Jüdisches Leben nur unter Polizeischutz möglich

Heilbronn  Nach der Zerstörung des Chanukka-Leuchters in Heilbronn ist Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden, tief besorgt.

Von Hans-Jürgen Deglow

Charlotte Knobloch
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, äußert sich empört über die Erklärung der Chemnitzer Staatsanwaltschaft zum Verkauf kleiner "Merkel-Galgen". Foto:dpa  

Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden, sieht nach der teilweisen Zerstörung eines Chanukka-Leuchters in Heilbronn öffentliches jüdisches Leben in Deutschland zunehmend bedroht.

Knobloch sagte der Heilbronner Stimme: "In Berlin wie bei uns in München standen die großen Chanukka-Leuchter rund um die Uhr unter Bewachung. Jüdisches Leben kann in der Öffentlichkeit nur unter Polizeischutz und schärfsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden – oder es muss aus Sicherheitsgründen ganz abgesagt werden wie die öffentliche Chanukka-Feier in Mülheim."

Knobloch: "Ein antisemitisches Motiv ist zu vermuten"

Unbekannte hatten in Heilbronn mehrere Lampen und die dazugehörigen Gaskartuschen von dem neunarmigen Leuchter geschlagen. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen und schließt einen antisemitischen Hintergrund nicht aus. Ein Passant hatte den Schaden am ersten Weihnachtsfeiertag bemerkt. Der drei Meter hohe Leuchter war von der Jüdischen Gemeinde anlässlich des Chanukka-Festes aufgestellt worden.

Chanukka-Leuchter an der Heilbronner Allee
Wo früher an der Heilbronner Allee eine Synagoge stand, stellt die jüdische Gemeinde jedes Jahr einen Chanukka-Leuchter auf. Foto: Archiv/Ralf Seidel  

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Zur Beschädigung des Chanukka-Leuchters sagte Knobloch: "Ein antisemitisches Motiv ist zu vermuten. Sollte sich das herausstellen, so bestätigte dies erneut den Zustand, den wir seit Langem beklagen: Regelmäßig werden jüdische Einrichtungen, Synagogen und Friedhöfe geschändet, werden öffentlich zugängliche Ausstellungen und Installationen mutwillig beschädigt oder zerstört." Knobloch verweist dabei auf die Ausstellung auf dem St.-Jakobs-Platz oder die Ausstellung über die Erfolge jüdischer Sportler.

Knobloch fordert Antisemitismus-Beauftragten

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern sagt: "Aggressiver Antisemitismus, von verbalen Anfeindungen im Internet und in der analogen Welt über Schändungen und Zerstörungen bis hin zu physischen Angriffen sind in Deutschland an der Tagesordnung."

Charlotte Knobloch fordert von der Bundesregierung die Einsetzung eines Antisemitismus-Beauftragten: "Antisemitismus erstarkt von rechts und links, in der muslimischen Community und auch in der Mitte der Gesellschaft. Deswegen braucht es einen Antisemitismusbeauftragten." Dieses Amt müsse starke Kompetenzen und Befugnisse erhalten und dürfe keine Symbolpolitik sein. "Die wirksame Bekämpfung der vielen offenen und verdeckten Formen von Antisemitismus ist überfällig", sagte Knobloch.

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