Bestandsaufnahme im Warenlabyrinth

Heilbronn  Heilbronn - In diesem Laden gibt es nichts, was es nicht gibt. Und damit ist schon ganz gut umrissen, was für eine Fitzelarbeit die Inventur bei Seifen-Reinhardt in Heilbronn ist. Das Kultgeschäft in der Bismarckstraße 72/2 führt 5000 Produkte von A wie Aceton bis Z wie Zitruspressen auf rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Bestandsaufnahme im Warenlabyrinth
Ohne Sorgfalt und Akribie funktioniert es nicht: Joscha Bernhardt (16) nennt Ware, Preis und Anzahl. Vanessa Mogler (16) trägt die Daten in eine Liste ein. Abends werden alle Bestände zusammengezählt.Fotos: Dennis Mugler

Heilbronn - In diesem Laden gibt es nichts, was es nicht gibt. Und damit ist schon ganz gut umrissen, was für eine Fitzelarbeit die Inventur bei Seifen-Reinhardt in Heilbronn ist. Das Kultgeschäft in der Bismarckstraße 72/2 führt 5000 Produkte von A wie Aceton bis Z wie Zitruspressen auf rund 500 Quadratmetern Verkaufsfläche. Hunderttausende Waren für den häuslichen Bedarf finden sich in den vielfach verschachtelten Räumen, Häusern, Schuppen, in denen der heutige Firmenchef Hans Reinhardt (66) quasi aufgewachsen ist. Wer bei Seifen-Reinhardt einkauft, sieht schier den Laden vor lauter Krimskrams nicht mehr, so vollgehängt sind die Wände und selbst das Treppengeländer mit Karabinerhaken, Ösen, Rückenkratzern...

Doch Hans Reinhardt hat den Überblick über dieses für ungeübte Augen unübersichtliche Chaos. Mögen sich andere in dem Labyrinth aus Gängen, Regalen und verschachtelten Kellergewölben verirren. Der Mann, der den Familienbetrieb in der dritten Generation führt, kennt sich in seinem Reich aus wie in seiner Westentasche. "Zu 99 Prozent weiß ich, wo was steht", sagt er. Es klingt wie die Verkündung eines Wunders.

Gewusel

Weil aber auch das Finanzamt genau wissen will, was alles in welcher Zahl vorhanden ist, geht es zwischen den Jahren in dieser fast museumsreifen Umgebung, für die sich schon Kinofilmemacher als Kulisse interessiert haben, noch ein bisschen enger zu als sonst. Kunden, die hier einkaufen, müssen schon in Normalzeiten aufpassen, nicht irgendwo anzuecken oder hängenzubleiben. Die Inventur aber gleicht einer Operation am offenen Herzen. 13 Schüler und Studenten nehmen an zwei Tagen zwischen Silvester und Neujahr bei Seifen-Reinhardt jedes einzelne Teil im Laden in die Hand und tragen es in eine Liste ein, während die Kunden zum Beispiel eine Spritzausrüstung zum Plätzchenbacken suchen.

Laien erkennen in allem nur ein Kuddelmuddel, ein Gewusel wie im Ameisenhaufen. Doch für Hans Reinhardt ist die Inventur zwar "immer lästig", aber strategisch hat er alles im Griff. "Wir arbeiten uns mit unseren Helfern von hinten nach vorne und von unten nach oben, und wenn wir uns in der Mitte treffen, sind wir fertig." Da spricht der Routinier aus dem Kaufmann. In eineinhalb Tagen haben die Teams alles aufgelistet − oder geschätzt. Denn die Unterlegscheiben, die an einem Ring hängen, einzeln zu zählen, wäre wirklich zu viel verlangt. Und die Schraubenkisten werden nur gewogen und dann durch das Gewicht einer Schraube geteilt. Alles andere wäre zu viel der Erbsenzählerei.

Hassprodukte

Die Arbeit ist auch so mühselig genug. "Hassprodukte sind die Körbe", sagt der Student Philipp Weinstock (20). Denn fast jeder einzelne Korb habe einen anderen Preis, und dafür muss er jeden einzeln auf seiner Liste notieren. Besser und schneller geht es, wenn sein Teamgefährte Fabian Lobmüller (20) ihm mit Preis zuruft, was er in welcher Anzahl sieht, etwa die Plastikbehälter in gleicher Größe. Dann sind die Listen schneller geschrieben. Am Abend müssen die Aushilfskräfte dann noch die Zahlen auf den Listen addieren und Summen bilden. Hans Reinhardt und seine festen Mitarbeiter tragen die Daten in die Bücher ein, so hat alles seine Richtigkeit fürs Finanzamt. An eine Überraschung kann sich der Firmenchef bei der Inventur jedenfalls nicht erinnern. "Bei uns steht halt alles an seinem Platz."

Bestandsaufnahme im Warenlabyrinth
Fleißig bei der Sache: Ursula Steinbacher-Herbig (li.) und Anne Mechelmann.
Bestandsaufnahme im Warenlabyrinth
Firmenchef Hans Reinhardt hat den Überblick und alles im Griff.
Bestandsaufnahme im Warenlabyrinth
Elena Knochenhauer (links) und Lisa Mayer zählen die Körbe.