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„Den Mord vom Gesamtbild trennen“
Von Carsten Friese
Heilbronn - Es war eine Art Offensive in Sachen gefühlte Sicherheit in der Stadt Heilbronn. Der brutale Mord an einer Polizistin auf der Theresienwiese sollte an dem Abend eigentlich ein Randaspekt bleiben. Doch dieser „nach wie vor unerklärliche“ Kriminalfall (Kripo-Chef Volker Rittenauer) kann bei einer Diskussion zum Thema „Wie sicher lebt der Bürger in Heilbronn?“ derzeit nicht ausgeblendet werden, nicht einmal im Ansatz.
Angst Auf Einladung des Cafés International, eines Arbeitskreises der Lokalen Agenda 21, war die komplette Führungsspitze der Unterländer Polizei ins VHS-Foyer auf ein Podium gekommen. „Man muss ja Angst haben in Heilbronn“: Solche Sätze hatte Arbeitskreis-Leiter Wolfgang Geltz nach dem Polizistenmord öfter gehört. Er fragte bei der Polizei an, ob das Thema Sicherheit in Heilbronn mit Experten beleuchtet werden kann.
Zwischen gefühlter Sicherheit der Bürger und den Kriminalitätszahlen besteht ein großer Kontrast. Diese Hauptbotschaft schnürten die Polizeivertreter mit einzelnen Aspekten auf. Die objektive Sicherheitslage „sieht wirklich gut aus“, betonte der Unterländer Polizeichef Roland Eisele. Beim Vergleich aller Stadtkreise sei Heilbronn im Jahr 2006 zum wiederholten Mal „die sicherste Großstadt“ in Baden-Württemberg. Das Jahr 2006 habe in Heilbronn einen Rückgang der Gesamtkriminalität um 10,8 Prozent gebracht. Und im Zehn-Jahres-Vergleich der Stadt weise das Jahr 2006 die zweitniedrigste Straftatenzahl auf. Eisele: „Man muss das Verbrechen des Polizistenmordes vom Gesamtbild trennen.“
Rätsel Hauptkommissar Herbert Burkhardt führte ein plastisches Beispiel ins Feld. Wie viele Handtaschenraubüberfälle gab es 2006 in Heilbronn? Die Zuhörer lagen mit Tipps weit daneben. „Genau sieben“, löste Burkhardt die Frage auf. „Objektiv lebt es sich sicher in Heilbronn“, sagte Volker Rittenauer und bekam Beistand von Reinhold Gall (Obersulm), Sicherheitsexperte der Landes-SPD: Die Entwicklung in Heilbronn sei „außerordentlich zufriedenstellend“.
Andreas Mayer, der Leiter des Heilbronner Reviers, stempelte das Konzept „Sichere City“ mit der starken Polizeipräsenz in der Innenstadt als „äußerst erfolgreich“. Man habe die Kriminalität „nicht nur verdrängt, sondern auch tatsächlich reduziert“. Im Rahmen dieses City-Konzepts war die Böblinger Bereitschaftspolizistin Michéle Kiesewetter unterwegs, als sie am 25. April in ihrer Mittagspause die tödliche Kugel traf. Eine bürgernahe Polizei sei natürlich auch verletzlich, sagte Mayer. Aber: Die bürgernahe Polizeiarbeit „geben wir nicht auf“.
Einen Einfluss von geballter Straftatendarstellung in den Medien auf das Sicherheitsgefühl hob Hans Müller in der Fragerunde hervor. Er lobte die Polizei für ihr bürgernahes Konzept. Vor 20 Jahren habe man sich noch „hinter Mauern verschanzt“.
Nur 22 Zuhörer waren zum Themenabend gekommen, was Organisator Wolfgang Geltz bedauerte. Für ihn könnte dies aber auch ein Zeichen sein: „Die Bürger fühlen sich sicher.“
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