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Lösungen für nördliche City lassen auf sich warten
Von Bärbel Kistner
Heilbronn - Die großen Lücken in der Heilbronner Innenstadt sind mit Stadtgalerie und Klosterhof gefüllt. Andernorts ist man dagegen weit entfernt von greifbaren Lösungen. Größtes Sorgenkind ist die nördliche City. "Hier haben wir ein Riesenproblem, wir müssen gegensteuern, dass sich der Handel nicht noch weiter ausdünnt." So hat Erste Bürgermeisterin Margarete Krug die Lage beschrieben. Das war im November 2008.
Gut ein Jahr später hat sich die Situation in der Sülmerstraße weiter verschlechtert. Im Oktober 2009 hat mit dem Drogeriemarkt Müller ein wichtiger Einzelhandelsmagnet geschlossen. Die Schaufensterscheiben sind zugeklebt, den Eingangsbereich nutzen mitunter Obdachlose als Lagerplatz.
"Wir spüren einen deutlichen Abbruch bei der Frequenz", sagt Tino Schmidt, Centermanager im K 3. Sein Eindruck: Ehemalige Stammkunden der Drogerie finden überhaupt nicht mehr den Weg in die nördliche Fußgängerzone. Schmidt befürchtet Folgen - nicht nur für sein Center, in dem etliche Mietverträge zum zehnjährigen Bestehen im November 2010 enden. "Wir laufen Gefahr, zur Billigheimer-Ecke von Heilbronn zu werden."
Enttäuschung
Weil sich der Niedergang, ebenso wie die Schließung von Müller, seit längerem abgezeichnet haben, ist Schmidt auch enttäuscht vom Masterplan: "Wir hatten erwartet, dass mehr Anstrengungen unternommen werden. Bislang wurde noch nichts angefasst." Man habe im Rathaus vor Monaten auf die Folgen verwiesen und will in Kürze erneut vorstellig werden.
"Am Masterplan sind wir dran", heißt es bei der zuständigen Bürgermeisterin, doch die Haushaltslage habe die Prioritäten verschoben. Für die ehemalige Müller-Fläche sieht Margarete Krug durchaus Entwicklungspotenzial. Druck auf den Eigentümer wolle man aber nicht ausüben. "Eine Einmischung ist kontraproduktiv." Auch sei die Stadt nicht für Leerstandsmanagement zuständig. "Wir haben für den Moment getan, was wir können."
Keine Eile
Seitens des Immobilieneigners, der Stuttgarter Dinkelacker-AG, hat man keine Eile mit einer Neubelegung. Kraft Vertrag zahlt Müller Miete bis Ende des Jahres. Man bemühe sich um einen soliden Mieter, der der Straße gerecht werde und von dem auch das K 3 profitiere, lässt Dinkelacker verlautbaren. Das Gebäude sei zukunftsfähig, auf Umbau im großen Stil will man verzichten. Allenfalls der Einbau einer Rolltreppe werde geprüft.
Die Eigentümer machen keinen Hehl daraus, dass sie mit der Heilbronner Stadtentwicklung nicht glücklich sind. Man könne nicht Flächenexpansion betreiben und neue Center wie den Klosterhof bauen, ohne sich um die Auswirkung auf vorhandene Flächen zu kümmern. Ob sich für einen anderen Leerstand eine Lösung abzeichnet, wird mit Spannung erwartet. "Ein positives Ergebnis naht", sagt Ewald Mack, Projektentwickler der Immobilie des früheren Kachel-Gebäudes. Verträge seien noch nicht unterzeichnet. Die offizielle Bestätigung steht deshalb noch aus - auch wenn der Name des möglichen Mieters schon seit Monaten die Runde macht: Systemgastronom Vapiano.
Seit Wochen laufen die Bauarbeiten im Modehaus Krauß. Thomas Barthel, einer der Eigentümer, will noch immer nicht mit Nutzungsidee oder Mieternamen herausrücken: "Es geht nicht so schnell voran, wie wir gedacht haben", so Barthel.
Passanten und Lage
Bestandteil des Masterplans ist eine Prognose zu den Fußgängerfrequenzen in der Heilbronner Innenstadt. Für den nördlichen Bereich geht man von einem deutlichen Rückgang der Passanten aus. 2005 wurden für die Sülmerstraße zwischen Kaiserstraße und K 3 Mittelwerte zwischen 800 und 1200 Passanten pro Stunde ermittelt. Für die Zukunft rechnet man ab der Sonnengasse nur noch mit 400 bis 800 Passanten pro Stunden. Bei der Klassifizierung der Geschäftslagen ist das Niveau gegenüber 2007 nahezu gleich geblieben: Auch 2009 gilt die Sülmerstraße bis zur Karlstraße (ausgenommen der Platz am Hafenmarkt) als 1b-Lage, bis zur Schellengasse ist es eine 2a-Lage und das letzte Stück bis zum K 3 wird als 2b-Lage bewertet.
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