Stimme-Redakteure streiken für Qualitätsjournalismus

Heilbronn  Journalisten-Gewerkschaften fordern eine bessere Bezahlung von Redakteuren und gehen deshalb auf die Straße. Stimme-Verleger Tilmann Distelbarth hält einen geplanten mehrtägigen Warnstreik allerdings für „unangemessen“.

Von Adrian Hoffmann

Stimme-Redakteure bei einer Kundgebung auf dem Heilbronner Kiliansplatz. Foto: Andreas Veigel

Mehr Wertschätzung für guten Journalismus – das forderten am Freitagmittag rund 25 streikende Redakteure der Heilbronner Stimme auf dem Kiliansplatz. Sie erwarten ein Entgegenkommen der Zeitungsverleger in der vierten Verhandlungsrunde über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Stimme-Verleger Tilmann Distelbarth hält die mehrtägige Dauer des Warnstreiks für „unangemessen“.

Mehr Gehalt

Die nächsten Verhandlungen von Verlegern und Gewerkschaften beginnen am Montag. Aber man sei bereits jetzt in den Streik getreten, „um deutlich zu machen, dass wir am Montag etwas auf dem Tisch sehen wollen“, erklärt Thomas Dorn, Mitglied der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) und Landkreis-Redakteur bei der Stimme. Gefordert werden 4,5 Prozent mehr Gehalt. Es sei wichtig, die Qualität der Tageszeitung zu erhalten – und das gehe nur, wenn man fähige Köpfe für den Journalismus gewinne.

Das sieht auch Ulrike Kübelwirth so, Stimme-Betriebsrätin und Mitglied des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Sie ist der Meinung, dass die Verleger „mit unserem Berufsstand spielen“. Es stelle sich die Frage, wer den Beruf ergreife, wenn gerade bei den ohnehin nicht „fürstlich entlohnten“ Berufseinsteigern gespart werde. Kübelwirth: „Man kann nicht Qualitätsjournalismus preisen und gleichzeitig nichts für ihn tun.“

In Zeiten, in denen immer mehr Verlage die Tarifflucht suchten, setze sich die Heilbronner Stimme für eine starke Tarifgemeinschaft in Deutschland ein, sagt dagegen Verleger Tilmann Distelbarth. Es müsse gelingen, Rahmenbedingungen für einen qualitativ hochwertigen Journalismus zu schaffen, der auch in Zeiten kleiner werdender wirtschaftlicher Spielräume zukunftsfähig bleibe.

Zukunftsfragen

Derzeit würden die Redaktionsarbeit neu organisiert und neue digitale Produkte entwickelt. Mit der aktuellen Neuorganisation der Redaktionsarbeit und der Entwicklung neuer digitaler Produkte gebe die Stimme „überzeugende Antworten auf diese Zukunftsfragen“. Das Tarifgefüge muss die internen Entwicklungen Schritt für Schritt begleiten und unterstützen“, sagt Distelbarth. „Ein moderater Tarifabschluss ist dafür eine wichtige Voraussetzung.“