nicht mehr. Damit in den ersten Tagen ohne Job und Wohnung niemand in ein Loch fällt und womöglich sofort wieder straffällig wird, bieten Vereine wie die Sozialberatung umfassende fachliche Beratung und praktische Hilfen an. Dazu gehören Unterstützung bei Behördengängen, Jobsuche, Schuldnerberatung und Familienzusammenführung. Biografiearbeit und Anti-Aggressionstraining.

Geldverwaltung

Rund 350 Personen betreut der Verein jedes Jahr. Wer einen Wohnplatz bei der Sozialberatung hat, muss sein Einkommen zunächst zwingend vom Verein verwalten lassen und bekommt nur ein Taschengeld ausbezahlt. Viele Klienten, Frauen wie Männer, haben ein Suchtproblem. Fast alle haben Geldstrafen und Schulden.

Die Miete fürs Zimmer übernimmt in der Regel das Jobcenter. Die liegt in der Cäcilienstraße inklusive Nebenkosten bei 280 Euro.

Betreut wohnen nach der Haft
Sobald das Erdgeschoss hergerichtet ist − hier befand sich früher eine Glaserei − wird die Sozialberatung auch ihre Beratungsstelle in die Cäcilienstraße 33 verlegen.