Tonnenweise nadelnde Christbäume verladen

Heilbronn  Mit zwei Lastwagen sammelt die Evangelische Jugend in Böckingen-Nord alte Christbäume ein. Doch die Spendenbereitschaft als Dank für den Service lässt nach.

Von Ulrike Bauer-Dörr

Julian Weiß klingelt an der Haustür und stellt sich vor. "Evangelische Jugend, wir holen Ihren Christbaum ab." Er hat Glück. Eine ältere Frau empfängt ihn im Treppenhaus und überreicht ihm einen Fünf-Euro-Schein. "Ich bin sehr froh, dass die jungen Leute meinen Baum abholen", sagt sie.

So einfach wie hier kommen die 15 Jugendlichen, darunter zwei Mädchen, am Samstagvormittag nicht zu einem kleinen Obolus für ihren freiwilligen Arbeitseinsatz. Die wenigsten Bewohner der großen Wohnblocks entlang der Heidelberger Straße auf der Schanz haben einen der 3000 in ganz Böckingen-Nord verteilten Handzettel mit ihrem Namen und der Hausnummer ausgefüllt und an ihr nadeliges Weihnachtsüberbleibsel gebunden.

Nur dann können die Sammler klingeln und sich ein paar Euro abholen. Geld an den Baum zu binden, etwa weil man nicht zu Hause ist, ist keine gute Idee: Das vereinnahmen mitunter die Falschen.

Spendenbereitschaft lässt nach

"Die Spendenbereitschaft lässt immer mehr nach", bedauert Julian Weiß vom Orga-Team. "Wieso? Ihr kriegt doch dafür Geld von der Stadt", hat er schon als Ausrede gehört. Wer aber weiß, dass die Christbaum sammelnden Vereine mit dem Geld ihre Arbeit finanzieren, gibt gerne etwas. Üblich seien vier Euro, manchmal gibt es nur zwei, eher selten zehn Euro pro Baum. Die Stadt stellt jeder Organisation lediglich eine Anerkennungspauschale von 150 Euro zur Verfügung.

Dafür ist die Evangelische Jugend Böckingen-Nord am Samstag mit zwei Teams und zwei Lkw einen halben Tag unterwegs. Und sie hat Glück: Die Fahrzeuge plus Fahrer und Benzin sponsern die Firmen Wilder (Heilbronn) und Winkler (Neckarwestheim). "Das Geld, das wir heute einnehmen, fließt in unser Zirkuszeltlager an Pfingsten und unser großes Zeltlager im Sommer", erklärt Weiß. Als kleines Dankeschön bekommen die Helfer morgens ein Frühstück und mittags Spaghetti Bolognese im Gemeindehaus im Holunderweg.

Bäume werden gehäckselt und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet

In Frankenbach und in der Heilbronner Innenstadt fand sich auch in diesem Jahr kein Verein und keine Jugendgruppe, die Zeit, Personal und Lust fürs Weihnachtsbaum-Einsammeln gehabt hätte. Hier wurden private Firmen beauftragt.

Alle Sammelfahrzeuge lieferten ihre vertrocknete Grünfracht bei der Firma AKG beim Wartberg ab. Letztes Jahr waren es 45 Tonnen, erinnert sich Dr. Beate Gehring von den städtischen Entsorgungsbetrieben Heilbronn. Wenn ein Baum im Januar im Durchschnitt noch fünf Kilo wiegt, waren das 9000 Stück.

Und was passiert damit? "Sie werden gehäckselt und zu Holzhackschnitzeln zur Wärmegewinnung verarbeitet." Einige Landwirte nutzen die Masse auch zur Bodenverbesserung.